Bundeskanzlerin Merkel an einem Redepult  | REUTERS

Reaktionen auf Unwetter-Katastrophe "Entsetzliche Tage für die Menschen"

Stand: 15.07.2021 17:41 Uhr

Nach den schweren Unwettern hat Bundeskanzlerin Merkel Hilfen der Bundesregierung für die Betroffenen angekündigt. Auch mehrere Minister versprachen Unterstützung - und sehen in den Ereignissen eine Folge des Klimawandels.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Menschen in den Hochwassergebieten in Deutschland Unterstützung des Bundes zugesagt. Wo die Bundesregierung helfen könne, werde sie das tun, sagte Merkel am Rande ihres Besuches in Washington. "Dies sind für die Menschen in den Überschwemmungsgebieten entsetzliche Tage. Meine Gedanken sind bei ihnen. Und sie können darauf vertrauen, dass alle Kräfte unseres Staates - von Bund, Ländern und Gemeinden - gemeinsam alles daran setzen werden, auch unter schwierigsten Bedingungen Leben zu retten, Gefahren abzuwenden und Not zu lindern."

Sie habe darüber bereits mit Finanzminister Olaf Scholz gesprochen. Auch in der Bundesregierung werde man besprechen, welche Hilfe man bei den anstehenden Aufbauarbeiten leisten könne, sagte Merkel.

"Erschüttert über die Katastrophe"

Zuvor hatte sich Merkel bereits bestürzt gezeigt angesichts der heftigen Überschwemmungen und den Helfern gedankt. "Ich bin erschüttert über die Katastrophe, die so viele Menschen in den Hochwasser​gebieten durchleiden müssen", erklärte Merkel laut einem Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert. "Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten und Vermissten. Den vielen unermüdlichen Helfern und Einsatzkräften danke ich von Herzen."

Merkel hält sich derzeit zu ihrem wohl letzten USA-Besuch als Kanzlerin in Washington auf und trifft dort US-Präsident Joe Biden.

Scholz verspricht finanzielle Hilfe

Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz unterbrach wegen des Hochwassers seinen Urlaub, um sich zusammen mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer ein Bild von der Lage im Katastrophengebiet zu machen.

"Die Menschen im Katastrophengebiet sind in Not, die Schäden sind immens", erklärte der SPD-Kanzlerkandidat. "Da muss der Bund mit anpacken." Er werde alles dafür tun, dass der Bund finanzielle Hilfe leiste.

Seehofer sieht Folgen des Klimawandels

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte Hilfen des Bundes zu. "Mehr als 2000 Kräfte des THW und die Bundespolizei sind im Einsatz und ich biete den Ländern jegliche Unterstützung an", sagte der CSU-Politiker der "Bild".

Das Hochwasser sei eine Tragödie, deren Ausmaß noch längst nicht absehbar sei. "Diese extremen Wetterkapriolen sind die Folgen des Klimawandels", fügt Seehofer hinzu. "Wir müssen uns viel besser darauf vorbereiten, auch beim Hochwasserschutz."

Schulze kündigt zusätzliche Klimaschutz-Anstrengungen an

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht in den Ereignissen die Folgen des Klimawandels und kündigte sogleich zusätzliche Anstrengungen der Bundesregierung für mehr Klimaschutz an. "Wir können uns zu wenig Klimaschutz schlicht und einfach nicht leisten", sagte die SPD-Politikerin der "Rheinischen Post". "Deshalb werden wir in Deutschland und Europa noch mehr tun als bisher - sowohl für den Klimaschutz als auch für die Anpassung an die nicht vermeidbaren Folgen des Klimawandels."

Im Augenblick sei aber oberste Priorität, "Menschenleben zu retten und weitere Schäden abzuwenden", sagte Schulze weiter. Die jüngsten Ereignisse hätten gezeigt, mit welcher Wucht die Folgen des Klimawandels zuschlagen könnten und wie wichtig es sei, sich künftig noch besser auf solche Extremwetter einzustellen.

Laschet fordert mehr Tempo beim Klimaschutz

Ähnlich hatte sich zuvor NRW-Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet geäußert. Die Häufung von Starkregen- und Hitzeepisoden sei "verbunden mit dem Klimawandel", so Laschet bei einem Besuch in der besonders vom Hochwasser betroffenen Stadt Hagen. "Das bedeutet, dass wir bei den Maßnahmen zum Klimaschutz mehr Tempo brauchen - europäisch, bundesweit, weltweit", fügte er hinzu.

Laschet beteuerte, im Wahlkampf kein Kapital aus der Flutkatastrophe herausschlagen zu wollen. Es gehe ihm nun nicht darum, "Bilder zu erzeugen - das ist eine zu ernste Lage". "Jeder Ministerpräsident, der sein Amt ernst nimmt, ist in einem solchen Moment bei den Menschen vor Ort."

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Überflutungen und Zerstörungen

Nach den Unwettern im Westen Deutschlands starben mindestens 42 Menschen. In Rheinland-Pfalz werden zahlreiche Menschen vermisst. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer zeigte sich bei einer Landtagssitzung in Mainz schockiert. "Es gibt Tote, es gibt Vermisste, es gibt viele, die noch in Gefahr sind. Es ist wirklich verheerend", sagt Dreyer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2021 um 18:00 Uhr in den Nachrichten.