Ein Schüler bemalt am letzten Schultag vor den Sommerferien die Tafel im Klassenzimmer. | Bildquelle: dpa

Streit um Ferientermine Bayerns Biorhythmus macht den Norden sauer

Stand: 28.11.2019 11:33 Uhr

Drohungen, Verbalattacken und eine Ermahnung: Der Streit der Bundesländer um die Termine für die Sommerferien wird schärfer. Berlin keilt gegen Bayern, doch die bleiben bei ihrem Nein - und verweisen auf ihren Biorhythmus.

Der Streit der Bundesländer um die Termine für die Sommerferien nimmt an Schärfe zu. Nach Drohungen aus Hamburg und dem Nein aus Bayern und Baden-Württemberg holte Berlin jetzt zum Rundumschlag gegen die zwei Südländer aus. Der Föderalismus sei gefährdet, sagte Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller, im Deutschlandfunk. "Es kann nicht sein, dass einige glauben, Föderalismus ist dazu da, dass sie einfach ihre Eigeninteressen durchsetzen können, sondern es ist ein Geben und Nehmen", sagte der SPD-Politiker. Er sei sauer, so wie alle anderen vermutlich auch.

"Wir haben das Ganze schon beim Digitalpakt erlebt, bei den Bund-Länder-Finanzbeziehungen haben wir's erlebt, bei der Grundsteuerdebatte und jetzt wieder", machte Müller seinem Ärger Luft.

Auch Hamburg legte nochmal nach: Deutschland sei kein "Mischstaat" mit 16 Einzelstaaten, erinnerte Bildungssenator Ties Rabe bei n-tv. "Wir müssen uns einigen, wir sind in einem Land. Das muss man vielleicht einigen Ministerpräsidenten ab und zu einmal sagen", sagte der SPD-Politiker in Richtung Süden.

Bundesländer streiten über neue Regelung der Sommerferien
tagesschau 20:00 Uhr, 27.11.2019, Johannes Jolmes, NDR

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Südländer haben Sonderregel

Worum geht's bei dem Streit? Angefangen hatte es mit einem Vorstoß von Hamburg und Berlin, die Ferientermine neu zu regeln. Bisher haben lediglich Bayern und Baden-Württemberg jedes Jahr weitgehend im gleichen Zeitraum Sommerferien. Bei den übrigen Ländern wechseln die Termine permanent, um Staus auf den Autobahnen in Grenzen zu halten und den Hotels eine gleichmäßige Auslastung zu verschaffen. Dieses sogenannte rollierende System teilt die Länder in Gruppen ein, die nacheinander in die Sommerferien starten und sich mit frühem und späterem Ferienbeginn abwechseln. Nur Bayern und Baden-Württemberg beteiligen sich bisher nicht an diesem Wechsel, für sie ist der letzte Sommerferientermin reserviert.

Das ist ungerecht, findet man in Hamburg und Berlin. Bis 2024 stehen die Ferientermine zwar nach dieser Aufteilung fest. Doch seit Oktober verhandeln die Bundesländer über die Jahre 2025 bis 2030. Neben Hamburg hatten auch Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen angekündigt, sich für eine Neuordnung einsetzen zu wollen.

Hamburg droht Bayern

Bayern und Baden-Württemberg halten von der Idee erwartungsgemäß wenig. "Die Ferienzeiten bleiben", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Hamburg drohte daraufhin mit einem Ende der Absprachen zwischen den Bundesländern. "Dieser Schuss aus Bayern wird nach hinten losgehen: Jetzt wird jedes Land genau wie Bayern die Sommerferien im Alleingang festlegen", sagte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) der "Süddeutschen Zeitung" und fügte hinzu: "Viel Spaß auf den langen bayerischen Autobahnen."

Die Drohung hatte jedoch keinen erkennbaren Effekt in Bayern. Söder verteidigte die Sonderregelung in einer Sendung der "Bild"-Zeitung: "Wir haben unseren Biorhythmus mit den Ferien - den wollen wir gern behalten." Und er fügte hinzu: "Wir haben das schon immer so gemacht - das hat sich gut bewährt."

Hessen, Darmstadt: Kilometerlang staut sich der Verkehr auf der Autobahn A5 in südlicher Richtung in Höhe des Rasthofs Gräfenhausen in der Nähe des Darmstädter Kreuzes. | Bildquelle: dpa
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Oft beginnen die Sommerferien im Stau. Entzerrte Termine sollen helfen.

Lehrergewerkschaft mahnt Bayern

Eine Lösung im Ferienstreit zeichnet sich nicht ab. Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) versuchte es mit einem Ordnungsruf: "Das ist wie im Klassenraum: Es kann nicht jeder machen, was er will", mahnte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ob Bayern darauf hört?

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. November 2019 um 20:00 Uhr.

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