Soldaten der US-Streitkräfte | picture alliance / ZB

Geplanter US-Truppenabzug 12.000 Soldaten plus Hauptquartier

Stand: 29.07.2020 16:21 Uhr

Im Juni hatten die USA angekündigt, Tausende Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen. Nun werden die Pläne konkreter: Laut Verteidigungsminister Esper ist vor allem der Raum Stuttgart betroffen.

Die Pläne für den von der US-Regierung angekündigten Truppenabzug aus Deutschland werden konkreter: Laut US-Verteidigungsminister Mark Esper sollen insgesamt 11.900 derzeit in der Bundesrepublik stationierte Soldaten verlegt werden. Der Teilabzug solle "so schnell wie möglich" umgesetzt werden.

Er habe vergangene Woche ein "gutes Gespräch" mit Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zu dem Thema geführt, sagte Esper. Einige Aspekte könnten innerhalb von Wochen umgesetzt werden, für andere Veränderungen sei mehr Zeit nötig. Einen exakten Zeitplan für den Abzug legte Esper nicht vor.

Hauptquartier: Mons statt Stuttgart

Die Region Stuttgart sei vom Abzug "am meisten betroffen", sagte Esper. Das europäische Hauptquartier der US-Streitkräfte werde von der baden-württembergischen Landeshauptstadt ins belgische Mons verlegt, sagte der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, Tod Wolters. In Mons hat bereits Shape (Supreme Headquarters Allied Powers Europe) seinen Sitz, das militärische Hauptquartier der NATO. Auch das Kommando für die US-Spezialkräfte in Europa solle von Stuttgart nach Mons ziehen. Möglich sei zudem, dass das Hauptquartier für die US-Militäreinsätze in Afrika, Africom, das ebenfalls in Stuttgart sitzt, an einen anderen Ort verlegt werde.

Von dem Truppenabzug sind nach SWR-Informationen weitere Standorte in Deutschland betroffen: Vilseck und Grafenwöhr in Bayern sowie der US-Luftwaffenstützpunkt in Spangdahlem in der Eifel.

Großteil der abgezogenen Soldaten soll in die USA zurück

Knapp 5600 Soldaten sollen demnach in andere NATO-Staaten wie Italien, Belgien und - entsprechende Vereinbarungen vorausgesetzt - Polen sowie die baltischen Staaten verlegt werden. Rund 6400 Soldaten sollen in die USA zurückkehren. Damit werde die "strategische Flexibilität" der US-Streitkräfte erhöht, sagte Esper. Im vergangenen Monat hatte US-Präsident Donald Trump nach einem Treffen mit seinem polnischen Amtskollegen Andrzej Duda in Washington in Aussicht gestellt, dass ein Teil der US-Truppen künftig in Polen stationiert werden könnte. Konkret wurde Trump dabei aber nicht.

Trump wirft Deutschland geringe Verteidigungsausgaben vor

Trump hatte Mitte Juni bestätigt, dass die Zahl der US-Soldaten in Deutschland von 35.000 auf 25.000 reduziert werden soll. Er begründete seine Entscheidung damit, dass Deutschland als Mitglied der NATO seiner Verpflichtung nicht nachkomme, genügend in die Verteidigung zu investieren. Die NATO-Mitglieder haben sich verpflichtet, bis 2024 zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für die Verteidigung ausgeben. Esper bekräftigte die Kritik: Deutschland sei "das wohlhabendste Land in Europa" und könne und sollte daher auch "mehr für seine Verteidigung ausgeben", sagte er.

Die Bundesregierung war vorab nicht über die Pläne der US-Regierung informiert worden. Aus mehreren Parteien wurde Kritik am möglichen Truppenabzug laut. Bundesaußenminister Heiko Maas warnte, dadurch würden die USA der Sicherheit Europas und auch ihrer eigenen Sicherheit schaden.

Auch unter Trumps Republikanern rief der geplante Abzug kritische Reaktionen hervor. Der US-Kongress könnte den Teilabzug noch über den Militärhaushalt blockieren oder zumindest deutlich erschweren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juli 2020 um 12:00 Uhr.