Eine Drohnenaufnahme zeigt das Ausmaß der Zerstörung in Erftstadt nach dem Unwetter. | dpa

Nordrhein-Westfalen Lage in Erftstadt weiter dramatisch

Stand: 16.07.2021 20:53 Uhr

Gewaltige Erdrutsche und riesige Krater: Große Teile von Erftstadt in Nordrhein-Westfalen sind zerstört. Noch immer ist unklar, wie viele Menschen zu Schaden gekommen sind. Die Stadt rechnet mit Todesopfern.

Nach den Unwettern der vergangenen Tage ist die Lage in einem Ort in Nordrhein-Westfalen besonders dramatisch: In Erftstadt-Blessem südwestlich von Köln unterspülte die Erft zahlreiche Häuser und brachte diese ganz oder teilweise zum Einsturz. Durch Erosion brachen größere Bodenbereiche einfach weg. Es kam zu gewaltigen Erdrutschen, Krater bildeten sich im Erdreich. Nach Stand Freitagabend stürzten dabei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg ein. Teile der Autobahn 1 wurden unterspült und brachen weg. Es ist immer noch unklar, wie viele Opfer es gibt.

Todesopfer befürchtet

"Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Im bisher durchforsteten östlichen Teil des Ortes gebe es keine Todesopfer, alle dort lebenden Menschen seien in Sicherheit. "Aber das ist noch nicht die ganze Stadt." Die Lage ist unübersichtlich. Die Feuerwehr vermutet etwa Tote in Fahrzeugen auf den überspülten Straßen rund um Erftstadt. Die Flut sei schnell gekommen, sagte Landrat Frank Rock (CDU) dem Sender ntv. Es habe kaum Zeit gegeben, die Menschen zu warnen.

Bei einer Pressekonferenz am Abend sagte auch Bürgermeisterin Carolin Weitzel: "Bei der Bergung müssen wir leider auch von Todesopfern ausgehen." Weitzel hatte aber auch gute Nachrichten: 280 Menschen seien in den vergangenen Stunden gerettet worden, allein 106 im Stadtteil Blessem. Der Fokus liege auf der Menschenrettung. Sechs Helikopter und 35 Rettungsboote seien im Einsatz. Die Arbeiten sind schwierig: Laut Fernsehberichten versuchten Anwohner, Retter mit Rufen auf sich aufmerksam zu machen.

Wasser geht etwas zurück

Nach Angaben der Feuerwehr ist das Wasser in Blessem inzwischen ein wenig zurückgegangen, im Ortskern steht es aber nach wie vor hoch. Taucher versuchen dort derzeit, in Häuser zu gelangen, in denen immer noch Menschen eingeschlossen sind. Die Lage im Ort bleibt daher angespannt - und auch die Dämme müssen halten. Viele freiwillige Helferinnen und Helfer befüllen vor Ort Sandsäcke, um die Dämme zu sichern. Bürgermeisterin Weitzel sprach zuletzt von rückläufigen Pegelständen.

In Erftstadt befüllen Freiwillige Sandsäcke. | dpa

Freiwillige packen mit an, um die Dämme zu verstärken. Bild: dpa

Steinmeier will die Stadt am Samstag besuchen

Das nahegelegene Köln stellte kurzfristig Unterkünfte für 80 Menschen aus Erftstadt bereit, nachdem Bürgermeisterin Weitzel um Hilfe gebeten hatte. Mit einem Reisebus wurden die Hilfesuchenden etwa in eine Notunterkunft für Katastrophenfälle in die Domstadt gebracht, teilte die Stadt Köln mit.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will den Rhein-Erft-Kreis am Samstag besuchen. Nach Angaben der NRW-Staatskanzlei wird Steinmeier am Mittag zusammen mit Ministerpräsident Armin Laschet nach Erftstadt kommen, sich in der Feuerwehrleitzentrale ein Bild von der aktuellen Lage machen und mit Rettungskräften sprechen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Juli 2021 um 20:00 Uhr.