Afghanistan, Masar-i-Scharif: Ursula von der Leyen (CDU), Verteidigungsministerin, spricht mit Soldaten der Bundeswehr nach der Kontingentansprache.  | Bildquelle: dpa

Neuer Traditionserlass Das Militär und sein Erbe

Stand: 28.03.2018 12:15 Uhr

Die Verteidigungsministerin lässt eine Kaserne in Hannover nach einem Soldaten benennen, der im Auslandseinsatz gefallen ist. Es ist mehr als eine Geste, wie der neue Traditionserlass zeigt.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Der 28. Mai 2011 ist ein heißer Tag in Talokan in der afghanischen Provinz Takhar. Generalmajor Markus Kneip, Befehlshaber des ISAF-Regionalkommandos Nord, ist zu einem Gespräch mit dem Gouverneur in die Stadt gekommen. Das Treffen ist hochkarätig besetzt.

Dass es Kneip und mit ihm viele seiner Kameraden nie mehr vergessen werden, hat aber einen anderen, schrecklichen Grund. Im dem schmucklosen sandfarbenen Gebäude der Provinzverwaltung explodiert eine Bombe, es gibt etliche Verletzte und Tote, unter ihnen auch Tobias Lagenstein, Hauptfeldwebel der Feldjäger.

Von der Leyen benennt Kaserne in Hannover um
tagesthemen 22:30 Uhr, 28.03.2018, Frank Baebenroth, NDR

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Bemerkenswerte Premiere

In Hannover wird nun eine Kaserne nach dem Militärpolizisten benannt - auf Anregung seiner Kameraden und in Anwesenheit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Es ist das erste Mal, dass die Bundeswehr einem ihrer Gefallenen diese Ehre zuteil werden lässt.

Der Schriftzug am Eingangstor der Emmich-Cambrai-Kaserne. Namenspatron der Kaserne soll künftig Tobias Lagenstein sein, ein in Hannover stationierter Feldjäger, der 2011 bei einem Anschlag in Afghanistan ums Leben kam. | Bildquelle: dpa
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Der Schriftzug am Eingangstor der Emmich-Cambrai-Kaserne. Namenspatron der Kaserne soll künftig der verstorbene Tobias Lagenstein sein.

Bislang waren die Kasernen nach Widerstandskämpfern, nach geografischen Regionen oder nach historischen Militärs benannt. So auch in Hannover. Benannt ist die dortige Emmich-Cambrai-Kaserne nach Otto von Emmich, einem preußischen General und der französischen Stadt Cambrai - Schauplatz einer blutigen Schlacht des Ersten Weltkrieges.

Dass diese Kaserne künftig nach Tobias Lagenstein heißen soll ist bemerkenswert. Nicht nur wegen des bisherigen Namens - die Rolle von Preußen-General Emmich ist unter Historikern umstritten. Als Namenspatron hat er womöglich nie wirklich getaugt. Dass er nun durch Lagenstein ersetzt wird, ist auch ein Zeichen eines neuen Traditionsverständnisses, das die Ministerin ihrer Truppe verordnen will.

Neue Akzente im Erlass

Wie fast alles in den Streitkräften, ist auch das militärische Erbe der Bundeswehr seit 1982 in einer Vorschrift festgeschrieben. Doch spätestens nach den Diskussionen um den mutmaßlich rechtsextremen Oberleutnant Franco A. und die vermeintlich unkritische Dekoration von Bundeswehr-Kasernen mit Wehrmachtsdevotionalien, sah von der Leyen die Notwendigkeit einer Neufassung.

Diese unterzeichnete die Chefin im Wehrressort heute gleich in einem Aufwasch mit der Kasernenumbenennung: "Der alte Traditionserlass wusste noch nichts von der Armee der Einheit und von der Armee im Einsatz. Er wusste noch nichts vom Kampf gegen heutige Terrormilizen, die mit brutaler Gewalt Schreckensherrschaften errichten, von hybriden Bedrohungen", so die Ministerin.

Im neuen Erlass gibt es neue Akzentsetzungen. "Zentraler Bezugspunkt der Tradition der Bundeswehr sind ihre eigene, lange Geschichte und die Leistungen ihrer Soldatinnen und Soldaten", heißt es da. Bei verschiedenen Gelegenheiten hatte auch Generalinspekteur Volker Wieker betont, die Streitkräfte hätten genug eigene Geschichte und bräuchten den Bezug zur Vergangenheit eigentlich nicht.

