Eine Mitarbeiterin eines Impfteams zieht eine Spritze mit dem Coronavirus-Vakzin auf. | dpa

Corona-Impfungen STIKO-Empfehlung nur für vorerkrankte Kinder

Stand: 10.06.2021 18:27 Uhr

Die Impfkommission spricht keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren aus. Sie empfiehlt aber Corona-Impfungen unter anderem für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat eine Empfehlung für Corona-Impfungen von vorerkrankten Kindern ab zwölf Jahren abgegeben. Diese Gruppe könne "aufgrund eines anzunehmenden erhöhten Risikos für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung" mit dem Impfstoff von BioNTech und Pfizer immunisiert werden, heißt es in dem aktuellen Corona-Bulletin des Robert Koch-Instituts. 

Die Impfung für Kinder ohne Vorerkrankungen werde derzeit nicht allgemein empfohlen. Sie sei aber "nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz" möglich.

Mehrere Vorerkrankungen genannt

In der aktualisierten Empfehlung rät die Kommission unter anderem 12- bis 17-Jährigen mit Adipositas, Immunsuppression, Herzfehlern, chronischen Lungenerkrankungen, Diabetes sowie Kindern und Jugendlichen mit Trisomie 21 zu einer Immunisierung gegen Covid-19.

Zudem empfiehlt die STIKO auch eine Impfung von Kindern und Jugendlichen, in deren Umfeld sich Angehörige oder Kontaktpersonen befinden, die eine hohe Gefährdung für einen schweren Covid-19-Verlauf haben, aber selbst nicht geimpft werden können. Wie bei Erwachsenen sollen auch Kindern und Jugendlichen zwei Dosen des Corona-Impfstoffs im Abstand von drei bis sechs Wochen verabreicht werden.

Geringes Risiko schwerer Erkrankungen in der Altersgruppe

Zur Entscheidung der STIKO sagte deren Vorsitzender Thomas Mertens bei tagesschau24, man habe Nutzen und mögliches Risiko gegeneinander abgewogen. Die Studienlage sage ganz eindeutig, dass die Impfung wirksam sei - "auch bei den Kindern, das ist gar keine Frage".

Das Problem sei aber, dass in der Studie letztlich nur 1130 Kinder geimpft und über zwei Monate beobachtet worden seien. Das lasse keinen sicheren Schluss zu selteneren Nebenwirkungen zu, so Mertens. Wenn die Datenlage sich so verändere, dass man dieses Risiko ausreichend sicher ausschließen könne, werde die STIKO die Daten neu prüfen und die Empfehlung unter Umständen anpassen.

Mertens verwies aber auch darauf, dass schwere Krankheitsverläufe in der fraglichen Altersgruppe sehr selten seien. Zwar komme das immer wieder vor. "Insgesamt ist es aber so, dass tatsächlich die Krankheitslast bei den Kindern sehr gering ist." Das sehe man auch daran, dass es im Verlauf der gesamten Pandemie in Deutschland nur zwei Todesfälle in der Altersgruppe gegeben habe. Dabei habe es sich um Kinder mit schweren Vorerkrankungen gehandelt.

Haus- und Kinderärzte begrüßen Entscheidung

Der Deutsche Hausärzteverband und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) begrüßten die Entscheidung der STIKO. "Mit dieser Empfehlung können wir arbeiten - sie definiert eine eindeutige Gruppe und lässt dennoch Freiraum für individuelle Impfentscheidungen", hieß es in einer Mitteilung. "Gleichzeitig setzt die STIKO damit ein Signal, dass die Entscheidung für eine Impfung immer noch bei Wissenschaft und Medizin, Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten liegt - und nicht bei der Politik."

Die Empfehlung sei "eine gute Basis für einen verantwortungsbewussten Umgang von uns Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten mit der freiwilligen Impfung nun auch in dieser Altersgruppe", sagte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach. Angesichts des Impfstoffmangels und der dünnen Datenlage sei "unbegreiflich, warum die Politik das Thema so früh in die öffentliche Diskussion gebracht hat".

EMA-Zulassung Ende Mai

Nach einer Empfehlung der Arzneimittelbehörde EMA hatte die EU-Kommission Ende Mai offiziell die Zulassung für die Impfung von Kindern ab zwölf Jahren mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer erteilt. Die STIKO hatte bereits mehrfach angedeutet, dass sie aus Mangel an Daten zunächst keine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder ab zwölf abgeben will.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, Kinder und Jugendliche auch ohne allgemeine STIKO-Empfehlung in die Impfkampagne einbinden zu wollen. Es sei dann eine individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärzten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juni 2021 um 17:00 Uhr.