Zahlreiche brennende Teelichter stehen im Hildesheimer Dom auf den Stufen zum Altar in Gedenken an Corona-Tote. | picture alliance/dpa

Statistisches Bundesamt Fast fünf Prozent mehr Todesfälle 2020

Stand: 04.11.2021 13:12 Uhr

Im vergangenen Jahr starben laut Statististikamt 4,9 Prozent mehr Menschen als 2019. Vier von hundert Todesfällen gingen demnach direkt auf das Coronavirus zurück. Die häufigste Todesursache aber blieben Herz- und Kreislauferkrankungen.

Die Zahl der Todesfälle in Deutschland ist im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent gestiegen. Das geht aus der endgültigen Auswertung der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervor. Wie die Behörde mitteilte, starben im vergangenen Jahr insgesamt 985.572 Menschen, davon 492.797 Männer und 492.775 Frauen.

Pandemie Teil der Ursache

Den Anstieg führt Destatis auch auf die Corona-Pandemie zurück. Vier von hundert Todesfällen gingen demnach im vergangenen Jahr direkt auf das Coronavirus zurück. 39.758 Menschen sind den Angaben zufolge 2020, im ersten Jahr der Pandemie, an Covid-19 als sogenanntes Grundleiden gestorben. Die vom Virus SARS-CoV-2 verursachte Krankheit war in diesen Fällen die ausschlaggebende Todesursache. Die vorläufigen Zahlen von Anfang Juli lagen um etwa 9000 Fälle niedriger.

Fälle, in denen das Coronavirus als Begleiterkrankung nicht ursächlich für den Tod war, sind in der aktuellen Statistik nicht enthalten. Diese Zahlen sollen laut Destatis voraussichtlich im Dezember veröffentlicht werden.

Herz- und Kreislauferkrankungen häufigste Ursache

Wie bereits in den Vorjahren waren laut Destatis Krankheiten des Herz-/Kreislaufsystems die mit Abstand häufigste Todesursache. Mit 338.001 Verstorbenen waren sie für ein Drittel (34 Prozent) aller Sterbefälle ursächlich. Vor allem bei älteren Menschen führten diese Erkrankungen zum Tod: 93 Prozent der Betroffenen waren 65 Jahre und älter.

Zweithäufigste Todesursache waren den Angaben zufolge Krebserkrankungen, die für fast ein Viertel (23,5 Prozent) verantwortlich waren. 41.794 aller Todesfälle (4,2 Prozent) waren auf eine nicht natürliche Todesursache wie zum Beispiel eine Verletzung oder Vergiftung zurückzuführen. In 17.211 Fällen war ein Sturz die Ursache für den Tod.

Die Zahl der Suizide lag im Jahr 2020 bei 9206 und damit leicht über dem Wert von 2019 mit 9041 Fällen. Drei Viertel der Betroffenen waren Männer, ein Viertel Frauen. Die amtliche Todesursachenstatistik basiert laut Destatis auf den in den Todesbescheinigungen dokumentierten Grundleiden und Begleiterkrankungen der verstorbenen Personen.

Lebenserwartung in vielen Ländern gesunken

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Lebenserwartung - nach einer Berechnung ist sie in den meisten Industriestaaten im vergangenen Jahr gesunken. Ein Demografen-Team habe errechnet, dass die Lebenserwartung in 31 der 37 untersuchten Länder zurückging, teilte das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock mit. Insgesamt seien dort rund 28 Millionen Lebensjahre mehr verloren gegangen als zu erwarten gewesen wäre. Das seien fünfmal so viele Lebensjahre wie bei der Grippe-Epidemie 2015.

Die Studie wurde im medizinisch-wissenschaftlichen Fachjournal "BMJ" veröffentlicht. Den Angaben zufolge sank die Lebenserwartung mit 2,33 Jahren für Männer in Russland am stärksten. Für Frauen in Russland ging sie um 2,14 Jahre zurück. An zweiter Stelle lagen die USA, wo die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer um 2,27 Jahre und der Frauen um 1,61 Jahre fiel.

In Bulgarien sank sie für Männer um 1,96 Jahre und für Frauen um 1,37 Jahre. Hingegen sei die Lebenserwartung in Neuseeland, Taiwan und Norwegen gestiegen, während sie sich in Dänemark, Island und Südkorea im vergangenen Jahr nicht veränderte. Das könne wohl auf die erfolgreiche Pandemie-Bekämpfung in diesen Ländern zurückgeführt werden, sagte Dmitri Jdanov, Leiter des Arbeitsbereichs Demografische Daten beim Max-Planck-Institut in Rostock.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. November 2021 um 13:00 Uhr.