Sechs Panzerhaubitzen 2000 der Bundeswehr werden im Februar 2022 in der Hindenburg-Kaserne in Niedersachsen auf ihren Transport Richtung Litauen vorbereitet. | dpa
Hintergrund

Lieferung an Ukraine Was die Panzerhaubitze kann

Stand: 06.05.2022 09:30 Uhr

Die Panzerhaubitze ist ein schweres Artilleriesystem mit einer Kanone auf einem Kettenfahrzeug - und ähnelt damit einem Panzer. Was leistet dieses Gerät im Gefecht?

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

"Reaktionsschnell, weitreichend, treffgenau" - mit diesen Adjektiven bedenkt die Bundeswehr die Panzerhaubitze 2000. Dabei handelt es sich um ein schweres Artilleriegeschütz, das allerdings auf das Fahrgestell eines Kettenpanzers montiert wurde, was bedeutet: Die Haubitze ist nicht darauf angewiesen, sich ziehen oder bewegen zu lassen, sondern kann das selbst tun. Was im Gefecht überlebenswichtig sein kann: Kann doch die Gegenseite per Radar den Standort des abfeuernden Geschützes ermitteln und es im Zweifel ausschalten.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Die Panzerhaubitze aber, so heißt es im Fachjargon, sei zum "Shoot and Scoot" in der Lage. Übersetzt: "Feuern und dann nichts wie weg." Ausgestattet mit 1000 PS wird der Koloss von einem rollenden Geschütz bis zu 60 Kilometer pro Stunde schnell. Er verschießt 155-mm-Munition, die in 30 Kilometer Entfernung einschlagen kann. Die Reichweite lässt sich mit Spezialmunition noch auf 40 Kilometer oder mehr steigern.

Aus Instandsetzungspool

Damit liefert Deutschland der Ukraine also hochwertiges, schweres Gerät, das zur Bekämpfung entfernt liegender Ziele als sehr effizient gilt. Bei den zu liefernden Haubitzen handelt es sich um Geräte, die aus dem Materialpool der Heeresinstandsetzung stammen, also nicht um Material, das der aktiven Truppe zur Verfügung stand und ihr unmittelbar fehlen wird.

Offiziell verfügt die Truppe über 119 Exemplare der Panzerhaubitze 2000, von denen offenbar etwa 40 einsatzbereit sind. Das Geschütz kam - nach intensiver Debatte - zeitweise auch in Afghanistan zum Einsatz. Auch die Niederlande hatte der Ukraine bereits die Lieferung der Panzerhaubitze zugesagt.

Gutachten zu Ausbildung ukrainischer Soldaten

Die Ausbildung für die ukrainischen Streitkräfte wird an der Artillerieschule der Bundeswehr in Idar-Oberstein stattfinden und soll, wie Verteidigungsministerin Lambrecht ankündigte, bereits kommende Woche beginnen. Ein "Ausbildungsmodul" werde 43 Tage dauern, so die SPD-Politikerin.

In einem vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages erstellten Gutachten war kürzlich die Frage aufgeworfen worden, ob Deutschland mit dem Training ukrainischer Soldaten zur Kriegspartei werde. Ohne eine eindeutige Antwort zu geben: Man bewege sich damit in einen Graubereich hinein, so das Ergebnis des Papiers. Klar ist das Gutachten dagegen bei der Frage, ob ein Staat mit der Lieferung von Waffen zur Kriegspartei werde. Die Antwort: Ein eindeutiges Nein.