Flaggen Türkei und Deutschland | Bildquelle: picture alliance / dpa

Studie zu Türkischstämmigen Eher türkisch als deutsch?

Stand: 23.07.2018 20:29 Uhr

Türkischstämmige Menschen in Deutschland fühlen sich meist stärker mit der Türkei verbunden als mit Deutschland. Eine aktuelle Studie sieht einen Zusammenhang mit der politischen Entwicklung.

Von Ina Ruck, WDR

Knapp 2,8 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln leben in Deutschland. Etwa die Hälfte hat die deutsche Staatsangehörigkeit, ebenfalls etwa zur Hälfte sind sie in Deutschland geboren. Seit vielen Jahren erhebt das Essener Zentrum für Türkeistudien NRW-weit Daten zum Stand der Integration. Für die jüngste Studie, die am Montag vorgestellt wurde, wurden parallel auch Türkischstämmige in den anderen Bundesländern befragt - mit dem Ergebnis, dass sich die Werte kaum voneinander unterscheiden.

Studie belegt Verbundenheit von Deutschtürken mit der Türkei
tagesschau 20:00 Uhr, 23.07.2018, Ulla Fiebig, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Verbundenheit mit der Türkei nimmt zu

Demnach steigt in Nordrhein-Westfalen - wie deutschlandweit auch - die Verbundenheit mit dem Herkunftsland. "Stark oder sehr stark zugehörig" zur Türkei fühlen sich bundesweit etwa 89 Prozent der Befragten, zu Deutschland immerhin etwa 81 Prozent. Nimmt man allerdings nur die Wertung "fühle mich sehr stark zugehörig", wird der Unterschied noch viel deutlicher: 61 Prozent der Türkischstämmigen bejahen dies für die Türkei, nur 37,5 Prozent für Deutschland. Im Vergleich dieser Zahlen mit den nur für Nordrhein-Westfalen erhobenen aus vergangenen Jahren ist ein klarer Trend erkennbar: Die Verbundenheit mit der Türkei nimmt seit 2010 stark zu.

Haci-Hali Uslucan, der wissenschaftliche Leiter des Zentrums für Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen, sieht zwei Hauptursachen für diese Entwicklung: "Zum einen hatten wir die letzten fünf, sechs Jahre eine sehr gehässige Integrationsdebatte, fokussiert auch auf Türkischstämmige und Muslime. Auf der anderen Seite sehen wir ein starkes Bemühen der türkischen Regierung, sich genau um diese Gruppe zu kümmern, etwa durch das 2010 eingerichtete Ministerium für Auslandstürken - mit der klaren Botschaft: 'Wir kümmern uns um euch, die Deutschen nicht'."

Deutschland tut sich schwer mit Doppelidentität

Bedeutendes Detail: Die enge Verbundenheit zur Türkei zieht sich durch alle Altersgruppen. Selbst die dritte Generation der Türkeistämmigen in Deutschland, also Menschen, die hier aufwuchsen und sozialisiert wurden, wendet sich stärker der Heimat ihrer Großeltern zu.

Martina Sauer, die Autorin der Studie, erklärt dies damit, dass man sich in Deutschland immer noch schwertue mit einer Doppel-Identität. Die jungen Türkischstämmigen verspürten eine Verbundenheit zu beiden Kulturen, ein Gefühl des "Sowohl-als-auch", dies jedoch werde von der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht akzeptiert. Man erwarte stattdessen eine Entscheidung, ein "Entweder-Oder" - entweder türkisch oder deutsch.

"Die Hinwendung zur türkischen Identität hat klar mit der Nicht-Akzeptanz der Doppelidentität zu tun", so Sauer. "Die deutsche Mehrheitsgesellschaft, aber auch die deutsche Politik tut sich sehr schwer mit Menschen, die sich nicht auf eine Kultur festlegen wollen - ganz anders als in klassischen Einwanderungsländern wie den USA, Großbritannien oder auch Frankreich. Da geht man mit dieser Pluralität sehr viel gelassener um."

Özil überreicht Erdogan ein Trikot | Bildquelle: TURKISH PRESIDENTAL PRESS OFFICE
galerie

Özils Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan hatte für heftige Kritik gesorgt.

Özil als typischer Vertreter der Nachfolge-Generation

Gerade die Angehörigen der zweiten und dritten Generation seien hin- und hergerissen und hätten ein zwiespältiges Verhältnis zu Deutschland, sagt Sauer. Man fühle sich Deutschland nah, aber man fühle sich auch "anders". 47 Prozent der Befragten hätten das angegeben. "Die Debatte um Mesut Özil zeigt, dass bikulturelle Verbundenheit nicht akzeptiert ist. Özil verkörpert dieses Sich-anders-Fühlen. Er ist ein sehr typischer Vertreter der Nachfolge-Generationen."

Als besonders beunruhigend wertet das Institut, dass mehr als die Hälfte der Türkeistämmigen in Deutschland die Vertretung ihrer Interessen mittlerweile vor allem der türkischen Regierung zutraut - und nicht etwa der Bundesregierung. Die sehen nur 37 Prozent als Anwalt ihrer Interessen. Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gelinge es offenbar, auch in den Nachfolge-Generationen türkischer Einwanderer in Deutschland einen neuen türkischen Nationalstolz zu etablieren, der dem Gefühl, "Bürger zweiter Klasse" zu sein, entgegengesetzt werde.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2018 um 16:00 Uhr.

Korrespondentin

Ina Ruck Logo WDR

Ina Ruck, WDR

@InaRuck bei Twitter
Darstellung: