Norbert Walter-Borjans | Bildquelle: dpa

Empfehlung an SPD Walter-Borjans rät von Kanzlerkandidatur ab

Stand: 06.11.2019 17:55 Uhr

Walter-Borjans schlägt seiner Partei vor, einen Spitzen- statt einen Kanzlerkandidaten aufzustellen. Außerdem ließ er durchblicken, wer die SPD unter seinem Vorsitz wohl kaum in den Wahlkampf führen wird.

Der SPD-Vorsitzkandidat Norbert Walter-Borjans rät seiner Partei davon ab, in ihrer jetzigen Verfassung mit einem Kanzlerkandidaten in den Bundestagswahlkampf zu ziehen. "Ich würde erst mal dafür werben, dass wir einen Spitzenkandidaten aufstellen", sagte Walter-Borjans dem "Spiegel".

Er glaube nicht, "dass wir im Augenblick an dieser Stelle wären, einen Kanzlerkandidaten aufzustellen", sagte der frühere NRW-Finanzminister. Die SPD kommt in Umfragen zur Bundestagswahl derzeit auf 13 bis 16 Prozent. Der Vorstoß ist ein Tabubruch: Bislang kürte die SPD vor jeder Wahl einen offiziellen Kanzlerkandidaten, kleinere Parteien treten dagegen meist mit Spitzenkandidaten an.

Walter-Borjans schränkte auf Nachfrage von tagesschau.de ein, es gehe ihm um die momentane Situation der SPD. "Wenn eine Mehrheit wieder in Sicht ist, dann ist auch eine Kanzlerkandidatur für die SPD angesagt." Die Fantasie habe er aber nicht, wenn die Partei einfach so weitermache. Es sei im "Spiegel"-Interview um die Frage gegangen, ob Scholz Kanzlerkandidat sein könne.

Seine Mitbewerberin Saskia Esken betonte gegenüber tagesschau.de, die SPD brauche im Moment keine Vorsitzenden, "die den Vorsitz als Steigbügel für die Kanzlerkandidatur sehen". Es gehe erst einmal darum, der Partei wieder Hoffnung und Stärke zu geben.

Scholz will an Kanzlerkandidatur festhalten

Vizekanzler Olaf Scholz, der gemeinsam mit Klara Geywitz ebenfalls für den SPD-Vorsitz kandidiert, widersprach im selben "Spiegel"-Interview der Ansicht von Walter-Borjans. Zunächst gehe es um den Parteivorsitz. "Aber natürlich erwarten die Mitglieder der SPD, erwarten die Anhänger der SPD, dass die Führung der SPD die Fähigkeit besitzt, eine solche Kandidatur auch mit sich selber durchzutragen", sagte er.

Walter-Borjans betonte, es müsse "nicht zwingend" einer der Vorsitzenden als Nummer eins in den nächsten Wahlkampf ziehen. Die Entscheidung dürfe aber nicht an den Vorsitzenden vorbeilaufen.

Die Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz | Bildquelle: REUTERS
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Die Duos Scholz/Geywitz und Walter-Borjans/Esken gehen in die Stichwahl um den SPD-Parteivorsitz.

Wer wird die SPD in den Wahlkampf führen?

Zugleich ließ er durchblicken, dass Scholz unter seinem Vorsitz wohl wenig Chancen auf eine Spitzenkandidatur hätte. Sollten Saskia Esken und er Parteivorsitzende werden, müsse man die Frage stellen: "Gibt es eine Alternative zu dem, wer es sich zutraut, also Olaf. Und wie könnte die aussehen?", sagte Walter-Borjans. Die SPD verfüge "über eine Menge sehr qualifizierter Köpfe".

Die SPD-Basis stimmt Ende November in einer Stichwahl darüber ab, welches der beiden Bewerberduos den Vorsitz übernehmen soll. Das Duo Walter-Borjans und Esken steht der Großen Koalition im Gegensatz zu den Gegenkandidaten Scholz und Geywitz kritisch gegenüber.

Mit Informationen von Corinna Emundts, tagesschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2019 um 16:00 Uhr in den Nachrichten.

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