Amazon Echo Dot | Bildquelle: AP

Daten der Sprachassistenten Lauschangriffe aus dem Lautsprecher

Stand: 13.06.2019 13:48 Uhr

Sollen Alexa und Siri dabei helfen, Verbrechen aufzuklären? Die Innenminister diskutieren heute darüber. Technisch wären die Geräte dazu in der Lage. Schon jetzt werden enorme Datenmengen gespeichert.

Von Jens Eberl 

Alexa, Google, Siri - "Kannst Du für mich...?" Die smarten Lautsprecher erfüllen viele Wünsche. Mit ihnen kann man sich das Wetter ansagen lassen, Musik abspielen, Licht oder Rollläden steuern - und das bequem mit der eigenen Sprache. Datenschützer sehen die Geräte von Amazon, Google, Apple und Co. aber sehr kritisch. Die Unternehmen speichern massenweise Daten ihrer Kunden.

Alexa lässt sich manipulieren

Der Direktor des Instituts für Internetsicherheit, Norbert Pohlmann, vergleicht die Sprachassistenten mit Suchmaschinen wie Google. "Auch hier muss dem Nutzer klar sein, dass alles, was er ins Suchfeld eintippt, gespeichert wird. Gleiches machen die Sprachassistenten."

Eine Hand hält einen Lautsprecher Amazon Echo | Bildquelle: dpa
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Smart Speaker wie Amazon Echo hören durchgehend zu.

Zwei Unternehmen teilen fast den gesamten Markt unter sich auf: Google und Amazon. Ein großer Kritikpunkt: Die smarten Lautsprecher hören durchgehend zu. Die Unternehmen beteuern aber, dass die gesprochenen Worte im Nirwana landen. Erst wenn Nutzer sie mit "Alexa", oder "Okay Google" aktivieren, würden Aufnahmen gespeichert und verarbeitet.

Die Befehle an die Sprachassistenten gehen an die Server der Unternehmen. Dort werden die Angaben analysiert und verarbeitet. Dass man sich darauf nicht unbedingt verlassen kann, hat Pohlmann bewiesen. Zusammen mit seinem Team schrieb er die Software von Alexa so um, dass alles aufgezeichnet wurde, rund um die Uhr. "Das Ergebnis sagt mir, dass eine Alexa-Box missbraucht werden kann, alles rauszuschicken, was in einem Raum passiert." Übersetzt heißt das: Alexa kann als Wanze fungieren.

Pohlmann fordert ein Eingreifen des Staates. Als Privatperson sei es unmöglich herauszufinden, welche Daten gespeichert werden. "Deshalb brauchen wir eine Institution, die das übernimmt, eine Art TÜV für das Internet", so Pohlmann. Hier sei ein Einfluss des Staates sinnvoller, als sich Gedanken über das Abgreifen von Daten zu machen.

Unternehmen speichern massenweise Daten

Experten sind sich sicher, dass Google und Amazon mit ihren Server-Kapazitäten in der Lage sind, die gigantischen Mengen an Audiomaterial zu speichern und auszuwerten. Das Interesse daran dürfte aber gering sein. Banale Gespräche, Schritte oder Geräusche eines schlafenden Menschen sind kaum von Nutzen für Firmen, die mit den Informationen Umsatz machen wollen. Die konkreten Fragen und Wünsche an die Sprachassistenten sind da schon besser verwertbar.

Doch neue Berichte verunsichern die Kunden. Amazon musste zugeben, dass Mitarbeiter Teile der Gespräche mit Alexa anhören. In verschiedenen Auswertungszentren rund um die Welt hören sich Mitarbeiter bis zu 1000 Audioaufzeichnungen jeder Stunde an und vergleichen das, was gesprochen wurde mit dem, was Alexa verstanden hat. Dabei hören sie teilweise auch private Dinge, die eigentlich nicht für fremde Ohren bestimmt sind.

Google-Assistant-Lautsprecher steht auf einem Tisch | Bildquelle: picture alliance / Britta Peders
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Google zufolge wird bei "Assistant" keine Information zur Identifizierung übermittelt.

Amazon sagt, dass die Daten dabei anonym bleiben und kein Bezug zu den Personen hergestellt werden könne, die mit Alexa gesprochen haben. Im Internet sind allerdings Screenshots aufgetaucht, bei denen den Mitarbeitern Daten wie Vorname und Seriennummer des Geräts vorlagen.

Andere Unternehmen verfolgen offenbar ähnliche Strategien. Google erklärte, bei der Software von "Assistant" könnten Mitarbeiter eventuell auf kurze Audiodateien zugreifen. Informationen zur Identifizierung würden nicht übermittelt und der Ton werde verzerrt. Auch Apple speichert Aufzeichnungen zwei Jahre lang. All das diene nur der Qualitätsverbesserung, so die Unternehmen.

Verbraucher sollen sich schon vor dem Kauf informieren

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt, sich schon vor dem Kauf auch über die Sicherheitseigenschaften zu informieren und dies in die Kaufentscheidung einfließen zu lassen. "Als Alternative zu Cloud-basierten Sprachassistenten bieten sich dezentrale Sprachassistenten beziehungsweise Lösungen an, die ein anderes Datenschutzkonzept verfolgen, indem die Sprachbefehle lokal verarbeitet werden", so das BSI. Diese hätten den Vorteil, dass der Sprachassistent auch ohne eine Internetverbindung ordnungsgemäß arbeite und Nutzerdaten nicht architekturbedingt an einen Server übertragen werden müssten.

Amazon legt nach eigenen Angaben viel Wert auf Sicherheit und Service - auch wenn Kinder die Boxen benutzten. Alexa bleibe immer höflich - und Witze, die Alexa erzähle, seien stets für Kinderohren geeignet - ganz sicher.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juni 2019 um 23:15 Uhr.

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