Ein Polizeiauto steht vor einem abgesperrten Bereich, mehrere Personen stehen auf der Straße | Christoph Hensgen

Münster und Bonn Israelische Flaggen vor Synagogen angezündet

Stand: 12.05.2021 17:00 Uhr

Nach den Angriffen auf jüdische Einrichtungen in Münster, Bonn und Düsseldorf hat die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen erhöht und 13 Verdächtige ermittelt. Die Politik verurteilt die Vorfälle.

Vertreter der Kirche und der Landespolitik haben die Angriffe auf mehrere jüdische Einrichtungen in NRW in den vergangenen Tagen teils scharf verurteilt. Vor Synagogen in Bonn und Münster hatten Menschengruppen am Dienstagabend israelische Flaggen angezündet, in Bonn wurde der Eingangsbereich der Synagoge außerdem mit Steinen beworfen.

Bereits am Montagabend hatte ein Unbekannter in Düsseldorf ein Feuer an einem Gedenkstein für eine ehemalige Synagoge gelegt. In Münster und Bonn konnte die Polizei jeweils die Tatverdächtigen ermitteln. In Bonn nahm die Polizei drei Männer im Alter von 20 und 24 Jahren noch am Abend vorläufig fest. In Münster ermittelt der Staatsschutz der Polizei gegen 13 Männer im Alter zwischen 15 und 46 Jahren aus Münster und Senden.

Polizei erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Nach den Vorfällen hat die Polizei in mehreren NRW-Städten die Sicherheitsvorkehrungen vor jüdischen Einrichtungen verstärkt, etwa mit verstärkten Streifenfahrten, unter anderem in Krefeld, Duisburg und Essen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU): "Wir nehmen die Lage sehr ernst. Wir haben die Sicherheitsmaßnahmen bereits seit dem Anschlag in Hanau hochgefahren und haben jetzt nochmal alle Behörden sensibilisiert." Zudem dankte Reul den Sicherheitsbehörden für ihre "Ausdauer": "Jüdisches Leben zu schützen ist vor dem Hintergrund unserer Geschichte ein besonderer Auftrag für uns."

Laschet verurteilt Angriffe

"Wir haben am heutigen Tag unverzüglich Schutzmaßnahmen ergriffen", erklärte auch NRW-Ministerpräsdient Armin Laschet (CDU). "Antisemitismus, Ausgrenzung und Diskriminierung haben in Deutschland und NRW keinen Platz", so Laschet. Zur deutschen Staatsräson gehöre auch, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen. "Unser Bekenntnis gilt: Nie wieder. Nie wieder Gewalt und Hass gegen Jüdinnen und Juden", betonte Laschet. "Wir stehen an der Seite Israels."

Auch Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) sicherte den Jüdinnen und Juden in NRW seine Solidarität zu. "Wir werden keine Angriffe auf Synagogen einfach hinnehmen. Deswegen verurteile ich die jüngsten Brandanschläge auf das Schärfste", erklärte Stamp bei einem Besuch der Synagogengemeinde in Bonn.

"In NRW ist kein Platz für Antisemitismus", betonte auch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) auf Twitter.

Ähnlich äußerte sich Christof Rasche, Vorsitzender der FDP-Fraktion im NRW-Landtag. Landtagspräsident André Kuper (CDU) zeigte sich angesichts der Vorfälle besorgt: "Wir verurteilen die Aktionen in Düsseldorf, Bonn und Münster. Unsere Geschichte sollte uns bewusst machen: Hier brennen keine Flaggen oder Mahnmale, sondern in uns brennt der Herzenswunsch nach Frieden und Demokratie im Nahen Osten!"

Auch die Antisemitismusbeauftragte des Landes NRW, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, verurteile die Vorfälle scharf. "Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden sowie jüdische Einrichtungen sind keine Protestform und nicht akzeptabel", so Leutheusser-Schnarrenberger. Es müsse alles Mögliche getan werden, Gedenkstätten und das Leben der Jüdinnen und Juden in NRW zu schützen.

Zentralrat der Juden und Bischofskonferenz warnen vor wachsendem Antisemitismus

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland äußerten sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Bätzing zeigte sich erschüttert: "Es darf nicht zugelassen werden, dass ein politischer Konflikt mit religiösem Fanatismus verbunden und aufgeladen wird. Angriffe auf Synagogen sind purer Antisemitismus, der mit nichts zu rechtfertigen ist." Schuster warnte vor wachsendem Antisemitismus - insbesondere in Zeiten der Pandemie verbreiteten sich antisemitische Verschwörungsmythen: "Dieser Antisemitismus muss konsequent und nachhaltig bekämpft werden."

Hintergrund: Auseinandersetzungen in Israel?

Der Staatsschutz prüft jetzt unter anderem, ob die Taten in NRW in Zusammenhang mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern in Nahost stehen.

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