Einer seiner Amtsvorgänger, der frühere Generalinspekteur Harald Kujat, warnt indes davor, dass die Bundeswehr im Traditionsverständnis nicht zum Spielball der Politik werden dürfe. Dem MDR sagte Kujat, dass Tradition nicht davon abhängig sein dürfe, welche Partei gerade an der Macht sei und wie das tagesaktuelle Geschehen aussehe.

Der Kommentar von Christian Thiels, SWR, zur Kasernenumbenennung
tagesthemen 22:30 Uhr, 28.03.2018

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"Deutsche Militärgeschichte in den Blick nehmen"

Vielleicht liest sich die Endfassung des neuen Traditionserlasses deshalb auch nicht ganz so rigoros wie ursprünglich angedacht. Das deutsche Militär vor dem Jahr 1918 sei trotz seiner Rolle als Machtinstrument von Feudalstaaten durchaus Spiegel "bewahrungswürdiger Vorbilder und Geschehnisse", heißt es.

Man wolle "die deutsche Militärgeschichte in ihrer ganzen Breite in den Blick nehmen", sagt heute auch von der Leyen. Bemerkenswert ist auch eine stärkere Betonung des militärischen Handwerks. Neben der besonderen Erwähnung des Beitrages der Bundeswehr "zum internationalen Krisenmanagement sowie ihre Bewährung in Einsätzen und im Gefecht" ist dort auch von "zeitlos gültigen soldatischen Tugenden" wie Tapferkeit, Ritterlichkeit, Kameradschaft und "gewissenhafte Pflichterfüllung" die Rede.

Doch für die Ministerin war heute auch wichtig, dass militärische Exzellenz allein nicht genüge. "Sie mag als Beispiel für Lehre und Ausbildung dienen." Tradition sei etwas anderes. Sinn- und traditionsstiftend für die Bundeswehr, könne nur ein soldatisches Selbstverständnis sein, das auf dem Wertefundament des Grundgesetzes ruhe.

NVA-Soldaten am 7. August 1984 in Ostberlin anlässlich der Parade zum 35-jährigen Jahrestag der DDR | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Auch NVA-Soldaten könnten Teil der Bundeswehr-Tradition werden - wenn ihre Leistung "vorbildlich und sinnstiftend in die Gegenwart" wirke.

Wehrmacht "kann Tradition nicht begründen"

Trotzdem erlaubt der neue Erlass, dass auch Angehörige der Nationalen Volksarmee der DDR Teil der Bundeswehr-Tradition werden, wenn ihre Leistung "vorbildlich und sinnstiftend in die Gegenwart" wirke - etwa "die Auflehnung gegen die SED-Herrschaft oder besondere Verdienste um die Deutsche Einheit".

Die Wehrmacht hingegen "kann Tradition nicht begründen" - so ähnlich steht das schon im Erlass von 1982. Auch hier können jedoch einzelne Angehörige "in das Traditionsgut der Bundeswehr" aufgenommen werden, etwa weil sie am militärischen Widerstand gegen die Nazis beteiligt waren. Allerdings legt der Erlass auch fest: "Das Ausschmücken von Diensträumen mit Exponaten und Darstellungen aus der Wehrmacht und der NVA ist außerhalb von Ausstellungen in militärgeschichtlichen Sammlungen grundsätzlich nicht gestattet."

Hitler schreitet 1934 in der Kaiserpfalz Goslar eine Ehrenkompagnie der Wehrmacht ab
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Den Eid auf Hitler geschworen: Die Wehrmacht spielte eine zentrale Rolle bei den Verbrechen der Nationalsozialisten.

Missverständnisse um den Charakter von Andenken solcher Art will man augenscheinlich auf jeden Fall verhindern. Auch an die Kasernen der Bundeswehr, die vielfach noch aus der NS-Zeit stammen und häufig Reichsadler und Wehrmachtsbilder an den Wänden haben, hat man gedacht. "Historischer Bauschmuck" gehöre nicht zur Traditionspflege, der Erhalt sei aber anzustreben - allerdings immer mit Einordnung durch Informationstafeln.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. März 2018 um 11:30 Uhr in einem Schwerpunkt.

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