Ein Bergmann arbeiten auf der Zeche Prosper Haniel in 1250 Meter Tiefe an einem Flöz unter Tage vor Kohle. | Bildquelle: dpa

Abschied von der Steinkohle Das Gold von gestern

Stand: 21.12.2018 09:48 Uhr

Wohlstand, Wärme und Wohlbehagen dank Koks und Kohle - nach dem Krieg ist das Ruhrgebiet der Energielieferant der Nation. Der Bergbau ist ein gefragter Arbeitgeber. Doch dann kommt die Krise. Ein Rückblick.

Von Jörg Marksteiner, WDR

Nach dem Krieg ist Kohle knapp. Der Bedarf ist riesig, in den Fabriken sowie bei der Bevölkerung. Den Ruhr-Zechen wurde damals jede Tonne Kohle aus den Händen gerissen. "Alle Leute wissen, dass man die Kohle unbedingt braucht. Alle wissen, Europa muss wieder aufgebaut werden - und das geht nur mit Kohle", sagt der Wirtschaftshistoriker Franz-Josef Brüggemeier rückblickend. Das Ruhrgebiet wird das größte Kohlerevier Europas, der Energielieferant der Nation. Die Stahlindustrie, die Chemieindustrie, die Eisenbahn, fast jede Fabrik braucht die Steinkohle für ihre Energie.

Steinkohleabbau unter Tage
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Steinkohleabbau unter Tage

Der Bergbau ist zu dieser Zeit ein gefragter Arbeitgeber, trotz der harten und oft lebensgefährlichen Tätigkeit unter Tage. Die große Zeit der deutschen Steinkohle hat Werner Korean noch miterlebt. "Ich war 1946 der erste Knappe nach dem Krieg der seine Prüfung gemacht hat - mit 16 Jahren. "

600.000 Menschen in 170 Zechen

Die Zechen zahlen Spitzenlöhne. 1957 arbeiten an der Ruhr an der Saar und im Aachener Revier insgesamt mehr als 600.000 Menschen auf über 170 Zechen. Kohle und Koks lieferten Wärme und Wohlbehagen.

Doch die Branche überschätzt die Nachfrage. Heizöl wird für die Kunden immer billiger. Gleichzeitig steigt die Bundesbahn um von Dampfloks auf Diesel und Elektroantrieb. Schon Ende der 1950er-Jahre arbeitet fast jede zweite Zeche an der Ruhr nicht mehr kostendeckend. Wer kann, kündigt. Denn wer jung ist, findet im Wirtschaftswunderland leicht einen neuen Job.

Die Geschichte des Steinkohlebergbaus in Deutschland
tagesthemen 22:15 Uhr, 19.12.2018, Bernd Wode, ARD-aktuell

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Gründung der Ruhrkohle AG

Doch die Krise bleibt. Um die aufgebrachten Bergarbeiter schließlich zu befrieden, vereinbaren Politik, Gewerkschaft und Zechenbetreiber 1968 die Gründung der Ruhrkohle AG - eine Einheitsgesellschaft, die faktisch ein Rationalisierungkartell ist. Der deutsche Bergbau soll sich gesundschrumpfen. Doch die Probleme bleiben.

An der Ruhr liegt die Kohle über 1000 Meter tief. Das macht die Förderung extrem teuer. Importkohle kostet nur etwa die Hälfte. Nur dank milliardenschwerer Subventionen des Staates kann der heimische Bergbau überleben. Milliarden fließen in den Bergbau. Vor einer radikalen Subventionskürzung schreckt die Politik lange zurück. 1997 kämpfen Tausende Bergarbeiter um ihren Job. Das Ende des deutschen Bergbaus kommt trotzdem - aber langsam und sozialverträglich. 2007 beschließen Politik, Ruhrkohle und Gewerkschaften die Subventionen auslaufen zu lassen.

Es ist eine Errungenschaft der Gewerkschaft. Den damals noch 33.000 Bergleuten wird zugesagt dass es keine Kündigungen gibt. Schließt eine Zeche, wechseln die Kumpel auf eine andere Anlage - so lange, bis sie mit 49 Jahren in Vorruhestand gehen können. Insgesamt, so rechnet man damals aus, sind dafür genau elf Jahre und weitere 15 Milliarden Euro nötig. Und so kommt man auf das Jahr 2018.

Abschied von der Kohle
Jörg Marksteiner, WDR
21.12.2018 08:36 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 19. Dezember 2018 und 20. Dezember 2018 um 22:15 Uhr. Zudem berichtete über dieses Thema am 21. Dezember 2018 Deutschlandfunk Kultur um 05:09 Uhr und die tagesschau um 14:00 Uhr.

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Jörg Marksteiner, WDR

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