Mediziner erstochen Trauer und Entsetzen nach Tod Weizsäckers

Stand: 20.11.2019 14:46 Uhr

Familie, Freunde und Politiker haben mit Bestürzen auf die Tötung von Fritz von Weizsäcker reagiert. Dies sein ein "schrecklicher Tag für die Familie von Weizsäcker", erklärte die Bundesregierung.

Nach der tödlichen Messerattacke auf den Arzt Fritz von Weizsäcker hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Beileid bekundet. "Es ist ein entsetzlicher Schlag für die Familie von Weizsäcker, und die Anteilnahme der Bundeskanzlerin, sicher auch der Mitglieder der Bundesregierung insgesamt, gehen an die Witwe, an die ganze Familie", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Auch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, der tödliche Messerangriff auf von Weizsäcker sei "mit Entsetzen" zur Kenntnis genommen worden. Zu möglichen Schutzmaßnahmen für Angehörige früherer Bundespräsidenten wollte er auf Nachfrage keine Angaben machen.

Fritz von Weizsäcker (Archivbild) | Bildquelle: dpa
galerie

Fritz von Weizsäcker wurde im Alter von 59 Jahren getötet.

Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, war am Dienstagabend während eines Vortrags in der Schlosspark-Klinik im Berliner Stadtteil Charlottenburg erstochen worden. Der 59 Jahre alte Chefarzt hielt im dortigen Tagungsraum der Abteilung für Psychiatrie gerade einen öffentlichen Vortrag, als kurz vor 19.00 Uhr ein Mann aus dem Zuschauerraum auf ihn losging, wie eine Polizeisprecherin sagte.

Für den Mediziner kam jede Hilfe zu spät. Laut Polizei überwältigte ein 33 Jahre alter Polizist, der privat vor Ort war, den Angreifer. Der Beamte wurde selbst schwer verletzt und in einem Krankenhaus operiert, ist aber nicht in Lebensgefahr. Die Polizei nahm einen 57-jährigen Tatverdächtigen fest. Zum Motiv des Angriffs gibt es bisher keine Informationen. Er war kein Patient der Klinik.

Tatverdächtiger nicht polizeibekannt

Die Berliner Polizei bestätigte Medienberichte, laut denen der Tatverdächtige aus Rheinland-Pfalz kommt. Er habe dort seinen festen Wohnsitz und keinen in Berlin, sagte ein Sprecher. Mit einem richterlichen Beschluss und Unterstützung der Kollegen in Rheinland-Pfalz werde die Wohnung des Mannes durchsucht. Die Ermittlungen dauerten an. Den genauen Einsatzort nennt die Polizei nicht.

Schloßpark-Klinik in Berlin | Bildquelle: dpa
galerie

Die Berliner Schlosspark-Klinik ist der Tatort des Gewaltverbrechens.

Unterdessen liefen die Vorbereitungen für die Vorführung des 57-Jährigen bei einem Ermittlungsrichter, sagte der Sprecher. Wann genau dies passieren sollte, stehe nicht fest. Der Richter sollte darüber entscheiden, ob der Verdächtige in Untersuchungshaft oder eine psychiatrische Einrichtung kommt.

Die Polizei ermittelt laut der Sprecherin in alle Richtungen. Beamte sollen demnach auch die Familie von Weizsäckers dazu befragen, ob es Bedrohungen gegeben haben könnte.

Lange Karriere als Mediziner

Von Weizsäcker hatte eine lange Karriere als Mediziner hinter sich. Nach Stationen in Freiburg, Boston und Zürich war er seit 2005 Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik.

Familienmitglieder, Kollegen und Fachkreise reagierten mit großer Trauer auf den gewaltsamen Tod. Der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker würdigte seinen Cousin Fritz mit warmen Worten: "Ich fand ihn ganz wunderbar", sagte von Weizsäcker der Nachrichtenagentur dpa. "Ich habe ihn ungewöhnlich lieb gehabt." Fritz von Weizsäckers Schwester Beatrice postet bei Instagram ein Kreuz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2019 um 14:00 Uhr.

Darstellung: