Frank-Walter Steinmeier (Archiv) | Jesco Denzel HANDOUT/EPA-EFE/Shu

Hetze gegen Juden in Deutschland Steinmeier beklagt "unerträglichen Antisemitismus"

Stand: 01.09.2021 16:35 Uhr

Bundespräsident Steinmeier beklagt die ungebrochene Verbreitung von Antisemitismus in Deutschland. Vor allem in der Corona-Pandemie hätten antisemitische Verschwörungsmythen neuen Aufwind bekommen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beklagt, dass in der Corona-Pandemie "schlimmste antisemitische Verschwörungsmythen" neuen Aufwind erfahren hätten. "Es schmerzt mich und macht mich zornig, dass antisemitischer Hass und judenfeindliche Hetze sich so offen zeigen - ausgerechnet in Deutschland", erklärte er in Berlin. Der Bundespräsident äußerte sich in einer Grußbotschaft zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana.

"Das ist unerträglich"

"Ich wünschte sehr, ich könnte Ihnen sagen, der Anschlag von Halle hätte zu einer Wende geführt", schrieb Steinmeier. Das sei aber nicht der Fall. "Jüdinnen und Juden in Deutschland werden weiterhin verhöhnt, herabgewürdigt, gewaltsam angegriffen", so der Bundespräsident. Dies sei "unerträglich", und es sei "die Pflicht von Staat und Gesellschaft, diesem Hass entgegenzutreten. Denn jeder Mensch, der in diesem Land zu Hause ist, hat alles Recht der Welt, sich hier sicher, geschützt und aufgehoben zu fühlen".

Bei dem Anschlag von Halle hatte ein Rechtsextremist im Oktober 2019 versucht, bewaffnet in die Synagoge der Stadt einzudringen. Als er damit scheiterte, erschoss er auf offener Straße eine zufällig vorbeilaufende Passantin und später einen jungen Mann in einem Imbiss. Der Täter ist inzwischen wegen zweifachen Mordes und vielfachen Mordversuchs verurteilt.

"Unendlich viel am Judentum zu entdecken"

Steinmeier äußerte sich zugleich dankbar für die vielen Veranstaltungen, die in diesem Jahr an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland erinnern. "Es gibt so unendlich viel zu entdecken und wiederzuentdecken: Juden haben die deutsche Geschichte mitgeschrieben und mitgeprägt, haben unsere Kultur zum Leuchten gebracht", betonte das Staatsoberhaupt.

Über dieses Thema berichtete die bayern2 am 18. August 2021 um 19:00 Uhr.