Frank-Walter Steinmeier | EPA

Steinmeier bei Gedenkveranstaltung "Nie wieder darf Antisemitismus einen Platz haben"

Stand: 18.10.2021 14:48 Uhr

Genau vor 80 Jahren startete der erste Deportationszug von Berlin nach Polen. Bundespräsident Steinmeier rief bei einer Gedenkveranstaltung dazu auf, Judenhass entgegenzutreten. Zugleich warnte er vor einem Erstarken des Antisemitismus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 80. Jahrestag des Beginns der Deportationen von Berliner Juden vor einem Erstarken des Antisemitismus in Deutschland gewarnt. Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger seien "immer wieder und immer stärker antisemitischen Hetzreden und antisemitischen Angriffen ausgesetzt“, sagte er bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin-Grunewald.

"Nie wieder darf Antisemitismus einen Platz in unserer Gesellschaft haben“, sagte Steinmeier. Nie wieder dürften antisemitisches Denken und Handeln ohne Widerspruch und öffentliche Reaktionen bleiben. Jüdinnen und Juden hätten einen selbstverständlichen Platz in unserer Gesellschaft. "Jüdische Kultur ist nicht nur Teil der deutschen Kultur, sie hat sie zutiefst geprägt und reich beschenkt."

Vor 80 Jahren: Start des ersten Deportationszugs

Steinmeier äußerte sich bei einer Veranstaltung am Mahnmal Gleis 17 in Berlin-Grunewald, wo an den Beginn der Deportation jüdischer Menschen in Ghettos und Vernichtungslager durch die Nazis vor 80 Jahren erinnert wurde.

Am 18. Oktober 1941 verließ der erste Berliner "Osttransport" mit mehr als 1000 jüdischen Kindern, Frauen und Männern den Bahnhof Grunewald in Richtung Lodz. Auch an anderen Orten im damaligen Deutschen Reich begann in jenem Monat die systematische Deportation und damit Ermordung der jüdischen Bevölkerung.

"Abgründiges, grauenhaftes Geschehen"

Das Staatsoberhaupt sprach von einem "abgründigen, grauenhaften Geschehen". "Noch immer tragen wir Deutschen an der Schuld, die Täter, Helfer, Unterstützer des planmäßigen Mordes an den europäischen Juden auf sich geladen haben", sagte Steinmeier. "Noch immer verspüren wir die Scham darüber, dass Mitbürgerinnen und Mitbürger aus der Mitte der Gesellschaft ausgesondert wurden: schikaniert, entrechtet, enteignet - und schließlich auf die Fahrt in den Tod geschickt." Erschütternde Tatsache sei, dass sich das Verbrechen vor aller Augen ereignet habe.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Oktober 2021 um 14:00 Uhr.