Kanzleramt in Berlin | Bildquelle: REUTERS

Nach Kramp-Karrenbauer Wer kämpft sich an die Spitze?

Stand: 10.02.2020 18:12 Uhr

Der Machtkampf in der CDU hat begonnen. Die Partei muss einen neuen Vorsitzenden finden - und die Union einen neuen Kanzlerkandidaten. Wer könnte Kramp-Karrenbauers Nachfolge antreten?

Noch hat sich kein Kandidat für die Nachfolge von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer aus der Deckung gewagt. Doch es wird längst spekuliert, wer die Union in den kommenden Bundestagswahlkampf führen soll und/oder sogar als Kanzlerkandidat antreten könnte.

Friedrich Merz

Er unterlag Kramp-Karrenbauer beim Bundesparteitag Ende 2018 denkbar knapp - seine Bewerbungsrede um den Parteivorsitz zündete nicht so recht. Der 64-jährige Jurist und Finanzexperte aus dem Sauerland gilt als großes politisches Talent.

Er begann seine politische Laufbahn 1989 mit der Wahl ins Europaparlament. 1994 zog Merz für den Hochsauerland-Wahlkreis in den Bundestag ein. Auf dem Höhepunkt des Parteispendenskandals wurde er im Februar 2000 als Nachfolger Wolfgang Schäubles zum Vorsitzenden der Unionsfraktion gewählt - und 2002 von Parteichefin Merkel verdrängt. Der Wertkonservative zog sich danach von wichtigen Posten in Fraktion und Partei zurück und arbeitete als Rechtsanwalt.

Merz ist meinungsstark und ein glänzender Rhetoriker. In Erinnerung ist beispielsweise seine Idee von der Steuererklärung, die auf einen Bierdeckel passt. Aber: Kritiker werfen Merz seine Nähe zum großen Geld vor. Er selbst sagte in einem Interview, als Millionär gehöre er "zur oberen Mittelschicht in Deutschland". Von seinem Posten als Aufsichtsratschef des US-Finanzkonzerns Blackrock in Deutschland zieht er sich zum April zurück, um sich wieder mehr der Partei zu widmen.

Friedrich Merz | Bildquelle: REUTERS
galerie

Friedrich Merz scheiterte 2018 nur knapp im Kampf um den CDU-Vorsitz.

Jens Spahn

Jens Spahn ist mit 39 Jahren der jüngste der gehandelten Kandidaten für den CDU-Vorsitz. Kritiker wie Fürsprecher seiner Kandidatur würden ihn wohl als "ambitioniert" bezeichnen.

Der gelernte Bankkaufmann und Politologe gehört zum konservativen Flügel der CDU - macht sich aber auch für die Rechte Homosexueller stark und die "Ehe für alle". Die Wähler der CDU seien in solchen Fragen weiter als die Partei selbst, kritisierte Spahn in der "Welt".

Der Gesundheitsminister warf im Rennen um den CDU-Vorsitz schon 2018 den Hut in den Ring. Als Stimme vieler Konservativer und Jüngerer in der Partei brachte sich der Münsterländer in Abgrenzung zu Merkel für mögliche höhere Aufgaben in Stellung.

Der langjährige Gesundheitspolitiker und frühere Finanzstaatssekretär machte regelmäßig mit provokanten Äußerungen zu Themen von der Zuwanderung bis hin zu Recht und Ordnung von sich reden. Als Minister glänzte er mit einem Feuerwerk an Initiativen und Gesetzesnovellen. Der Jüngste in Merkels Kabinett sitzt im Bundestag schon seit 2002.

Jens Spahn | Bildquelle: FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX
galerie

Als Gesundheitsminister profiliert sich Jens Spahn mit zahlreichen Initativen.

Armin Laschet

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident kann schon qua Amt einen Anspruch auf den Bundesvorsitz der CDU und die Kanzlerkandidatur anmelden - das steht dem Regierungsschef des bevölkerungsstärksten Bundeslandes zu. Bei Fragen zu seinen eigenen Karriere-Ambitionen hält Armin Laschet sich lächelnd und dezent zurück.

Der 58-jährige Aachener gilt als loyaler Stellvertreter von Kanzlerin Angela Merkel in der Bundes-CDU. Als Oppositionsführer in NRW hatte er bis zum Wahlerfolg 2017 auf Landesebene zunächst viel Kritik ertragen und so manche Niederlage wegstecken müssen. Doch der Fußballfan gilt als beharrlich und geduldig. Laschet studierte Jura, arbeitete als Journalist und eroberte die politische Bühne schließlich als Bundestags- und Europa-Abgeordneter.

Er war der erste Integrationsminister eines Bundeslandes. Seine Liberalität in der Ausländerpolitik kennt aber Grenzen: So machte sich Laschet für ein Kopftuchverbot stark.

Armin Laschet | Bildquelle: dpa
galerie

Armin Laschet führt als NRW-Ministerpräsident das bevölkerungsreichste Bundesland.

Markus Söder

Ansprüche auf die Kanzlerkandidatur könnte auch CSU-Chef Söder anmelden. Außerhalb Bayerns gilt er vielen noch immer als Scharfmacher und Populist - mit markigen Aussagen hat sich der vierfache Vater über die Jahre hinweg das Image des Hardliners erworben. Auch in der CSU gehen die Meinungen über den ehrgeizigen Juristen aus Franken weit auseinander, doch er hat viele Unterstützer. Zudem hat er sich als akribischer Arbeiter Respekt erworben.

Spätestens seit seiner Wahl zum bayerischen Ministerpräsidenten im März 2018 feilt Stratege Söder an einem neuen Image, hat sich vom Haudrauf zunehmend zum sanfteren Landesvater gewandelt. Zuvor war der Ziehsohn von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber CSU-Generalsekretär, Europa-, Umwelt- und Finanzminister. Seit 1983 ist er CSU-Mitglied, von 1995 bis 2003 war er Chef der Jungen Union Bayern.

Gegen eine Kandidatur Söders spricht, dass CSU-Kanzlerkandidaten außerhalb von Bayern sehr distanziert bewertet werden. Nach der Rückzugsankündigung Kramp-Karrenbauers schloss er selbst erneut einen Wechsel von München nach Berlin aus.

Markus Söder | Bildquelle: dpa
galerie

CSU-Chef Markus Söder hat eine Kanzlerkandidatur bisher ausgeschlossen.

Mit Informationen von Lothar Lenz, ARD-Hauptstadtstudio

Kramp-Karrenbauer gibt auf - wer folgt ihr nach? Ein Katholik aus NRW?
Lothar Lenz, ARD Berlin
10.02.2020 17:10 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 10. Februar 2020 um 19:00 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: