Uta Ranke-Heinemann | picture alliance / SvenSimon

Kritische Katholikin Theologin Ranke-Heinemann gestorben

Stand: 25.03.2021 16:17 Uhr

Von der Vorzeige-Katholikin zur Kämpferin gegen Dogma und Frauenfeindlichkeit: Uta Ranke-Heinemann setzte sich jahrzehntelang kritisch mit der Kirche auseinander. Jetzt ist die Theologin mit 93 Jahren gestorben.

Die katholische Theologin Uta Ranke-Heinemann ist tot. Sie sei im Beisein von Familienmitgliedern in ihrem Wohnhaus in Essen friedlich eingeschlafen, sagte ihr Sohn Andreas Ranke. Die kirchenkritische Wissenschaftlerin und älteste Tochter des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann wurde 93 Jahre alt.

Ranke-Heinemann wurde Anfang 1970 zur wohl weltweit ersten Professorin in katholischer Theologie ernannt.

Konfessionswechsel im Studium

Von Haus aus evangelisch, hatte sie zunächst 13 Semester evangelische Theologie studiert. Erst 1953 wird sie katholisch, "auf der Suche nach der großen Toleranz", wie sie später schrieb. "Ich kam allerdings vom Regen in die Traufe", kommentierte sie ihren Konfessionswechsel rückblickend.

1954 promovierte sie in München in Katholischer Theologie, nachdem sie dort zeitweise mit Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., zusammen studiert hatte. Auch beim Doktortitel war sie zusammen mit der späteren feministischen Theologin Elisabeth Gössmann die erste Frau in Deutschland.

Zweifel an der Jungfräulichkeit Marias

Einer größeren Öffentlichkeit wurde sie in den 1980er-Jahren bekannt, als sie den Glaubenssatz von der Jungfräulichkeit Marias vor, unter und nach der Geburt Jesu anzweifelte. Sie wollte die Jungfräulichkeit Marias nicht wörtlich verstanden wissen. Von "gynäkologischer Klapperstorchtheologie" spricht sie später. Der damalige Essener Bischof Franz Hengsbach entzog ihr 1987 die kirchliche Lehrbefugnis, sie verlor ihren theologischen Lehrstuhl. Die Uni Essen richtete für sie einen neuen ein - für Religionsgeschichte.

Uta Ranke-Heinemann spricht im Mai 1976 bei einer Demonstration für Abrüstung. | imago/Klaus Rose

Uta Ranke-Heinemann im Mai 1976 bei einer Demonstration für Abrüstung. Bild: imago/Klaus Rose

Engagement in der Friedensbewegung

Ranke-Heinemann trat oft auch in Talkshows auf, häufig in einem mintgrünem Lederkostüm als kämpferische Kirchenkritikerin. Sie engagierte sich in der Friedensbewegung. Während des Vietnamkrieges setzte sich Ranke-Heinemann für ein Verbot der Napalmbombe ein und reiste in den kommunistischen Norden. 1979 brachte sie Lebensmittel in das hungernde Kambodscha.

Bestseller "Eunuchen für das Himmelreich"

Ab 1980 lehrte Ranke-Heinemann in Duisburg, ab 1985 in Essen die Fächer Neues Testament und Alte Kirchengeschichte. "Sie war nie eine reine Schreibtischtheologin, sondern hat sich immer auch politisch-kritisch geäußert", stellte Marie-Theres Wacker, emeritierte Theologieprofessorin an der Universität Münster, vor gut einem Jahr anlässlich des 50. Jahrestages der Ernennung Ranke-Heinemanns zur Professorin fest.

1988 erschien ihr kirchenkritisches Hauptwerk "Eunuchen für das Himmelreich" über die Sexualmoral der katholischen Kirche. "Sie hat darin den Finger auf das Problem der Sexualfeindlichkeit der Kirche gelegt und damit in eine Wunde, deren Größe sie damals noch gar nicht ahnen konnte", sagte Wacker. Das Buch wurde in zwölf Sprachen übersetzt und führte zahlreiche Bestsellerlisten an.

Uta Ranke-Heinemann, damals Kandidatin der PDS für das Amt des Bundespräsidenten, gratuliert im Berliner Reichstagsgebäude Johannes Rau. | dpa

1999 bewirbt sich Uta Ranke-Heinemann als Kandidatin der PDS um das Amt des Bundespräsidenten. Sie unterliegt Johannes Rau, der mit ihrer Nichte verheiratet ist. Bild: dpa

Kandidatur für das Bundespräsidentenamt

1999 bewarb sie sich um das höchste Staatsamt in Deutschland - als partei- und aussichtslose Bundespräsidentschafts-Kandidatin für die PDS, die spätere Linke. Die Wahl gewinnt Johannes Rau, der mit einer Nichte Ranke-Heinemanns verheiratet war.

Bis zum Schluss Mitglied der Kirche

Zeitlebens trat sie nicht aus der Amtskirche aus, entfremdete sich ihr aber immer mehr. "Das Christentum hat an die Stelle des Wortes Jesu eine Henkertheologie gesetzt und verherrlicht einen Galgen", schrieb sie 2002 in ihrem Buch "Nein und Amen" unter der Überschrift: "Mein Abschied vom traditionellen Christentum". In einem "negativen Glaubensbekenntnis" heißt es: "Jesus ist Mensch und nicht Gott. Maria ist Jesu Mutter und nicht Gottesmutter." Ihren Glauben verlor sie nicht: "Gott hat Himmel und Erde geschaffen, die Hölle haben die Menschen hinzuerfunden."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. März 2021 um 12:00 Uhr.