Ein von einer Corona-Erkrankung genesener Patient bekommt in einer Lungentest-Kabine in einer Rehaklinik die Lungenfunktion gemessen (Archiv 2020) | dpa

Studie zu Corona Organschäden bei mildem Verlauf möglich

Stand: 05.01.2022 20:49 Uhr

Eine Studie des Hamburger Uniklinikums liefert neue Erkenntnisse über Folgen einer überstandenen Corona-Infektion: Demnach können auch leichte Krankheitsverläufe Organe wie Lunge, Herz und Nieren schädigen.

Bereits milde Covid-19-Verläufe können Schäden an Organen verursachen. Zu dieser Erkenntnis kommen Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). So kann das Virus die Funktionen von Herz, Lunge und Nieren mittelfristig beeinträchtigen, so die Wissenschaftler in ihrer Studie. Zudem seien die leichten und moderaten Verläufe mit gehäuften Zeichen einer Beinvenenthrombose einhergegangen, teilte die Klinik mit.

Studie begann Mitte 2020

Für die "Hamburg City Health Study" wurden insgesamt 443 ungeimpfte Menschen umfassend untersucht. Laut UKE begann die Studie Mitte 2020. Dafür wurden das Herz-Kreislauf- und Gefäßsystem, die Lunge, die Nieren und das Gehirn auf Funktion, Struktur und mögliche Folgeschädigungen im Mittel zehn Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion untersucht.

Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gaben keine, milde oder höchstens mäßige Symptome zum Zeitpunkt der Infektion an. 93 Prozent von ihnen wurden rein ambulant behandelt, keiner benötigte laut UKE eine intensivmedizinische Behandlung.

Keine Schäden am Gehirn

Laut den Studienergebnissen war bei den Teilnehmern das Gesamtlungenvolumen im Durchschnitt um drei Prozent im Vergleich zu einer Kontrollgruppe verringert, die Filterleistung der Nieren um zwei Prozent. Die Herzuntersuchungen ergaben eine durchschnittliche Abnahme der Pumpkraft um ein bis zwei Prozent. Zudem war der Wert für kardiales Troponin - ein Proteinkomplex, dessen Erhöhung auf Schäden des Herzens hinweist - um 41 Prozent erhöht.

Auch fanden sich bei den Patienten, die eine Covid-19-Infektion überstanden hatten, zwei bis drei Mal häufiger Hinweise auf zurückliegende Beinvenenthrombosen als in der Vergleichsgruppe.

Keine Auffälligkeiten wies das Gehirn der Patienten auf. Außerdem berichteten die Betroffenen auch nicht von Beeinträchtigungen der Lebensqualität.

"Die Erkenntnis, dass selbst ein milder Krankheitsverlauf mittelfristig zur Schädigung diverser Organe führen kann, hat höchste Bedeutsamkeit gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Omikron-Variante, die mehrheitlich mit milderen Symptomen einherzugehen scheint", erklärten die Wissenschaftler.

Schäden auch nach Omikron-Infektion möglich

Auf die Omikron-Variante ließen sich die Daten zwar nicht hundertprozentig übertragen, sagte Stefan Blankenberg, Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums am UKE, im Interview auf tagesschau24. Aber wenn die Omikron-Variante auf nicht geimpfte Personen treffe, dann könnten auch bei diesen Menschen längerfristige Beeinträchtigungen auftreten.

In diesen Fällen sollten Betroffene ein halbes oder dreiviertel Jahr später das Blut, die Niere und die Herzwerte messen lassen, so Blankenberg. Im Verlauf von sechs bis neun Monaten könnten sich die Beschwerden einstellen. Aber man müsse diese nicht unbedingt spüren. Es sei auch möglich, dass man erst in zehn oder 20 Jahren eine Herzschwäche oder Lungenprobleme bekomme - oder dass auch eine Lungenembolie auftrete.

Die Organe könnten sich von der Corona-Erkrankung erholen, sagte Blankenberg. Allerdings wisse man, dass sich die leichten Veränderungen langfristig über zehn bis 30 Jahre auch verschlimmern könnten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Januar 2022 um 16:00 Uhr.