Ein Einsatzwagen der Feuerwehr fährt durch eine überflutete Straße im rheinland-pfälzischen Kordel. | dpa

Starkregen in Deutschland Unaufhaltsame Wassermassen

Stand: 15.07.2021 06:37 Uhr

In Teilen Deutschlands spitzt sich die Lage nach dem Dauerregen zu. An der Wupper sind die Menschen aufgerufen, sich in die höheren Stockwerke ihrer Häuser zu begeben. Die Kleinstadt Altena ist laut Feuerwehr "so gut wie nicht erreichbar".

Starke Regenfälle haben gestern in Teilen Nordrhein-Westfalens sowie in Rheinland-Pfalz für Chaos gesorgt. Im Sauerland starben zwei Feuerwehrmänner bei Einsätzen. Besonders angespannt ist die Lage in Hagen und in Wuppertal.

Der Krisenstab in Hagen erwarte "ein 25-jährliches Hochwasser", teilte die Stadt mit. Dort wurde der Notstand ausgerufen. Wer in unmittelbarer Nähe von Flüssen wohne, werde dazu aufgefordert, sich in höher liegende Bereiche zu begeben. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet kündigte einen Besuch in Hagen an, um sich dort ein Bild von der Lage zu machen.

Zwei Feuerwehrmänner sterben bei Einsätzen

Im Märkischen Kreis im Sauerland starben zwei Feuerwehrmänner während ihrer Einsätze. Wie die Polizei mitteilte kam einer von ihnen in Altena ums Leben. Er war bei der Rettung eines Mannes ins Wasser gefallen und abgetrieben. Der 46-Jährige konnte nur noch tot geborgen werden. Später kollabierte ein 52-jähriger Feuerwehrmann während eines Einsatzes nahe dem Kraftwerk Elverlingsen. Die Polizei ging von einem gesundheitlichen Notfall aus.

In Hückeswagen im Oberbergischen Kreis lief aufgrund der heftigen Regenfälle die Bevertalsperre über. Das Wasser laufe aktuell unkontrolliert über den Rand der Staumauer, teilte ein Sprecher der Leitstelle am frühen Donnerstagmorgen mit. Mehr als 1000 Menschen mussten demnach ihre Häuser verlassen.

"Es besteht akute Lebensgefahr"

In Wuppertal ist die Lage weiter angespannt. Die Stadt warnte vor Überschwemmungen, nachdem die Wupper-Talsperre überlief. Die Alarmsirene sei ausgelöst worden. Einige Ortschaften wurden evakuiert. Warnfahrzeuge fuhren durch die betroffenen Gebiete und informierten per Lautsprecherdurchsage die Anwohner. "Es besteht akute Lebensgefahr", hieß es in der Warnung. Personen sollten sich in der Nacht nicht in der Nähe der Wupper aufhalten. Auch Trafostationen mussten vorsorglich zeitweilig abgeschaltet werden. Notunterkünfte wurden eingerichtet. 

Die Feuerwehr war in Nordrhein-Westfalen vielerorts in im Dauereinsatz. In Städten wie Düsseldorf, Dortmund und Bochum sorgten vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und umgestürzte Bäume für hunderte Einsätze.

In der Eifel bleiben Schulen geschlossen

In Rheinland-Pfalz wurde in drei Landkreisen der Katastrophenfall ausgerufen. Vor allem die Eifel ist betroffen. "Ich appelliere an die Bevölkerung, dass alle zuhause bleiben und sich schützen vor den Wassermassen", so der Aufruf der Landrätin des Kreises Vulkaneifel, Julia Gieseking. Der Katastrophenfall ermögliche die Unterstützung der Bundeswehr. Es würden auch Fahrzeuge benötigt, um nicht mehr passierbare Straßen zu überwinden. Der Schwerpunkt der Einsätze liege derzeit in der Rettung von Menschen. Die Einsatzkräfte könnten sich zunächst kaum um überschwemmte Keller kümmern, so Gieseking. Vielerorts kam es zu Stromausfällen. In mehreren Gemeinden sollen die Schulen heute geschlossen bleiben.

Verkehrsbehinderungen durch Dauerregen

Die Deutsche Bahn meldete Verspätungen und Zugausfälle. Aufgrund von Unwetterschäden sei unter anderem die Fernverkehrsstrecke zwischen Köln und Dortmund nur mit erheblichen Einschränkungen befahrbar. In Rheinland-Pfalz musste die Autobahn A61 in Fahrtrichtung Süden auf der Höhe des Autobahndreiecks Bad Neuenahr-Ahrweiler komplett gesperrt werden. Grund war eine Fahrbahnunterspülung durch die starken Regenfälle.  Die Unwetterwarnungen vor teils extremem Dauerregen in Westdeutschland wurden in der Nacht aufgehoben.

Vermisster in Baden-Württemberg tot geborgen

In Baden-Württemberg suchten Rettungskräfte seit Montag einen Mann, der als vermisst galt. Feuerwehrtaucher fanden den Leichnam des 81-Jährigen in der Jagst im Kreis Heilbronn. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann auf matschigem Untergrund ausgerutscht und in den Fluss gestürzt war.

Die Suche nach einem 53-Jährigen im sächsischen Erzgebirgskreis geht derweil weiter. Der Mann wurde am Dienstagabend von einem Fluss mitgerissen, als er versucht hatte, sein Grundstück gegen den über die Ufer getretenen Fluss zu sichern.

Weitere Regenfälle im Süden und Südwesten erwartet

Laut Prognosen des Deutschen Wetterdienstes lassen die Regenfälle heute im Westen nach und ziehen vermehrt in den Südwesten und Süden. Allerdings seien die Wassermengen in der Fläche voraussichtlich nicht mehr so ausgeprägt. Unwetterartige Starkregenfälle könnten aber lokal nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Freundlicher sieht es am Donnerstag dagegen im Norden und Osten aus, wo sich laut DWD häufiger die Sonne zeigt.

Über dieses Thema berichteten am 15. Juli 2021 das nachtmagazin um 00:10 Uhr und die tagesschau um 09:00 Uhr.