Autos fahren auf einer Autobahn | dpa

Bündnis fordert zum Handeln auf Tempolimit - für Klimaschutz und Sicherheit

Stand: 13.07.2021 14:18 Uhr

Tempolimits auf Autobahnen, Tempo 30 in Städten, Tempo 80 außerorts - das fordert ein Bündnis aus Umwelt- und Verkehrsverbänden sowie der Gewerkschaft der Polizei NRW. Diese Limits würden unter anderem dem Klima helfen.

Von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Deutschland als Exot. Als einziges Industrieland ohne ein generelles Tempolimit auf Autobahnen. "Das letzte Hochgeschwindigkeitsland der Welt", sagt Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe. Er spricht für ein Bündnis von Umwelt- und Verkehrsverbänden sowie die Gewerkschaft der Polizei Nordrhein-Westfalen.

Kai Clement ARD-Hauptstadtstudio

Erneuter Appell an die Politik

Vor zwei Jahren sind sie gemeinsam angetreten, um auch auf deutschen Autobahnen eine verbindliche Höchstgeschwindigkeit einzuführen. Nun, vor der Bundestagswahl, wenden sie sich in einer Videoschalte erneut an die Politik.

Wir als Deutsche Umwelthilfe fordern von einer neuen Bundesregierung im Rahmen ihres 100-Tage-Programms, also gleich für den Beginn, die Einführung eines Tempolimits von 120 auf Autobahnen, von Tempo 80 auf Außerorts-Straßen und von Tempo 30 in den Städten".

Beispiel Niederlande

Außerdem solle das Beispiel der Niederlande Schule machen: Die verringern die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen tagsüber noch weiter auf 100 Kilometer pro Stunde. Die Polizeigewerkschaft NRW setzt dagegen Tempo 130 an. Entscheidend sei, dass überhaupt ein Tempolimit komme, sagt Michael Mertens von der Gewerkschaft der Polizei NRW und zeigt ein Foto von völlig zerstörten und in ineinander verkeilten Fahrzeugen. Alle Fakten seien bekannt, alle Statistiken und Argumente. Jetzt sei die Zeit zu handeln, um Menschenleben zu retten.

"Bei einem Tempolimit verstärken sich drei Effekte gegenseitig. Erstens: die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt, der Verkehrsfluss wird gleichmäßiger und - das ist das ganz Wichtige - die Geschwindigkeitsunterschiede werden geringer", so Mertens.

Mehr Verkehrssicherheit, weniger Tote

Alles zusammen erhöhe die Verkehrssicherheit und verringere die Zahl von Verkehrsopfern, so Mertens - auf den Autobahnen um voraussichtlich 20 Prozent. Auch für Polizei- und Rettungskräfte und alle anderen, die dort arbeiteten, seien höhere Geschwindigkeiten lebensgefährlich. 

Hauptargument Klimaschutz

Klimaschutz ist das andere Hauptargument. Beispiel: Mit Tempo 120, so hat es das Umweltbundesamt errechnet, würden 2,9 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Regeltempo 30 in Städten und 80 Kilometer pro Stunde außerorts bieten weitere Einsparpotenziale, so Resch von der Umwelthilfe.

"Es gibt keine andere Maßnahme im Verkehrsbereich, die kurzfristig und letztlich kostenlos so einen Einspareffekt hat", findet Resch.

Union, FDP und AfD gegen Tempolimit

Jedoch haben nur Grüne, SPD und Linke entsprechende Ziele in ihren Wahlprogrammen verankert. Union, FDP und AfD sind weiter gegen das Tempolimit. Verkehrsminister Scheuer (CSU) sprach zuletzt gar von einem Fetisch und von Verbotsdebatten. Zudem werde mit mehr Automatisierung und mehr Elektroautos die Durchschnittsgeschwindigkeit ohnehin sinken.

Die deutschen Autobahnen seien die sichersten der Welt. So sieht es auch FDP-Generalsekretär Volker Wissing: "Wir haben kein Sicherheitsproblem auf unseren Autobahnen. Im Übrigen haben wir dort, wo Risiken bestehen, auch heute schon Tempolimits, aber eben kein generelles. Und wir haben andere Probleme in Deutschland als diese Sucht, Dinge zu verbieten, die nicht verboten werden müssen."

Das Bündnis setzt für die Einführung eines Tempolimits neben der politischen Debatte im Wahlkampf deshalb auch auf Gerichte - so hat die Umwelthilfe die Bundesregierung verklagt, damit die die Klimaziele im Verkehrssektor einhält.

Über dieses Thema berichtete BR24 Aktuell am 13. Juli 2021 um 12:06 Uhr.

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Moderation 13.07.2021 • 17:45 Uhr

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