Spritze steckt in einer Impfdosis von Pfizer/Biontech | picture alliance/dpa

Zweitimpfung STIKO empfiehlt mRNA-Vakzin nach AstraZeneca

Stand: 01.07.2021 16:49 Uhr

Nach einer Erstimpfung mit AstraZeneca empfiehlt die Impfkommission nun unabhängig vom Alter als zweite Dosis BioNTech oder Moderna. Mit Blick auf die Delta-Variante mahnte sie, die Zweitimpfung "zeitgerecht" wahrzunehmen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Impfempfehlung für eine Zweitimpfung nach einer ersten AstraZeneca-Dosis angepasst. So sollen Impfwillige künftig unabhängig von ihrem Alter mit der zweiten Spritze einen mRNA-Impfstoff wie BioNTech oder Moderna erhalten, teilte das Gremium mit. Der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis solle dann mindestens vier Wochen betragen.

Die Empfehlung gelte "vorbehaltlich der Rückmeldungen aus dem noch zu eröffnenden Stellungnahmeverfahren", hieß es. Die Expertinnen und Experten begründen diesen Rat damit, dass die Immunantwort nach dem Verabreichen von zwei verschiedenen Präparaten - erst Vektor-, dann mRNA-Impfstoff - der Immunantwort nach zwei Dosen AstraZeneca "deutlich überlegen" sei.

Fachleute sprechen von einem heterologen Impfschema. Dieses hatte die STIKO bisher nur jüngeren Menschen angeraten, die bereits eine Erstimpfung mit AstraZeneca bekommen hatten, bevor das Vakzin nur noch für Menschen ab 60 Jahren empfohlen wurde.

STIKO: Nach Zweitimpfung auch gegen Delta gut geschützt

Die STIKO betonte, es sei angesichts der Ausbreitung der deutlich ansteckenderen Delta-Variante wichtig, die zweite Impfstoffdosis "zeitgerecht" wahrzunehmen. Nach nur einer Impfstoffdosis scheine der Schutz gegen Delta "deutlich herabgesetzt" zu sein. Nach vollständiger Impfung sei der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen durch Delta im Vergleich zum Schutz vor anderen Corona-Varianten ähnlich gut, hieß es unter Berufung auf Daten aus dem Vereinten Königreich.

Als Empfehlung für die Abstände zwischen den zwei erforderlichen Impfstoffdosen gibt die Kommission nun aus: drei bis sechs Wochen bei BioNTech/Pfizer, vier bis sechs Wochen bei Moderna, neun bis zwölf Wochen bei AstraZeneca (falls noch jemand zweifach damit geimpft werden sollte) und "ab vier Wochen" bei der Kombination aus AstraZeneca und mRNA-Impfstoff.

Die STIKO geht mit ihrer Empfehlung weiter als die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA). Diese hatte erklärt, sie könne keine Empfehlung dafür abgeben, andere Vakzine für die zweite Impfung zu verwenden. Es sehe derzeit danach aus, dass alle vier erhältlichen Impfstoffe in der EU gegen die verschiedenen Varianten des Coronavirus einen Schutz böten.

Spahn plant mit mehr als 200 Millionen Impfstoff-Dosen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte bereits am Mittwoch erklärt, insgesamt 204 Millionen Corona-Impfstoffdosen für das kommende Jahr beschaffen zu wollen. Dies werde für zwei Impfdosen pro Einwohner reichen sowie für einen zusätzlichen Sicherheitspuffer, sagte der CDU-Politiker. Er stellte zudem ein baldiges Ende der Impfstoff-Knappheit in Aussicht: Dann könne den Impfzentren und Praxen so viel Impfstoff geliefert werden, wie diese benötigten. Deutschland wolle bei der Impfstoffbeschaffung auf "mehrere Pferde setzen", um die langfristige Versorgung zu sichern.

Im Zusammenhang mit der langfristigen Impfstoffbeschaffung sprach Spahn von einer "Zwei-plus-zwei-Strategie". Zu der Planung für das Jahr 2022 gehörten die beiden mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna sowie die noch nicht zugelassenen proteinbasierten Vakzine von Sanofi und Novavax. Hinzu komme ein kleineres Kontingent des Vektor-Impfstoffs von Johnson & Johnson. Die Europäische Union hatte im Mai erklärt, ihren Vertrag mit AstraZeneca vorerst nicht verlängern zu wollen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juli 2021 um 17:00 Uhr.

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