Ampullen des russischen Impfstoffs Sputnik V | REUTERS

Russischer Corona-Impfstoff STIKO-Chef hofft auf Sputnik V

Stand: 03.02.2021 18:20 Uhr

Kommt der russische Corona-Impfstoff Sputnik V bald auch in Deutschland zum Einsatz? Der Chef der Ständigen Impfkommission, Mertens, würde das begrüßen. Voraussetzung sei aber eine ordnungsgemäße EU-Zulassung.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, Thomas Mertens, rechnet mit einem ordnungsgemäßen EU-Zulassungsverfahren für den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V. Mertens sagte dem SWR, bislang habe es nur wenige Publikationen in Fachzeitschriften gegeben. Er gehe aber davon aus, dass die russische Seite der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA die notwendigen Originaldaten vorgelegt habe.

Russland hatte nach eigenen Angaben vor zwei Wochen einen Zulassungsantrag für Sputnik V bei der EMA gestellt. Mertens begrüßte diesen Schritt: "Ich wäre sehr glücklich, wenn wir über diesen Impfstoff die Möglichkeit hätten, unser Impfstoff-Portfolio zu erweitern."

Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) | dpa

STIKO-Chef Thomas Mertens warnt vor einer Zulassung ohne Prüfung. Bild: dpa

"Großversuch an der Bevölkerung"

Obwohl Sputnik V bereits seit gut einem halben Jahr in Russland eingesetzt wird, sieht Mertens keinen Grund, warum sich die EU früher um das Vakzin hätte bemühen sollen. Die Freigabe in Russland sei nach Kriterien erfolgt, wie sie in der EU nicht üblich seien: "Das hatte den Charakter eines Großversuchs an der Bevölkerung", sagte er.

Mertens erinnerte daran, dass es in der deutschen Bevölkerung große Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der unter Zeitdruck entwickelten Impfstoffe gebe. "Wenn man halbwegs bei der gleichen Logik bleibt, kann man schlechterdings nicht fordern, dass man einen anderen Impfstoff ohne Prüfung zulassen, einkaufen und verimpfen könnte."

Wirksamkeit von 91,6 Prozent laut Studie

Nach Kritik an fehlenden belastbaren Studien hatten russische Forscher am Dienstag weitere Details zu Sputnik V veröffentlicht. Nach den neuen Daten hat das Vakzin eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent. Die Ergebnisse wurden im renommierten medizinischen Fachblatt "The Lancet" publiziert.

Der Kreml sprach nun von einer "sehr wichtigen Veröffentlichung, die die Zuverlässigkeit und Wirksamkeit des russischen Impfstoffes gezeigt" habe. Jeden Tag steige die Zahl der Länder, die Sputnik V registrieren wollten, sagte Sprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. "In naher Zukunft ist geplant, die Produktion des Impfstoffs auch im Ausland aufzubauen."

International war Russland vor einem halben Jahr zum Start der Impfungen mit Sputnik V scharf kritisiert worden. Denn damals hatte die übliche dritte Phase der Impfstoffentwicklung noch nicht begonnen und Informationen zum Impfstoff waren noch nicht veröffentlicht worden. Trotzdem erlaubte der Kreml die breite Anwendung des Vakzins in der russischen Bevölkerung.

Spahn erwägt Produktion in Deutschland

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte nun auf einer von mehreren Zeitungen organisierten Online-Konferenz, es gebe bereits Überlegungen zur Produktion von Sputnik V in Europa. Bei Gesprächen mit der russischen Seite habe es eine entsprechende Bitte gegeben. "Wir können ja auch Unterstützung geben für die Produktion eines Impfstoffes, der in Europa noch gar nicht oder gar nicht zugelassen ist", so der CDU-Politiker. Da sei man vermittelnd tätig.

Der Gesundheitsminister sagte, er freue sich über jeden Impfstoff, der Wirksamkeit zeige, sicher sei und einen Unterschied machen könne. "In welchem Umfang das bei Sputnik V der Fall ist, muss jetzt einfach auch die Zulassungsbehörde sich anschauen." Es gebe Kontakt, und das Verfahren zur Zulassung beginne formal bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich grundsätzlich offen für den Einsatz des russischen Impfstoffs in Deutschland gezeigt. Jeder Impfstoff sei in der EU willkommen, aber zugelassen werde er nur, wenn die EMA alle notwendigen Daten erhalte, sagte Merkel in der in der ARD-Sendung "Farbe bekennen" .

Mexiko erteilt Notfallzulassung

Unterdessen erteilten Mexikos Behörden dem Impfstoff Sputnik V eine Notfallzulassung. Das verkündete der Pandemie-Experte des Gesundheitsministeriums, Hugo López-Gatell, in seiner allabendlichen Corona-Pressekonferenz.

Mexiko hatte an Heiligabend als erstes Land Lateinamerikas seine Impfkampagne begonnen. Bislang wird ausschließlich das Mittel der Unternehmen BioNTech und Pfizer gespritzt, das Präparat des Pharmakonzerns AstraZeneca und der Universität Oxford wurde aber inzwischen auch zugelassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Februar 2021 um 16:36 Uhr.