Lothar Wieler und Jens Spahn | dpa

Appell von Spahn und Wieler "Lage so ernst wie nie"

Stand: 26.11.2021 10:50 Uhr

Kontakte sollen dringend deutlich reduziert werden - Bundesgesundheitsminister Spahn hat die Corona-Lage in Deutschland als "ernst wie nie" bezeichnet. Dem schloss sich RKI-Chef Wieler an.

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat dringend umgehende Kontaktreduzierungen eingefordert, um eine immer weitere Corona-Ausbreitung in ganz Deutschland abzuwenden. Die Lage sei so ernst wie noch zu keinem Zeitpunkt in der Pandemie, sagte der CDU-Politiker. Doch zu wenig passiere - und oft zu spät. Zu viele auch in politischer Verantwortung dächten, es werde schon gut gehen.

Die Welle werde von den bisher stark betroffenen Regionen im Süden und Osten Deutschlands aber weiter gen Westen und Norden ziehen. Ganz kurzfristig mache jetzt nur eines den entscheidenden Unterschied, sagte Spahn: "Die Zahl der Kontakte muss runter, deutlich runter. Es nützt alles nichts."

Spahn für schnelle Ministerpräsidentenkonferenz

Konkret nannte er konsequente Zugangsregeln nur für Geimpfte und Genesene zusätzlich mit Test (2G plus), Absagen von Feiern und Großveranstaltungen. Das beste wäre eine Ministerpräsidentenkonferenz mit dem Bund schon in den kommenden Tagen, sagte Spahn. Der Minister beklagte, dass man sich gerade auf zu vielen Nebenschauplätzen wie neuen Impfpflichten oder neuen Corona-Gremien verkämpfe.

Notwendig sei jetzt auch, planbare Operationen in Kliniken zu verschieben. Innerhalb Deutschlands müssten nun bis zu 100 Intensivpatienten mit großem Aufwand in andere Krankenhäuser verlegt werden.

Wieler: Jedes fünfte Intensivbett belegt mit Covid-19-Patient

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte, bundesweit lägen über 4000 Covid-19-Intensivpatienten in den Kliniken. Etwa die Hälfte davon brauche invasive Beatmung. Wieler betonte, dass jedes fünfte verfügbare Intensivbett von Covid-19 Patienten belegt sei. Damit seien nicht nur Covid-Patienten von der dramatischen Lage betroffen; auch andere dringend nötige Operationen würden dafür verschoben.

Wieler appellierte, jetzt alles zu tun, um die vierte Welle zu brechen. Er verwies darauf, dass bereits mehr als 100.000 Menschen in Deutschland seit Beginn der Pandemie ihr Leben verloren hätten. "Wie viele Menschen müssen denn noch sterben?" fragte Wieler. "Was muss denn noch geschehen", damit alle daran mitwirken, das Virus zu bekämpfen?" Er forderte dringende Maßnahmen, damit Deutschland nicht vor einem düsteren Weihnachten stehe.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. November 2021 um 10:00 Uhr.