An der Brockenstraße im Harz stehen geschädigte Bäume. | Bildquelle: dpa

Klimawandel Toter Wald wird zur Öko-Nische

Stand: 15.07.2020 14:31 Uhr

Würzburger Wald-Forscher kommen zu einem überraschenden Ergebnis: Das Baumsterben durch den Klimawandel lässt die Artenvielfalt aufblühen. Doch nur unter bestimmten Bedingungen.

Durch den Klimawandel verursachte Waldschäden könnten einen positiven Effekt auf die Artenvielfalt haben. Zu diesem Schluss sind Wissenschaftler der Universität Würzburg gekommen. Sie untersuchten etwa 500 Waldstücke in Deutschland und zählten, welche Tiere und Pflanzen in welchen Lebensräumen leben.

Zählen mit moderner Lasertechnik

Dafür scannten die Ökologen mit moderner Laser-Technik Mischwälder, Monokulturen und Brachen mit kranken Bäumen. Auf diese Weise konnten die Forscher erstmals das Leben vieler Artengruppen aus dem Reich der Tiere, Pflanzen und Pilze bestimmen - darunter Fledermäuse, Vögel, Gliederfüßer, Pilze und Flechten, die insgesamt 2.600 Arten repräsentieren.

Das überraschende Ergebnis der Feldaufnahmen: Ein Wechsel von dichtem Wald und Lücken erhöht demnach die Vielfalt in den meisten Artengruppen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Ecology & Evolution".

Geschlossene Wälder sind wichtig

Tierökologe Jörg Müller leitete das Forschungsprojekt, an dem mehrere Universitäten beteiligt waren und das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurde. Er sagt: "Damit erscheinen die aktuell häufig beklagten Waldschäden im Zuge des globalen Klimawandels mit absterbenden Baumgruppen in dichten Wäldern in einem neuen Licht."

Allerdings sei eine Bedingung für mehr Artenvielfalt, dass genügend geschlossene Wälder überlebten, um Moosen und Pilzen einen Lebensraum zu bieten. 

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