Pamela Reif im Januar mit ihrem Anwalt vor dem Landgericht in Karlsruhe | Bildquelle: dpa

Urteil gegen Influencerin Auch das Private ist geschäftlich

Stand: 21.03.2019 17:02 Uhr

Die Influencerin Pamela Reif muss Werbung in ihrem Instagram-Kanal als solche kennzeichnen. Das entschied das Landgericht Karlsruhe. ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam erklärt, welche Auswirkungen das Urteil hat.

Von Frank Bräutigam, ARD-Rechtsexperte

Ihr Platz im Gerichtssaal ist zur Urteilsverkündung leer geblieben. Pamela Reif - sogenannte "Influencerin" in Sachen Fitness und Mode mit über vier Millionen Followern auf Instagram - war nicht ins Landgericht Karlsruhe gekommen, als der Vorsitzende Richter Steffen Wesche mitteilte, dass sie Werbung in ihrem Instagram-Kanal als solche kennzeichnen muss.

Bei der Verhandlung Ende Januar hatte sich ein spannender Dialog zwischen Reif und Wesche über die Welt der Influencer und das rechtliche "Neuland" drumherum entwickelt. Der Gerichtsstreit drehte sich um bestimmte Posts. Auf ihnen sieht man ein Foto von Reif mit Begleittext. Klickt man auf das Foto, erscheinen sogenannte "Tags". Das sind kleine schwarze Flächen, auf denen der Markenname der Kleidung steht, die Reif auf dem Foto trägt. Mit einem Klick auf den "Tag" landet man auf dem Instagram-Account des Markenherstellers.

Alte Regeln für neue Fragen

Wann müssen Posts als Werbung gekennzeichnet werden? Die Maßstäbe sind für alle Medien gleich. Der "kommerzielle Zweck" einer "geschäftlichen Handlung" muss kenntlich gemacht werden, heißt es im Gesetz. Es sei denn, jeder merkt sofort ganz klar: Das ist doch Werbung! Dann muss man nicht kennzeichnen.

Wenn man die Zeitung aufschlägt, ist das einfach. Dort steht groß "Anzeige" über den Werbeplätzen. Aber wie ist es in den sozialen Medien bei Instagram, speziell beim Geschäftsmodell der Influencer? Was fällt dort unter den "unlauteren Wettbewerb"?

Image sowie Absatz werden durch Posts gefördert

Das Landgericht Karlsruhe sagt klar, dass die umstrittenen Posts als Werbung gekennzeichnet werden müssen. Zur Frage des "kommerziellen Zwecks" heißt es: Wenn der Nutzer mit nur zwei Klicks vom Foto auf die Seite des Herstellers kommt, werde dessen Image und Absatz gefördert. Dann sei auch egal, ob Reif für den Post Geld bekomme oder nicht.

Richter Wesche lässt auch das Argument nicht gelten, zumindest manche Posts seien doch rein privat. Es sei das "Wesen der Influencer-Werbung", dass der Influencer immer zugleich an seinem Image arbeitet, dazu die die passenden Artikel bewirbt und die Follower Teil der Community "ihres" Influencers sein möchten. Insofern fördere Reif durch ihre Posts stets auch ihre eigenen geschäftlichen Aktivitäten. Das bedeutet: Eine Trennlinie zwischen privaten Leben und Werbung kann man aus Sicht des Gerichts nicht ziehen.

Instagram-Star Pamela Reif | Bildquelle: dpa
galerie

Instagram-Star Pamela Reif. Werbung bedeutet laut Gesetz, dass der "kommerzielle Zweck" einer "geschäftlichen Handlung" kenntlich gemacht werden muss.

Nicht für alle als Werbung erkennbar

Bleibt die spannende Frage: Ist das nicht so offensichtlich Werbung, dass es jeder merkt? Dann müsste nämlich nicht gekennzeichnet werden. Das Landgericht sagt: Keinesfalls können alle Follower den werblichen Charakter der Auftritte von Influencern einschätzen. Das gelte insbesondere für die teils sehr jungen Abonnenten von Pamela Reif. "Junge Menschen sind leichter zu verführen und daher besonders schutzbedürftig", so Richter Wesche. Nicht nur dieser Punkt wird sicherlich weiter intensiv diskutiert werden.

Denn klar ist auch: Es wird nicht das letzte Wort zu diesem Thema sein. Es ist gut möglich, dass der Fall Reif irgendwann ein paar Straßen weiter beim Bundesgerichtshof landet, vielleicht sogar beim Europäischen Gerichtshof.

Weitere Verfahren in ganz Deutschland

Außerdem gibt es weitere laufende Verfahren an den Instanzgerichten in ganz Deutschland. Das Kammergericht Berlin hat sich schon in einem Eilverfahren zur Influencerin Vreni Frost geäußert. In München steht bald ein Urteil zu Cathy Hummels an, der Frau von Bayern-Profi Mats Hummels. Auch in Koblenz läuft ein vergleichbares Verfahren.

Interessant bleibt auch die Frage, wie die Werbung genau zu kennzeichnen ist. Inzwischen gibt es bei Instagram das Label "bezahlte Partnerschaft", das auch Reif nutzt. Ob das die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Egal, wie man die rechtlichen Fragen bewertet: Die Karlsruher Verhandlung zeigte, dass die Justiz durchaus in Netzthemen hineinfuchsen kann. Und dass es - im Dienste der Sache natürlich - auch mal hilfreich sein kann, auf der Richterbank während der Verhandlung ein Handy zu zücken und einen Instagram-Post zu begutachten - wenn es der Empfang im Gerichtssaal denn erlaubt.

Influencerin Pamela Reif muss Werbung als solche kennzeichnen
Bernd Wolf, SWR
21.03.2019 18:19 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. März 2019 um 17:00 Uhr auf tagesschau24.

Darstellung: