Einschusslöcher in Winnenden | Bildquelle: dpa

Zehn Jahre nach Winnenden Forderung nach schärferem Waffenrecht

Stand: 11.03.2019 05:01 Uhr

Am zehnten Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden mehren sich die Rufe nach einer stärkeren Reglementierung von Schusswaffen. Noch immer fehle es der Bundesregierung an Problembewusstsein, kritisieren die Grünen.

Zehn Jahre nachdem der 17-jährige Tim K. bei einem Amoklauf in Winnenden 15 Menschen und sich selbst mit einer Sportwaffe erschoss, wird erneut die Forderung nach einer Verschärfung des Waffengesetzes laut. Die Bundesregierung habe "immer noch nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen und den privaten Besitz von Schusswaffen schärfer reglementiert", sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, dem "Redaktions Netzwerk Deutschland".

Grünen-Obfrau Irene Mihalic
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Grünen-Politikerin Irene Mihalic fordert schärfere Regeln.

Jährlich verschwänden Tausende Waffen aus privaten Beständen, "und keiner weiß, wohin", sagte die Politikerin. Sie mahnte: "In diesem für die öffentliche Sicherheit so sensiblen Bereich brauchen wir endlich ein erkennbares Problembewusstsein der Bundesregierung."

Sorgen auch bei der Polizei

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, plädierte für ein rigides Waffenrecht: "Die Opfer mahnen uns, dass Gewalt und Waffen keine Problemlösungen sind. Sie bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt." Die Polizei sei zudem besorgt über die Zunahme der Anträge für den Kleinen Waffenschein.

Gedenkstätte für die Opfer des Amoklaufs von Winnenden: Der acht Tonnen schwere "Gebrochene Ring" des Künstlers Martin Schöneich nahe der Albertville-Realschule
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Gedenkstätte für die Opfer des Amoklaufs: Der acht Tonnen schwere "Gebrochene Ring" des Künstlers Martin Schöneich nahe der Albertville-Realschule

Die Vorsitzende der "Stiftung gegen Gewalt an Schulen", Gisela Mayer, zeigte sich besorgt angesichts der gestiegenen Zahl von Waffen und Waffenscheinen und forderte schärfere Gesetze. Darüber hinaus warnte die 62-Jährige, die bei dem Amoklauf eine Tochter verlor, die zunehmende Polarisierung in Deutschland begünstige Amokläufe.

Beim Amoklauf am 11. März 2009 hatte K. in der Albertville-Realschule mit einer Sportwaffe neun Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf der Flucht tötete er drei weitere Menschen, bevor er sich selbst das Leben nahm. Nach Angaben der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen!" sind in den zehn Jahren seit der Amoktat deutschlandweit mindestens 80 Menschen mit Schusswaffen von Sportschützen getötet worden. Die 2009 gegründete Initiative fordert ein Verbot tödlicher Sportwaffen, egal welchen Kalibers.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 11. März 2019 um 06:00 Uhr.

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