Der Eilbertus-Tragaltar aus dem Welfenschatz

Vor Gericht in den USA Erben klagen wegen Welfenschatz

Stand: 24.02.2015 11:49 Uhr

Der legendäre Welfenschatz ist keine NS-Raubkunst und muss den Erben jüdischer Kunsthändler nicht zurückgegeben werden. Das ist die offizielle deutsche Lesart. Jetzt haben die Erben Deutschland wegen des Schatzes vor einem US-Gericht verklagt.

Im Streit um den legendären Welfenschatz haben die Erben jüdischer Kunsthändler Deutschland vor einem US-Gericht verklagt. Sie werfen der Bundesrepublik vor, den millionenschweren mittelalterlichen Kirchenschatz nicht herauszugeben, obwohl es sich um NS-Raubkunst handele. Der Bostoner Anwalt Nicholas M. O'Donnell sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin, er habe die Klage beim Bundesgericht in Columbia eingereicht. Mit beklagt sei die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in deren Obhut sich die Goldreliquien befinden. Die Kläger schätzen den Wert auf 260 Millionen Euro.

In der Klageschrift heißt es, 1935 hätten die damaligen Eigentümer des Welfenschatzes, vier jüdische Kunsthändler, die Sammlung unter dem Druck der Nazis weit unter Wert verkaufen müssen. Das Geschäft sei damit widerrechtlich und nichtig. "Würde Deutschland etwas anderes behaupten, würde es noch 2015 Görings Plündereien ausdrücklich billigen", heißt es in dem Schriftsatz.

Stiftung und Schiedskommission: Keine NS-Raubkunst

Sowohl die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als auch die sogenannte Limbach-Kommission hatten dagegen nach langer Prüfung erklärt, es gebe keine Hinweise auf NS-Raubkunst. Die Schiedskommission unter Leitung der früheren Bundesverfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach sprach den Schatz deshalb 2014 - in einer allerdings nicht bindenden Entscheidung - der Preußenstiftung zu. Die Kläger hatten das Gremium damals mit angerufen. In ihrem Schriftsatz jetzt bezeichnen sie das Verfahren allerdings als "Scheinprozess". Sie hätten 2014 die gleiche Diskriminierung erfahren wie ihre Verwandten während der Nazi-Zeit.

Stiftungspräsident Hermann Parzinger reagierte "verwundert" auf die Klage. Er gehe jedoch davon aus, dass die jahrelange wissenschaftliche Erforschung des Falls auch das US-Gericht überzeugen werde - sollte es überhaupt zuständig sein, erklärte er. Kulturstaatsministerin Monika Grütters reagierte "mit Gelassenheit". "Uns sind keine neuen Fakten bekannt", sagte die CDU-Politikerin. Für die Bundesregierung gelte weiter die Empfehlung der Limbach-Kommission.

Der Welfenschatz

Der Welfenschatz wurde ursprünglich für den Braunschweiger Dom zusammengetragen. Die Goldschmiedearbeiten aus dem 11. bis 15. Jahrhundert gelangten 1671 in den Besitz des Welfenhauses, des ältesten Adelsgeschlechts Europas.

1929 verkaufte Herzog Ernst-August von Braunschweig-Lüneburg 82 Stücke an ein jüdisches Händlerkonsortium. Sechs Jahre später - 1935 - erwarb der Staat Preußen über die Dresdner Bank etwa die Hälfte der Kunstschätze für das Schlossmuseum, das heutige Kunstgewerbemuseum in der Nähe des Potsdamer Platzes in Berlin.

Neben dem Pergamon-Altar und der Büste der Nofretete gehört der Welfenschatz heute zu den Hauptattraktionen der Berliner Museen. Herausragende Stücke sind etwa das berühmte Welfenkreuz, der Eilbertus-Tragaltar und das Kuppelreliquiar.

Anwalt: Waren gezwungen, vor US-Gericht zu klagen

Nach Angaben des Marburger Anwalts Markus H. Stötzel, der den Fall gemeinsam mit O'Donnells Kanzlei vertritt, geht aus den Akten eindeutig hervor, dass die damaligen Kunsthändler die rechtmäßigen Besitzer des Schatzes waren. Sie hätten ihn 1929 für 7,5 Millionen Reichsmark vom Adelshaus der Welfen erworben. 

Bei den Klägern handelt es sich um einen Enkel und einen Großneffen der damaligen Verkäufer. Sie hätten sich nun gezwungen gesehen, bei einem US-Gericht zu klagen, weil das deutsche Zivilrecht nach wie vor keine ausreichende Handhabe zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht biete.

Welfenschatz darf Deutschland nicht verlassen

Am Wochenende war bekannt geworden, dass das Land Berlin den Welfenschatz Anfang Februar in das Verzeichnis des national wertvollen Kulturguts aufgenommen und damit unter höchsten deutschen Kulturschutz gestellt hatte. Damit sei die Ausfuhr der Sammlung oder einzelner Teile davon nur mit Genehmigung von Kulturstaatsministerin Grütters möglich, sagte Parzinger.

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KOMMENTARE

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brbrbr 24.02.2015 • 19:11 Uhr

@Stein im Schuh

Ich bin völlig Ihrer Meinung. Es ist abenteuerlich, wie hier im Forum mit Klischees gearbeitet wird - und es ist beschämend! Einigen Herrschaften darf man nicht nur empfehlen, mal ein bisschen darüber nachzudenken, was das deutsche Volk jüdischen Menschen angetan hat, sondern sich auch über die Rechtsverhältnisse zu informieren. So heißt es fast schon im ersten Satz der "Handreichung" zum Washingtoner Abkommen, dass dieses für die Bundesrepblik Deutschland nicht rechtsverbindlich ist.