Abu Walaa vor Gericht | via REUTERS

Mutmaßlicher IS-Deutschland-Chef Zehneinhalb Jahre Haft für Abu Walaa

Stand: 24.02.2021 12:35 Uhr

Er soll junge Islamisten in Deutschland radikalisiert und in die vom "Islamischen Staat" beherrschten Gebiete geschickt haben: Das Oberlandesgericht Celle verurteilte den Iraker Abu Walaa zu mehr als zehn Jahren Haft.

Das Oberlandesgericht Celle hat den unter dem Namen Abu Walaa bekannten IS-Chefanwerber in Deutschland zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Urteil gegen den 37-Jährigen erging wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, Beihilfe zur Vorbereitung einer schwerer staatsgefährdenden Gewalttat und Terrorismusfinanzierung.

Walaa, dessen echter Name Abdulaziz Abdullah A. lautet, soll gemeinsam mit drei Mitangeklagten junge Islamisten radikalisiert und bei der Ausreise in die von der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) beherrschten Gebiete in Syrien und im Irak unterstützt haben.

Die Bundesanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer elfeinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung einen Freispruch verlangt.

Walaa ist seit 2016 in Haft

Walaa wurde im November 2016 festgenommen und sitzt seither in Haft. Der zuvor von ihm geleitete "Deutsche Islamkreis Hildesheim" wurde im März 2017 verboten. Die Organisation galt früher als ein zentraler Knotenpunkt der deutschen Islamistenszene. Der Prozess in Celle dauerte insgesamt 245 Verhandlungstage.

Ein mitangeklagter Deutsch-Serbe, der acht Jahre Haft erhielt, soll seine Wohnung in Dortmund als Gebetszentrum genutzt und dort auch zeitweise den Islamisten Anis Amri beherbergt haben. Amri verübte 2016 den Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin, bei dem zwölf Menschen starben.

Sicherheitsbehörden hatten Gruppe im Blick

Im Verlauf des Prozesses beschäftigte sich das Gericht mit einer langen Reihe weiterer Islamisten, die von dem Dortmunder und einem mitangeklagten Mann aus Duisburg im Hinterzimmer von dessen Reisebüro radikalisiert worden sein sollen. Der Duisburger wurde zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Zwei der Rekrutierten sollen im Irak Selbstmordattentate mit zahlreichen Todesopfern verübt haben.

Unbemerkt von den Sicherheitsbehörden blieb das Tun der Gruppe um Abu Walaa nicht. In Dortmund war regelmäßig "Murat" dabei, ein V-Mann des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, der sich auch an die Fersen Amris heftete. Die Bundesanwaltschaft stützte sich auch auf Informationen dieses V-Manns, der für den Prozess aber keine Aussagegenehmigung erhielt. Ihr Kronzeuge war ein junger Mann aus Gelsenkirchen, der als Jugendlicher in islamistische Kreise geriet, sich dann aber vom IS abwandte und mit den Behörden zusammenarbeitete.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Februar 2021 um 12:00 Uhr.