Apothekerin übergibt Organspendeausweis an Kunden | Bildquelle: picture alliance / zb

Tag der Organspende "Bitte nutzen Sie den Tag"

Stand: 06.06.2020 04:20 Uhr

Die Bereitschaft zur Organspende ist am Jahresanfang deutlich gestiegen - doch dann kam das Coronavirus. Gesundheitsminister Spahn appelliert deshalb, den Tag der Organspende zu nutzen und sich zu informieren.

Von Angela Tesch, ARD-Hauptstadtstudio

Es sind zurzeit mehr als 9000 Menschen in Deutschland, "die voller Hoffnung und Verzweiflung auf ein Spenderorgan warten", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Die meisten von ihnen, mehr als 7000, brauchen eine Niere.

Insgesamt gab es 2019 bundesweit 932 Menschen, die nach ihrem Tod Organe gespendet haben. Zu Beginn dieses Jahres ging die Spendenbereitschaft plötzlich nach oben. Und sogar während der Corona-Krise wird - anders als in Italien oder den USA - gespendet und transplantiert.

Da sei Deutschland mit einem blauen Auge davongekommen, sagt Axel Rahmel, Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation DSO: "Allerdings ist dieser Anstieg in allererster Linie auf die sehr positive Entwicklung im Januar und Februar zurückzuführen. Da gab es einen Anstieg um fast 30 Prozent von 140 auf 181 Spendern."

Wäre die Pandemie nicht gekommen ...

Wäre Corona nicht gekommen, glaubt Spahn, hätte der Aufwärtstrend vielleicht angehalten. Der CDU-Minister erinnert an die breite gesellschaftliche Diskussion über Organspenden, die anderthalb Jahre im Bundestag, aber auch beim Abendbrot, im Freundeskreis und bei der Arbeit stattgefunden habe.

Im Januar 2020 bestätigt der Bundestag die Zustimmungsregelung, eine bewusste und freiwillige Entscheidung für oder gegen eine Organspende. "Diese intensive Debatte hat schon mehr bewirkt als jede Aufklärungskampagne der letzten Jahre. Und auch während der Corona-Pandemie ist das Interesse an der Organspende und dem Thema weiterhin hoch", so Spahn.

Diese Wirkung bestätigt auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und verweist auf die etwa 2,2 Millionen Organspendeausweise, die sie von Januar bis April verschickt hat oder die heruntergeladen worden sind. Das sind 500.000 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Mehr Zeit und mehr Kompetenzen für Transplantationsbeauftragte

Spahn verweist zudem auf die Reform des Transplantationsgesetzes im vergangenen Jahr. Auch das habe viel bewirkt. "Transplantationsbeauftragte in den Kliniken haben jetzt mehr Zeit und mehr Kompetenzen. Vergütungen für die Organentnahme und deren Vorbereitung ist besser. Die Ausgaben der Krankenkassen für diesen Bereich sind um das Vierfache gestiegen."

Annalena Baerbock | Bildquelle: REUTERS
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Hat sich sehr für die Zustimmungsregelung eingesetzt: Grünen-Chefin Baerbock

Annalena Baerbock, die Bundesvorsitzende der Grünen und Abgeordnete im Bundestag, hat viel dazu beigetragen, dass die Zustimmungsregelung im Parlament eine deutliche Mehrheit bekommt: "Wir müssen die große Kluft zwischen der Bereitschaft von 84 Prozent der Bevölkerung schließen, die sagen, sie sind bereit zu spenden, zu den knapp 40 Prozent, die wirklich einen Organspenderausweis haben."

Ziel: Online-Register für Spender

Teil des Gesetzes ist es, ein Online-Register für Organ-und Gewebespender einzurichten. In das Register soll jede und jeder sich einloggen können, um die eigene Haltung mitzuteilen oder auch wieder zu ändern. Befugte Ärzte sollen Zugriff bekommen, um den Patientenwillen zu erfahren.

Doch warum dauert es so lange, bis das Register kommt? Als Frist hat der Bundestag den 1. März 2022 gesetzt. "Das Herzstück des neuen Gesetzes ist, dass Menschen sich online in ein Spende-Register eintragen können - auf den Bürgerämtern, zu Hause oder in Krankenhäusern. Aber dafür müssen die technischen Voraussetzungen im Sinne des Datenschutzes getroffen werden, begründet Baerbock.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | Bildquelle: SEAN GALLUP/POOL/EPA-EFE/Shutter
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Auch ohne Online-Register könne sich jeder mit dem Thema Organspende beschäftigen, so Gesundheitsminister Spahn: "Wichtig ist, dass Sie eine Entscheidung treffen."

Schon jetzt könne jeder seine persönliche Entscheidung zur Organspende treffen, egal ob Pro oder Kontra, fordert der Bundesgesundheitsminister die Deutschen auf: "Wichtig ist, dass Sie eine Entscheidung treffen. Also bitte nutzen Sie den Tag der Organspende, um sich einmal mehr über dieses wichtige Thema zu informieren."

Spendenbereitschaft steigt in Deutschland leicht an
Angela Tesch, ARD Berlin
06.06.2020 06:00 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 06. Juni 2020 um 06:20 Uhr auf B5 aktuell.

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Angela Tesch, MDR

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