Reiner Hoffmann spricht bei der Hauptkundgebung des DGB zum Tag der Arbeit auf dem Hamburger Fischmarkt. | dpa

Kundgebungen am Tag der Arbeit "Mit Solidarität durch die Krise"

Stand: 01.05.2021 17:06 Uhr

Zentrales Thema der Kundgebungen der Gewerkschaften am Tag der Arbeit war die Corona-Krise. DGB-Chef Hoffmann hob die Bedeutung des solidarischen Zusammenhalts hervor. Aus der Politik kam die Forderung, Pflegekräfte besser zu bezahlen.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, hat zum Tag der Arbeit die Bedeutung des solidarischen Zusammenhalts und eines starken Sozialstaates hervorgehoben. Nach über einem Jahr Corona-Pandemie seien die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Krise enorm, sagte er auf einer DGB-Kundgebung in Hamburg. Durch solidarisches Handeln sei es aber gelungen, das Schlimmste zu verhindern.

Er betonte die Bedeutung der Gewerkschaften in der Krise, die sich erfolgreich für mehr Arbeits- und Gesundheitsschutz eingesetzt und dafür gesorgt hätten, dass verbindliche Regeln fürs Homeoffice gelten. Auch die Unterstützung für Familien sei verbessert und das Kurzarbeitergeld auf Druck der Gewerkschaften verlängert und erhöht worden.

Baerbock: Vernünftiger Lohn für Pflegekräfte

Grünen-Chefin und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock machte bei der DGB-Kundgebung in Potsdam auf die Situation von Pflegekräften in der Corona-Pandemie aufmerksam - aber auch in der Zeit danach. Schon vor der Pandemie fehlten nach Baerbocks Angaben 120.000 Pflegekräfte in Heimen und 50.000 in Krankenhäusern. Es gehe um einen vernünftigen Lohn und vernünftige Arbeitsbedingungen, so Baerbock. Solidarität sei in diesen Zeiten "keine Selbstverständlichkeit".

Laschet warnt vor sozialer Spaltung

Ähnlich äußerte sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Chef Armin Laschet. Er rief bei einer Kundgebung in Düsseldorf zu mehr Anerkennung für gesellschaftsrelevante Berufe etwa in der Pflege auf, die zum Teil die größte Arbeit leisteten. Außerdem warnte er vor einer sozialen Spaltung: Nach der Krise werde es einen "Riesen-Aufholbedarf" geben.

Hoßbach für mehr Arbeits- und Gesundheitsschutz

In Berlin forderte der Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Christian Hoßbach, auf einer Kundgebung am Brandenburger Tor, die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stärker zu vertreten. Arbeits- und Gesundheitsschutz müssten deutlich aufgestockt werden. Wichtig seien auch schnelle Entscheidungen zur Sicherung der beruflichen Ausbildung. "Es darf keine 'Generation Corona' auf dem Arbeitsmarkt geben", so Hoßbach.

IG-Metall-Chef Hofmann: Faire Lastenverteilung

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann forderte von der Politik eine faire Lastenverteilung bei den Kosten der Corona-Pandemie. Einerseits boomten die Börsen und es habe noch nie so einen rasanten Zuwachs an Milliardären gegeben, sagte der Gewerkschafter dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Gleichzeitig seien Hunderttausende Arbeitsplätze verloren gegangen und mehr Menschen auf Hartz IV angewiesen.

Die Pandemie hinterlasse nicht nur Opfer und Verlierer, es gebe auch Profiteure. "Diese massive Unwucht kann auch den politischen Raum ins Wanken bringen", warnte Hofmann. "Deshalb brauchen wir entschlossenes politisches Handeln in der Frage der Lastenverteilung."

Werneke: Taten statt warme Worte

Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Werneke, forderte von der Bundesregierung noch vor der Bundestagswahl im September rasche Taten. "Die Millionen von Menschen, die von Kurzarbeit betroffen sind und vielfach um ihre Jobs fürchten - genauso wie die Millionen von Beschäftigten in systemrelevanten Bereichen, die in den vergangenen Monaten unter den Bedingungen der Corona-Pandemie Außerordentliches geleistet haben, erwarten mehr als nur warme Worte", so Werneke.

Merkel dankt für Solidarität und Geduld

Kanzlerin Angela Merkel würdigte den Einsatz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. "Gerade Berufe, die sonst nicht solche Aufmerksamkeit bekommen, haben das Land am Laufen gehalten," sagte Merkel in ihrem Video-Podcast. Sie dankte den Menschen "für Ihren Einsatz in der schwersten Zeit, die unser Land seit Generationen erlebt hat", für Solidarität und Geduld.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Mai 2021 um 11:30 Uhr.