Eine Gruppe Jugendlicher zeigt sich gegenseitig etwas auf dem Smartphone. | picture alliance / Loop Images

Studie zum Nachrichtenkonsum Jugendlichen fehlt der Alltagsbezug

Stand: 28.04.2021 19:04 Uhr

Was hat das mit mir zu tun? Vielen Jugendlichen fehlt in den Nachrichten der Bezug zu ihrem Alltag. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Nur die Hälfte informiert sich über aktuelle Ereignisse - und das vor allem im Internet.

Viele Jugendliche in Deutschland sagen in einer neuen Studie, das Nachrichtenangebot gehe an ihrer eigenen Lebenswelt vorbei. "Die Hälfte der Jugendlichen hält es nicht für wichtig, sich über Neuigkeiten und aktuelle Ereignisse zu informieren. Bei journalistischen Nachrichten fehlt ihnen oft der Bezug zu ihrem persönlichen Alltag", lautet ein Kernergebnis der "UseTheNews"-Studie zur Nachrichtenkompetenz Jugendlicher und junger Erwachsener in der digitalen Medienwelt.

Der Studie zufolge besteht für junge Leute der wichtigste Grund, sich auf dem Laufenden zu halten, darin, sich an Gesprächen und Diskussionen im Freundes- und Familienkreis beteiligen zu können. "Auffällig ist zudem, dass die Jugendlichen, die das Gefühl haben, politisch etwas bewirken zu können, deutlich mehr Interesse an Informationen über das aktuelle Geschehen äußern."

Starke Bildungseffekte

Als Informationskanal nutzen Jugendliche vor allem das Internet. Bei Jugendlichen mit geringer Bildung haben nur 20 Prozent Interesse an journalistischen Nachrichten, bei jungen Erwachsenen mit höherer Bildung sind es 48 Prozent. Der Medienforscher und Studienleiter Uwe Hasebrink vom Leibniz-Institut betont, dass es innerhalb derselben Altersgruppe sehr unterschiedliche Typen bei der Nachrichtenorientierung gebe. Der Anteil derjenigen, die als journalistisch-informationsorientiert zu bezeichnen sind, steige mit dem Alter aber auch innerhalb der Altersgruppen mit der Bildung an. "Es gibt starke Bildungseffekte in diesem Zusammenhang."

Je nach Interesse ist das politische Wissen laut Studie sehr unterschiedlich. 86 Prozent der gut Informierten kennen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, bei den Nicht-Interessierten sind es nur 44 Prozent. Dass Gesetze vom Bundestag und nicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel beschlossen werden, wissen 63 Prozent der Informierten und 40 Prozent der Nicht-Informierten.

Begrenztes Wissen über Journalismus

Studienautor Sascha Hölig erklärt: "Insgesamt stellen wir fest, dass vielen Jugendlichen bei journalistischen Nachrichten der Bezug zu ihrem eigenen Alltag fehlt. Auch das Wissen über Funktionen und Arbeitsweisen des Journalismus ist begrenzt, und dass dieser sich dadurch von anderen Informationslieferanten unterscheidet."

Hölig schlussfolgert: "An beiden Stellen sollten sowohl Bildungsinitiativen als auch Nachrichtenanbieter ansetzen. In der Medienbildung sollten Aufgaben und Funktionen des Journalismus in einer Demokratie verständlicher gemacht werden, und was die von ihm erbrachten Leistungen mit dem eigenen Leben zu tun haben." Für den Journalismus werde es wichtig sein, sich von anderen Akteuren abzugrenzen und einen tatsächlichen Mehrwert zu liefern. "Dazu gehören solides Handwerk und die Lieferung von relevanten und zuverlässigen Informationen."

Soziale Medien entscheidend

Juliane Leopold, Chefredakteurin Digitales bei der tagesschau, ist wenig überrascht von den Ergebnissen der Studie und sagt: "Da gibt es einiges zu tun." Die öffentlich-rechtlichen Informationsangebote müssten künftig noch stärker in den sozialen Medien präsent sein, denn dort kämen junge Menschen mit Nachrichten in Kontakt.

Die ARD sei dahingehend schon gut aufgestellt, so Leopold im tagesschau24-Interview. Doch: "Es fehlt uns nicht an guten Ideen, sondern manchmal eher an der Kraft, diese Ideen zu bündeln."

#UseTheNews

Die Studie mit repräsentativer Befragung ist Teil des Projekts #UseTheNews. Das bundesweite Projekt ist von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien initiiert und koordiniert, zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften sowie ARD, ZDF und RTL waren ebenfalls beteiligt. Das Leibniz-Institut für Medienforschung erstellte die Studie.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. April 2021 um 16:00 Uhr.