Vom Borkenkäfer befallene Fichten bei Braunlage im Harz | Bildquelle: dpa

Probleme durch Klimawandel Ein Krisengipfel für den Wald

Stand: 01.08.2019 03:54 Uhr

Deutschland droht laut Experten ein Waldsterben "ungeahnten Ausmaßes". Agrarministerin Klöckner sucht in Moritzburg mit CDU-Fachministern nach Lösungen.

Von Martin Kraushaar, MDR

Zwei Millionen Menschen sind jedes Jahr auf und um den Brocken unterwegs. Doch derzeit bietet sich den Besuchern ein erschreckender Anblick im Nationalpark Harz. Vielerorts sind tote Bäume zu sehen. Die Ursache ist bereits lange bekannt. Es ist der Borkenkäfer, der durch die anhaltende Trockenheit ideale Lebensbedingungen vorfindet.

Doch die Gründe für das diesjährige Baumsterben reichen weiter zurück. Über den Harz zogen im vergangenen Winter mehrere Stürme - darunter auch Orkan Friederike. Zahlreiche Fichten waren durch die vorausgegangene Trockenheit geschwächt und stürzten um. Das war wiederum der ideale Nährboden für den Borkenkäfer.

Schädling verschärft die Lage weiter

Der Schädling befällt ausschließlich Fichten. Im Harz griff er nach den vertrockneten auch gesunde Bäume an. Wären die Wälder im Harz Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten sowie jüngeren und älteren Bäumen, würden die Schäden nicht so flächendeckend ausfallen, sagt Herbert Papies, Naturpark-Verantwortlicher im Harz.

Das Thüringer Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass bis zum Ende des Jahres 2,5 bis 3 Millionen Kubikmeter sogenannten Schadholzes im Freistaat anfallen. Die größten Schäden gibt es bei Fichten und Buchen. Der Thüringer Landesforstleiter Volker Gebhardt schätzt, dass in diesem Jahr Bäume auf rund 25.000 Hektar absterben werden - das sind knapp fünf Prozent der gesamten Fläche des Thüringer Waldes.

In Sachsen sind laut Umweltminister Thomas Schmidt 100.000 Hektar Wald zerstört. Das seien "Schäden in nie da gewesener Größenordnung", sagte Schmidt.

Vom Borkenkäfer zerstörte Fichten stehen und liegen im Nationalpark Harz nahe dem Torfhausmoor. | Bildquelle: dpa
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Vom Borkenkäfer zerstörte Fichten stehen und liegen im Nationalpark Harz nahe dem Torfhausmoor.

Wald-Krisengipfel gegen massenhaftes Baumsterben

Die CDU-Forstminister beraten deswegen heute in Moritzburg gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner über drohende Klimaschäden für den deutschen Wald. Ziel ist es, einen Plan zu entwickeln, der ein drohendes, massenhaftes Waldsterben abwenden soll.

Der Umweltverband BUND hatte bereits in der vergangenen Woche schnelles Handeln angemahnt. Es gehe um eine Existenzgefährdung "ungeahnten Ausmaßes", sagte BUND-Chef Hubert Weiger. Grund dafür sei die Klimakrise: Anhaltende Trockenheit, extreme Hitze und daraus entstehende Waldbrände gefährdeten die Wälder ebenso wie starke Stürme und maximale Niederschläge. Hinzu kämen Schädlinge und Pilzerkrankungen.

Wald-Gipfel zur Abwendung des drohenden Waldsterbens durch die Klimakrise
tagesschau 16:00 Uhr, 01.08.2019, Patricia Klieme, MDR

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Wald schluckt sechs Prozent der CO2-Emissionen

Die Fichten-Monokulturen wie im Harz sind Experten zufolge das Hauptproblem der deutschen Wälder. Die Bäume können zwar schnell wachsen und liefern mehr Holzerträge, sind aber damit auch anfälliger für Sturmschäden. Mischwälder seien gegenüber Sturm und Schädlingen viel widerstandsfähiger als Nadelholz-Monokulturen, hatte der BUND jüngst angemahnt.

Klöckner hatte bereits im Vorfeld des Moritzburger Treffens eine halbe Milliarde Euro für ein Aufforstungsprogramm gefordert. Es sei nötig, neue standortangepasste Bäume und Mischwälder zu pflanzen und tote Bäume zu entfernen, sagte Klöckner. Der Wald sei ein entscheidender Klimaschützer - jährlich entlaste er die Atmosphäre in Deutschland um 58 Millionen Tonnen CO2. Das seien rund sechs Prozent der Gesamtemissionen, so die Ministerin.

Schäden in Milliardenhöhe

Das Waldsterben verursacht bereits jetzt enorme finanzielle Schäden. Der Dachverband der Waldeigentümer schätzt, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Kubikmeter Schadholz anfallen.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) hat errechnet, dass allein der Abtransport des Holzes 2,1 Milliarden Euro kosten werde. Insgesamt müssten 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden. AGDW-Sprecherin Larissa Schulz-Trieglaff findet klare Worte: "Es handelt sich um eine Jahrhundertkatastrophe für die Wälder in Deutschland."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. August 2019 um 06:00 Uhr.

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