Frank-Walter Steinmeier | dpa

Steinmeiers Osteransprache "Raufen wir uns alle zusammen"

Stand: 03.04.2021 00:00 Uhr

Bundespräsident Steinmeier hat die Bürger zu einem gemeinsamen Kraftakt aufgerufen, um die Pandemie zu bewältigen. Er räumte aber auch Fehler ein und sprach von einer "Krise des Vertrauens". Es brauche verständliche Regeln.

In einer Osteransprache hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verständliche und pragmatische Regelungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie gefordert. Zugleich rief er die Bürgerinnen und Bürger zu einem gemeinsamen Kraftakt auf, um die dritte Welle zu brechen.

"Raufen wir uns alle zusammen, liebe Landsleute. Holen wir raus, was in uns steckt", sagte er in der am Freitag aufgezeichneten Rede, die heute Abend ausgestrahlt werden soll. "Empören wir uns nicht nur über die anderen oder über die da oben. Zeigen wir doch nicht ständig, was nicht geht, sondern dass es geht, wenn alle ihren Teil tun."

"Krise des Vertrauens"

Zugleich zeigte der Bundespräsident Verständnis für Enttäuschung und Frust. "Vor einem Jahr hatten wir uns aufs nächste Ostern gefreut, auf einen Frühling ohne Pandemie", sagte er. "Aber unsere Hoffnung hat sich nicht erfüllt." Nach 13 Monaten würden Durchhalteparolen nicht weiterhelfen. "All die Appelle zu Geduld und Vernunft und Disziplin werden stumpf in diesen zermürbenden Zeiten."

Steinmeier räumte eine "Krise des Vertrauens" ein. "Ich weiß: Sie, die Bürgerinnen und Bürger, tun in dieser historischen Krise Ihren Teil. Sie leisten viel, und Sie verzichten auf viel." Bei manchen gehe es längst nicht mehr um verlorenes Einkommen, sondern um die blanke Existenz. "Umso mehr verstehe ich die Ungeduld, den Frust über die Rückschläge der vergangenen Monate." Es sei viel getan worden und auch viel gelungen. "Trotzdem: Es gab Fehler - beim Testen, beim Impfen, bei digitalen Lösungen."

Die Pandemie halte Deutschland den Spiegel vor - etwa einen "Hang zum Alles-regeln-Wollen, unsere Angst vorm Risiko, das Hin-und-Herschieben von Verantwortung". Es werde aufzuarbeiten sein, wie dies geändert und wie die Institutionen krisentauglicher gemacht werden könnten. Mitten in der dritten Pandemiewelle brauche es nun "alle Kraft von allen Seiten, um sie zu brechen".

"Wir brauchen verständliche und pragmatische Regeln"

Eindringlich warnte der Bundespräsident vor politischem Streit als Selbstzweck. Bund und Länder, Parteien oder Koalitionen und Umfragen dürften nun nicht die Hauptrolle spielen. "Wir brauchen Klarheit und Entschiedenheit, wir brauchen verständliche und pragmatische Regelungen, damit die Menschen Orientierung haben, damit dieses Land wieder das aus sich herausholen kann, was in ihm steckt", forderte er.

Mit Blick auf die kommenden Wochen stimmte er die Bürgerinnen und Bürger auf "herbe Einschränkungen" ein. Er sagte aber auch: "So wie die Pandemie Ihnen viel abverlangt, so dürfen Sie auch viel von der Politik verlangen. Ihre Erwartung an die Regierenden ist klar: Rauft euch zusammen!"

Appell zum Impfen

Steinmeier betonte, er vertraue allen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen. Er selbst hatte sich am Donnerstag mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen lassen. "Das Impfen ist der wichtigste Schritt auf unserem Weg aus der Pandemie - also nutzen Sie die Möglichkeiten! Machen Sie mit", appellierte er.

Der Weg aus der Pandemie sei länger als erhofft. Viele Nachbarstaaten treffe es noch deutlich härter, andere seien weiter als Deutschland. Am Ziel sei keiner. "Bilanz sollten wir erst am Ende ziehen."

"Keine Pandemieweltmeister, keine Totalversager"

Der Bundespräsident versuchte auch, den Menschen zu Ostern Hoffnung zu machen. Vor einigen Monaten nach der ersten Corona-Welle habe man sich schon "mit Genugtuung als Pandemieweltmeister" sehen wollen. "Heute überbieten wir uns geradezu in Schwarzmalerei." Er frage sich, warum es in Deutschland immer der Superlativ sein müsse - "himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt"?

Die Wahrheit sei: Man sei nicht Pandemieweltmeister, aber auch nicht Totalversager. "Wir zweifeln viel, aber wir können auch viel. Und aufs Können, nicht aufs Zweifeln, kommt es jetzt an. Wir leben zusammen in diesem Land, und wir wollen gemeinsam eine gute Zukunft. Also: Haben wir doch Vertrauen in uns, und geben wir acht aufeinander."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. April 2021 um 20:00 Uhr.