Hyalomma Zecke, weiblich und männlich | Bildquelle: Daktaridudu

Experten alarmiert Tropische Zecke erreicht Deutschland

Stand: 14.08.2018 17:33 Uhr

Forscher der Uni Hohenheim sind besorgt: In Niedersachsen und Hessen fanden sie mehrere tropische Zecken. Sie befürchten, dass die Tiere bei zunehmender Wärme auch in Deutschland heimisch werden könnten.

Der Fund von mehreren Exemplaren einer tropischen Zeckenart in Deutschland alarmiert Fachleute. Experten der Universität Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr wiesen in diesem Jahr sieben Exemplare der Gattung Hyalomma nach.

Die Tiere mit den auffällig gestreiften Beinen tauchten im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau auf und wurden vermutlich über Vögel eingeschleppt.

Hyalomma Zecke | Bildquelle: Lucien Mahin
galerie

Die Hyalomma-Zecken sind mit einer Länge bis zwei Zentimeter wesentlich größer als der hiesige Gemeine Holzbock und können an ihren gestreiften Beinen erkannt werden.

Überträger gefährlicher Krankheiten

Sie sind nicht nur wesentlich größer als der hiesige Gemeine Holzbock, sondern können auch Erreger anderer Krankheiten übertragen. In einem Tier fanden die Forscher Rickettsia-Bakterien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen. Es führt beim Menschen zu Hautveränderungen und Fieber. Hyalomma-Arten gelten als wichtiger Überträger unter anderem des Krim-Kongo-Fiebers, das in Deutschland bisher nicht auftritt.

Die erwachsenen Zecken saugen Blut vor allem an großen Tieren. Auch der Mensch ist ein potenzieller Wirt. Die Wissenschaftler führen das Auftreten von Hyalomma-Zecken in Deutschland auf den heißen, trockenen Sommer zurück. Diese tropische Zeckenart bevorzuge eine geringere Luftfeuchtigkeit als die hierzulande üblicherweise vorkommenden Zecken.

Experten rechnen mit Zunahme

Die Tiere, die sonst in Afrika, Asien und Südeuropa leben, fühlten sich bei der derzeitigen Witterung in Deutschland sehr wohl, betonen die Wissenschaftler. "Wir gehen davon aus, dass wir mit immer mehr tropischen Zeckenarten in Deutschland rechnen müssen, die sich durch gute Wetterbedingungen hier ansiedeln können", sagte die Parasitologin Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim.

Bislang habe man erst zwei Mal einzelne Hyalomma-Zecken in Deutschland entdeckt, in den Jahren 2015 und 2017. Träten Hitzeperioden häufiger auf, könnten sich tropische Zecken hierzulande etablieren, befürchtet Mackenstedt. Die Gattung Ixodes inopinatus aus dem Mittelmeerraum beispielsweise habe sich inzwischen bis Dänemark ausgebreitet.

Urlaubsmitbringsel oder schon etablierte Art?

Die meisten Zecken fanden sich an Pferden. Grund: Deren Besitzer kommen den Tiere beim Striegeln sehr nahe und bemerken die Parasiten leicht. Die große Frage sei nun bei den beiden Hyalomma-Arten, ob es sich noch um einzelne eingeschleppte Exemplare handele oder ob sich die Arten hier schon etabliert hätten, sagt Mackenstedt.

Die Expertin sieht Parallelen zu einer anderen Zeckenart: "Bei der ursprünglich in Afrika beheimateten Braunen Hundezecke Rhipicephalus sanguineus sind Exemplare an Hunden gefunden worden, die ihren Hof nie verlassen hatten - damit konnten sie kein unbeabsichtigtes Urlaubsmitbringsel sein."

Hyalomma-Zecken

Die beiden Zeckenarten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes kamen bisher in Mittel- und Nordeuropa nicht vor. Ihre Heimat sind die Trocken- und Halbtrockengebiete von Afrika, Asien und ganz Südeuropa. Von den hiesigen Zecken wie etwa dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) kann man sie leicht unterscheiden: Sie sind mit bis zu zwei Zentimeter Länge wesentlich größer und haben auffällig gestreifte Beine.

Zudem transportieren die Tiere andere Krankheitserreger: Die beiden Hyalomma-Arten gelten aus Überträger jenes Virus, das das Krim-Kongo-Fieber verursacht, das mit schweren Blutungen einhergehen kann. Zudem können die Tiere das Alkhurma-Virus tragen, welches das Arabisch Hämorrhagische Fieber auslöst. In einem der 2018 in Deutschland gefundenen Tiere entdeckten Forscher das Bakterium Rickettsia aeschlimannii, einen Erreger des Zecken-Fleckfiebers.

Erwachsene Tiere saugen Blut vor allem von großen Tieren und können sich über Strecken von bis zu 100 Metern auf ihre Wirte zubewegen. Auch Menschen sind potenzielle Wirte. Larven und Nymphen befallen hauptsächlich kleine Säugetiere und Vögel. Da sie bis zu vier Wochen an ihrem Wirt haften, könne sie mit Zugvögeln nach Mitteleuropa gelangen.

Über dieses Thema berichteten am 14. August 2018 "YOU FM" (Hörfunkprogramm des HR) um 15:00 Uhr und "MDR JUMP" um 18:10 Uhr.

Darstellung: