Sendemast für Mobilfunk | dpa

Bund und Länder Warnung per Cell Broadcast soll kommen

Stand: 10.08.2021 20:04 Uhr

Nach den Erfahrungen bei den Unwettern im Juli soll künftig besser vor drohenden Katastrophen gewarnt werden. Bund und Länder beschlossen deshalb, das Cell-Broadcasting-System einzuführen, um Gefährdete per Textnachricht zu alarmieren.

Nach der verheerenden Flutkatastrophe Mitte Juli wollen Bund und Länder das Cell-Broadcasting-System zur Warnung der Bevölkerung einführen. Das teilten beide Seiten nach der Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer mit. Demnach erarbeitet die Bundesregierung bereits eine Gesetzesgrundlage. "Parallel dazu werden zeitnah die Mobilfunkmasten in Deutschland technisch angepasst", hieß es in dem gemeinsamen Beschluss.

Durch das System sollen Menschen in Gefahrenbereichen, die sich in einer entsprechenden Funkzelle mit ihrem Handy aufhalten, künftig per Textnachricht gewarnt werden. Die Installation einer App ist nicht nötig. Das System wird in vielen anderen Ländern genutzt.

Sirenen werden wieder heulen

Parallel beschlossen Bund und Länder einen Ausbau des Systems des Sirenennetzes zur Verbreitung von Warnungen in Katastrophen- und Notfällen. Der Bund stellt den Bundesländern bis 2023 demnach über ein Förderprogramm bis zu 88 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld hatte er bereits im Frühjahr nach dem misslungenen Warntag 2020 zugesagt, damit in Kommunen Sirenen instand gesetzt oder wieder aufgebaut werden. Das soll nun vorangetrieben werden.

Technik in allen Mobilfunkstandards vorhanden

Bislang setzte die Bundesregierung bei drohenden Katastrophen vor allem auf Warnhinweise über die Medien und Apps wie "NINA" und "Katwarn". Diese müssen aber aktiv auf Smartphones installiert werden. Doch gerade viele ältere Menschen besitzen zwar ein Handy, aber kein geeignetes Smartphone.

Daher soll nun Cell Broadcast Anwendung finden, da die Technologie in allen Mobilfunkstandards verankert ist - vom alten GSM bis zum aktuellen 5G. Die Warnhinweise gelangen auf alle Mobilfunkgeräte, die in der Funkzelle eingebucht sind. Solange die Warnung aufrechterhalten bleibt, werden auch Geräte erreicht, die sich neu einbuchen. Und selbst wenn das Handy stumm geschaltet ist, sind die Warnmeldungen via Cell Broadcast kaum zu überhören.

Warnungen nur, solange Funkzellen senden

Ähnlich wie beim UKW-Radio kann niemand feststellen, wer die Warnmeldungen empfangen hat. Im Gegensatz zur SMS oder modernen Messenger-Systemen gibt es keinen Rückkanal. Daher gilt Cell Broadcast als ein sehr datenschutzfreundliches Warnsystem. Die Warnungen erreichen die Empfänger allerdings nur, solange die Funkzellen senden. In extremen Situationen wie den jüngsten Hochwasserkatastrophen in Rheinland-Pfalz oder NRW können die Zellen auch ausfallen, weil die Stromversorgung zusammengebrochen ist oder der Funkmast weggespült wurde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juli 2021 um 11:36 Uhr.