Bewegung für übergewichtige Kinder | dpa

Umfrage unter Eltern Kinder durch Corona dicker und weniger fit

Stand: 31.05.2022 11:57 Uhr

Die Corona-Pandemie hat wie erwartet negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern: Einer Umfrage zufolge haben viele Minderjährige in der Pandemie viel zugenommen und sind weniger fit.

Die Corona-Pandemie hat sich nach Aussagen von Eltern negativ auf das Ess- und Bewegungsverhalten vieler Kinder und Jugendlichen ausgewirkt. Das ergab eine Forsa-Umfrage für die Deutsche Adipositasgesellschaft (DAG) und das Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin (EKFZ) an der Technischen Universität (TU) München.

Fast jedes sechste Kind dicker

Der Umfrage zufolge ist fast jedes sechste Kind in Deutschland seit Beginn der Pandemie dicker geworden - bei den Zehn- bis Zwölfjährigen betrifft das mit 32 Prozent sogar fast ein Drittel. Außerdem bewegt sich demnach fast die Hälfte der Kinder (44 Prozent) weniger als zuvor. Etwa ein Viertel isst laut der Umfrage mehr Süßigkeiten als vor der Pandemie.

Mehr Süßigkeiten, weniger Bewegung

Im Gegenzug nutzten den Einschätzungen der befragten Eltern zufolge etwa 70 Prozent der Minderjährigen mehr Medien - und zwar nicht nur zwischenzeitlich. "Durch Lockdowns veränderte Gewohnheiten scheinen nicht temporär zu sein", bilanzieren die Fachleute die Umfragen-Ergebnisse. Besonders betroffen sind demnach Kinder aus einkommensschwachen Familien, ohnehin übergewichtige Kinder und die Altersgruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen.

Realität könnte düsterer aussehen

Für die vorgestellte Umfrage wurden etwa 1.004 Eltern von Kindern zwischen drei und 17 Jahren befragt. Da rund die Hälfte der Fragen gleichlautend mit einer Umfrage aus dem Jahr 2000 war, konnte die Entwicklung seither nachgezeichnet werden. Fachleute gehen allerdings davon aus, dass die Realität noch düsterer aussieht, weil Eltern gerade die Angaben zu ungesundem Verhalten "häufiger geschönt haben".

Entwicklung beispiellos

Die Ergebnisse kommen nicht ganz überraschend: Schon zuvor hatten Analysen darauf hingewiesen, dass Kinder etwa mehr Zeit mit Medienkonsum verbringen und mehr Süßes essen. Susann Weihrauch-Blüher von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft zeigte sich zur Vorstellung der Ergebnisse besorgt:

Eine Gewichtszunahme in dem Ausmaß wie seit Beginn der Pandemie haben wir zuvor noch nie gesehen.

Weihrauch-Blüher beschrieb die Entwicklung als "alarmierend". Übergewicht könne schon bei Kindern und Jugendlichen zu Bluthochdruck, einer Fettleber oder Diabetes führen.

Corona-Kilos könnten weitreichende Auswirkungen haben

Auch der Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München, Hans Hauner, forderte, die Folgen der Pandemie rechtzeitig abzufangen. Sonst würden die "Corona-Kilos" zum Bumerang für die Gesundheit einer ganzen Generation.

Als Gegenmaßnahmen empfehlen Expertinnen und Experten eine umgehende Besteuerung von Zuckergetränken, Werbeschranken für ungesunde Lebensmittel und die Übernahme der Kosten für eine Adipositas-Therapie durch die Krankenkassen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 31. Mai 2022 um 15:39 Uhr.