Bundespräsident Steinmeier | EPA

Deutscher Überfall auf UdSSR 1941 Steinmeier erinnert an die Opfer

Stand: 18.06.2021 12:53 Uhr

Bundespräsident Steinmeier fordert zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls mehr Aufmerksamkeit für das Leid der Bürgerinnen und Bürger der damaligen Sowjetunion. 27 Millionen Menschen starben dort.

Zum 80. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an das besonders schwere Leid der dort lebenden Menschen erinnert. Bei der Eröffnung der Ausstellung "Dimensionen eines Verbrechens. Sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg" sagte er in Berlin: "Niemand hatte in diesem Krieg mehr Opfer zu beklagen als die Völker der damaligen Sowjetunion".

Für dieses Leid forderte Steinmeier eine stärkere Anerkennung. Die Millionen Opfer seien nicht so tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt, wie ihr Leid und die Verantwortung es forderten.

27 Millionen tote Sowjetbürger

Am 22. Juni 1941 hatten deutsche Soldaten die Sowjetunion angegriffen. 27 Millionen Menschen wurden Opfer des Krieges im heutigen Russland, der Ukraine, Belarus und den baltischen Staaten. 14 Millionen von ihnen waren Zivilisten. Drei Millionen deutsche Soldaten starben.

Steinmeier sagte: "Vom ersten Tage an war der deutsche Feldzug getrieben von Hass, von Antisemitismus und Antibolschewismus, von Rassenwahn gegen die slawischen und asiatischen Völker der Sowjetunion." Steinmeier verwies auf die Erschießungskommandos, die jüdische Frauen, Männer und Kinder töteten.

"Die diesen Krieg führten, töteten auf jede erdenkliche Weise, mit einer nie dagewesenen Brutalität und Grausamkeit." Auch viele der im Reich festgehaltenen Kriegsgefangenen seien "ihres Menschseins beraubt" und systematisch durch Hunger oder Arbeit ermordet worden.

"Der Krieg trug die Uniform der Wehrmacht"

"Der verbrecherische Angriffskrieg trug die Uniform der Wehrmacht." Viel zu lange hätten sich die Deutschen diese Tatsache nicht eingestehen wollen. Der Bundespräsident zeigte sich überzeugt, dass die Verbrechen bis heute auf vielen Familien und den betroffenen Gesellschaften lasten. "Es lastet auf uns, dass es unsere Väter, Großväter, Urgroßväter sind, die diesen Krieg geführt, die an diesen Verbrechen beteiligt waren", sagte er. Zu viele Täter seien nicht zur Rechenschaft gezogen worden.

Es grenze an ein Wunder, wenn Deutsche heute von den Menschen in Belarus, in der Ukraine oder Russland wieder gastfreundlich empfangen würden. Aus dem Geschenk der Versöhnung erwachse für Deutschland große Verantwortung. "Wir wollen und wir müssen alles tun, um Völkerrecht und territoriale Integrität auf diesem Kontinent zu schützen, und für den Frieden mit und zwischen den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zu arbeiten", sagte Steinmeier.

Steinmeiers Sorge

Er mache sich große Sorgen, dass die Erinnerung an die leidvolle Geschichte aktuell instrumentalisiert werde. Geschichtsschreibung dürfe nicht zum Instrument neuer Konflikte, zum Gegenstand neuer Ressentiments werden. Die Erinnerung solle die Völker einander näherbringen. "Sie darf uns nicht von Neuem entzweien."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Juni 2021 um 11:00 Uhr.