Auf Schildern wird an einem Haus in Schwangau auf Zimmervermietung und Ferienwohnung hingewiesen. | dpa

Bayern und Niedersachsen lockern Erste Länder öffnen für Pfingsturlaub

Stand: 04.05.2021 19:11 Uhr

Bayern und Niedersachsen lockern Beschränkungen - und stellen Pfingsturlaub in Aussicht. Weitere Bundesländer wollen folgen. Doch es gibt auch Warnungen vor einem Rückfall in der Pandemie-Bekämpfung - und den Wunsch nach Einheitlichkeit.

Urlaub in Bayern soll zu Beginn der Pfingstferien am 21. Mai in Regionen mit niedrigen Corona-Infektionszahlen wieder möglich sein. In Kreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 sollen Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze wieder öffnen dürfen, wie Ministerpräsident Markus Söder nach einer Kabinettssitzung ankündigte.

Damit sind touristische Angebote in Landkreisen mit einer entsprechend niedrigen Inzidenz wieder möglich. Söder sagte zu den Lockerungen zu Pfingsten, Bayern sei nicht nur Tourismusland. Es sei auch psychologisch wichtig, eine Perspektive zu haben.

Zudem wird Bayern bereits von diesem Donnerstag an vollständig gegen Covid-19 geimpfte Menschen mit negativ Getesteten gleichstellen und ihnen weitere Lockerungen zuerkennen. Unter anderem sollen vollständig Geimpfte von der Testpflicht und den Ausgangsbeschränkungen befreit werden. Bei der Zahl der maximal erlaubten Kontakte werden sie nicht mitgezählt.

Weitere Öffnungen ab 10. Mai geplant

In den Regionen mit einer Inzidenz unter 100 dürfen ab kommenden Montag den 10. Mai zudem die Außengastronomie, Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos wieder öffnen. Bei alledem gelten Hygienekonzepte, Masken- und Testpflichten. "Wir sind der festen Überzeugung, dass bei einem solchen Fortschritt der Grundrechtsschutz, die Freiheit des Einzelnen überwiegt", sagte Söder. Er rief weiter zu höchster Vorsicht auf.

Auch Niedersachsen lockert

Ähnliche Lockerungen in Städten und Kreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 plant auch Niedersachsen vom kommenden Wochenende an. Mehr Möglichkeiten und Freiheiten soll es dann für Menschen mit einem tagesaktuell negativen Corona-Test und bereits vollständig geimpfte Menschen geben, sagte Ministerpräsident Stephan Weil.

Wieder öffnen soll für diese Gruppen der komplette Einzelhandel, auch im Bereich Tourismus und Gastronomie soll es erste Öffnungen geben, erklärte Wirtschaftsminister und Vize-Regierungschef Bernd Althusmann. Gekoppelt werden soll dies an eine Kontaktnachverfolgung, Zugangsbeschränkungen und ein Hygienekonzept.

Der Tourismus werde für voraussichtlich drei Wochen zunächst nur für Einwohner Niedersachsens geöffnet. In Hotels, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen sind damit rechtzeitig vor Pfingsten wieder touristische Übernachtungen möglich. Die Gastronomie soll zunächst draußen und zwei Wochen später auch drinnen wieder öffnen können, dort dann mit einer Auslastungsgrenze von 60 Prozent und einer Sperrstunde um 23 Uhr. Auch Kulturveranstaltungen im Freien sollen wieder möglich werden.

Weitere Bundesländer öffnen

Auch Sachsen stellt vollständig gegen Corona geimpfte Menschen sowie Genesene ab dem 10. Mai in vielen Punkten mit negativ Getesteten gleich. Das sagte die Gesundheitsministerin des Freistaats, Petra Köpping. Zudem sind die Öffnung der Außengastronomie und Lockerungen für die Tourismusbranche unter Auflagen geplant, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region fünf Tage lang unter 100 liegt.

Einen ersten Öffnungsschritt wagt auch Mecklenburg-Vorpommern und erlaubt vollständig geimpften Tagesausflüglern und Zweitwohnungsbesitzern aus anderen Bundesländern ab Mittwoch wieder die Einreise. Dies gilt auch für Genesene, sofern sie zudem einmal geimpft sind.Touristische Übernachtungen etwa in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen bleiben aber weiter untersagt, wie Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) nach einer Sitzung des Kabinetts sagte.

Lauterbach und Spahn warnen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor einer schnellen Öffnung von Gastronomie und Hotels. Zwar sei es "eine notwendige und gute Entscheidung", die Grundrechtseinschränkungen für Geimpfte zurückzunehmen. "Was nicht geht, ist, dass Geschäfte oder Restaurants geöffnet werden nur für diejenigen, die geimpft sind. Das würde zu Spannungen führen, die man kaum ertragen könnte", sagte Lauterbach im Deutschlandfunk.

Eine flächendeckende Kontrolle bei Öffnungen sei schwierig und es gelte jetzt, den ausgewiesenen Erfolg bei der Bekämpfung der Pandemie zu sichern. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, jetzt einen schnellen, frühen Rückfall zu riskieren", betonte Lauterbach. "Wir sind noch sehr weit von der Herdenimmunität entfernt."

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mahnte weiter zur Vorsicht. "Die Zahlen sinken, das ist ermutigend", sagte er. Das Reduzieren von Kontakten bewähre sich, es sei aber zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen.

Müller fordert Abstimmung zwischen Bundesländern

Ähnlich sieht es auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Er sprach sich für eine bundesweite Absprache über Urlaubsmöglichkeiten in den Sommerferien aus. "Das geht auch nur in einer Verständigung zwischen den Bundesländern, wie wir mit dem ganzen Thema Reiseverkehr, Inland, Ausland, Städtetourismus umgehen", sagte Müller. "Da wird es mit Sicherheit noch einen Abstimmungsprozess geben müssen."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Mai 2021 um 14:45 Uhr.