Ein Mann sammelt in der Hafenstadt Hodeidah Linsen vom Boden auf | YAHYA ARHAB/EPA-EFE/Shutterstock

Jahresbericht der Welthungerhilfe 155 Millionen hungern lebensbedrohlich

Stand: 30.06.2021 14:04 Uhr

Mit der Pandemie ist die Zahl der Hungernden weltweit stark angestiegen. Nach Schätzung der Welthungerhilfe ist die Situation für 155 Millionen Menschen lebensbedrohlich. Präsidentin Thieme fordert eine Reform des Ernährungssystems.

Die Zahl der lebensbedrohlich hungernden Menschen auf der Welt ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Vor allem die Corona-Pandemie habe neben Klimawandel und Kriegen zu einer dramatischen Verschärfung der Situation geführt, heißt es im vorgestellten Jahresbericht der Welthungerhilfe.

"2020 litten 155 Millionen Menschen in 55 Ländern unter lebensbedrohlichem Hunger" sagte Präsidentin Marlehn Thieme. Das seien 20 Millionen Menschen mehr als 2019. Die Folgen der Corona-Pandemie seien insbesondere für die Ärmsten verheerend. Vor allem im globalen Süden fielen immer mehr Menschen in absolute Armut und könnten ohne Hilfe nicht überleben.

Laut dem Bericht ist der Hunger in Asien am stärksten verbreitet, 381 Millionen Menschen sind betroffen. Auf dem afrikanischen Kontinent sei die Hungersituation mit 250 Millionen Menschen ebenfalls alarmierend. Insbesondere in Ostafrika sei die Situation dramatisch, hier seien ein Fünftel der Bevölkerung unterernährt (19,1 Prozent). In Lateinamerika belaufe sich die Zahl auf 48 Millionen Menschen.

Frauen und Kinder leiden am stärksten

"Corona ist zum Hungervirus mutiert und insbesondere Frauen und Kinder leiden am stärksten unter den Folgen", sagte Thieme. Das vergangene Jahr habe aber auch gezeigt, wie viel trotz aller Schwierigkeiten erreicht werden könne. "Die Hilfsbereitschaft und Solidarität der deutschen Bevölkerung waren 2020 außerordentlich hoch", sagte der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge.

Organisation fordert Reform

Thieme mahnte eine Reform des weltweiten Ernährungssystems an. "Wir brauchen Rahmenbedingungen, mit denen es demnächst zehn Milliarden Menschen schaffen können, sich gesund zu ernähren, ohne die Natur und das Klima zu zerstören". Das heutige System sei weder gerecht noch nachhaltig.

"Es leistet wenig zur Überwindung des Hungers, es verhindert nicht, dass Menschen fehl- oder überernährt sind, und führt dazu, dass unser Planet Erde nachhaltig geschädigt wird", so Thieme weiter. Kleine Korrekturen würden nicht mehr helfen, nötig sei ein richtiger Systemwechsel.

Fleischkonsum verringern

Der Gipfel der Vereinten Nationen zu Ernährungssystemen im September müsse die Weichen für ein gerechtes, nachhaltiges und krisenfestes weltweites Ernährungssystem stellen, forderte sie weiter. Die Bundesregierung solle sich aktiv bei der Neugestaltung einbringen. Deutschland sollte Agrarsubventionen an Umwelt- und Klimaauflagen knüpfen. Zudem müsse der Fleischkonsum verringert werden, da er zu viele Flächen für den Anbau von Futtermitteln benötige, die dann für die Produktion anderer Lebensmitteln fehlten.

Hohes Spendenaufkommen in 2020

Mit fast 70 Millionen Euro warb die Organisation im Corona-Jahr 2020 so viele Spenden ein wie selten zuvor in ihrer fast 60-jährigen Geschichte. Nur 2005 und 2010 fiel die Summe noch höher aus. Mit Einnahmen von 285,4 Millionen Euro unterstützte die Organisation im vergangenen Jahr rund 14,3 Millionen Menschen in 35 Ländern. Die Schwerpunkte der Arbeit lagen erneut in Afrika und Asien.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell im Hörfunk am 30. Juni 2021 um 14:06 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 30.06.2021 • 21:53 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation