Klaus Wagenbach | picture alliance / Eventpress

Mit 91 Jahren Verleger Klaus Wagenbach gestorben

Stand: 20.12.2021 11:28 Uhr

Er verlegte Autoren wie Günter Grass, Hans Werner Richter oder Ingeborg Bachmann und galt als streitbarer Kopf. Nun ist Klaus Wagenbach im Alter von 91 Jahren gestorben.

Der Verleger Klaus Wagenbach ist tot. Er starb am Freitag in Berlin im Alter von 91 Jahren, wie sein Verlag mitteilte. Er sei gestorben "begleitet von seiner Familie und umgeben von seinen Büchern", hieß es. "Seinem Lebensmotto entsprechend werden wir seinen Verlag weiterführen: 'Gewonnen kann durch Trübseligkeit nie etwas werden'."

Der in Berlin geborene Wagenbach begann 1949 eine Lehre beim damals noch vereinten Verlag Suhrkamp/Fischer. Der Schriftsteller Franz Kafka wurde zur großen Leidenschaft, Wagenbach promovierte über den Autor. Der Kauf von Fischer durch Holtzbrinck brachte einschneidende Konsequenzen: Die neuen Chefs kündigten Wagenbach, nachdem er sich bei der Staatsanwaltschaft über die Verhaftung eines DDR-Verlegers während der Buchmesse beschwert hatte.

Bekannte Autoren

1964 gründete er deshalb seinen eigenen Verlag in West-Berlin. Er verlegte die Autoren Günter Grass, Hans Werner Richter oder Ingeborg Bachmann.

Wagenbach stand für eine Kultur der Einmischung und des demokratischen Streits. Er galt als Prototyp des politischen Verlegers der 1968er-Bewegung. Bekannte Köpfe der Bewegung gingen im Verlag ein und aus. Immer wieder gab es Hausdurchsuchungen, Prozesse, Verurteilungen. Wagenbach sah sich selbst als den meistangeklagten noch lebenden deutschen Verleger. Der Jurist an seiner Seite hieß Otto Schily, der spätere RAF-Anwalt und noch spätere deutsche Bundesinnenminister.

Kontakt zu Meinhof

Auch zu Akteuren der RAF hielt er Kontakt. "Vor allem Ulrike Meinhof war mir nahe, aber ich habe nie verstanden, wie sie auf diesen Weg geraten ist", sagte er einmal dem "Spiegel". Wagenbach veröffentlichte Texte der späteren Terroristin, hielt die Rede an ihrem Grab. Gleichzeitig brachte ihm ein Buch Peter Brückners über Meinhof eine Drohung von Gudrun Ensslin ein.

Wagenbach stand auch für aufwändig gemachte Bücher, sie sollten "hundert Jahre halten", sagte er. 2002 übernahm Susanne Schüssler den Verlag, Wagenbachs dritte Ehefrau. Einer der größten Erfolge wurde 2008 Alan Bennetts "Die souveräne Leserin" - ein Buch ausgerechnet über die Queen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 20. Dezember 2021 um 11:24 Uhr.