Ein Wahlplakat der CDU mit Daniel Günther  | REUTERS
Analyse

Wahl in Schleswig-Holstein Die Zugkraft des Kandidaten

Stand: 08.05.2022 18:43 Uhr

Der große Erfolg der CDU hat weniger mit politischen Themen, sondern vielmehr mit einer einzigen Person zu tun: Ministerpräsident Günther. Das Ergebnis ist nicht nur ein Triumph für die CDU in Schleswig-Holstein.

Von Jörg Schönenborn, WDR

Es ist nicht nur ein Triumph für die CDU in Schleswig-Holstein. Die ganze Partei dürfte sich freuen, denn es ist 16 Jahre her, dass sie ein Ergebnis dieser Größenordnung erreicht hat. Damals erzielte Günther Oettinger in Baden-Württemberg über 44 Prozent der Stimmen.

Jörg Schönenborn

Und dieser Erfolg hat weniger mit politischen Themen, sondern vielmehr mit einer einzigen Figur zu tun: Ministerpräsident Daniel Günther ist für mehr als die Hälfte der Unionswählerinnen und -wähler der entscheidende Grund gewesen, das Kreuz bei der Partei zu machen. Der sogenannte Kandidatenfaktor liegt in der vorläufigen Auswertung bei 55 - für 55 Prozent der CDU-Wählerinnen und -wähler war der Kandidat also wichtiger als das Programm oder eine langfristige Parteibindung. Das ist einer der besten Personenwerte, seit Infratest dimap im Jahr 2000 begonnen hat, diese Frage zu stellen.

Schlechte Mobilisierung der SPD

Die Prognose bestätigt auch ein Muster, das bei den letzten Landtagswahlen nicht durchgängig, aber doch häufiger zu beobachten war: Starke Führungspersonen können in den letzten Tagen erheblich an Zustimmung gewinnen, so wie Malu Dreyer und Reiner Haseloff 2021 in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, jetzt auch Daniel Günther in Schleswig-Holstein.

Die erste Auswertung der Wählerwanderung zeigt, dass der Zugkraft des CDU-Spitzenkandidaten eine schlechte Mobilisierung bei der SPD gegenüber steht. Ein großer Anteil derer, die 2017 noch SPD gewählt haben, ist nun nicht zu einer anderen Partei gewechselt, sondern einfach zu Hause geblieben. Der weithin unbekannte Spitzenkandidat Thomas Losse-Müller und ein in der Ukraine-Politik unter Erklärungsdruck stehender Kanzler Olaf Scholz boten offenbar für viele keinen Anlass, der Partei ihre Stimme zu geben. Für die SPD ist es das schlechteste Ergebnis in der Landesgeschichte, für die Grünen hingegen das beste.

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Kandidaten im Vergleich

Über dieses Thema berichtete BR24 am 08. Mai 2022 um 18:09 Uhr.