Spiegel-Verlagshaus in Hamburg | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Manipulierte Reportagen Betrugsfall beim "Spiegel"

Stand: 19.12.2018 15:02 Uhr

Mehr als 50 Artikel schrieb Claas Relotius für den "Spiegel". Wie das Magazin nun selbst offenlegte, waren mehrere der teils preisgekrönten Geschichten manipuliert: Orte, Zitate oder Personen wurden frei erfunden.

Seit 2014 hatte Claas Relotius für den "Spiegel" geschrieben - Reportagen aus aller Welt, Berichte über bewegende Schicksale. Doch der heute 33-Jährige hat in mehreren Artikeln Fakten verfälscht oder sie komplett hinzugedacht. Das Nachrichtenmagazin selbst legte den Betrug nun offen. Relotius habe seine Fälschungen zugegeben und arbeite nicht mehr für das Haus.

Claas Relotius | Bildquelle: picture alliance / Eventpress
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In mehreren seiner Artikel blieb der ehemalige "Spiegel"-Autor Claas Relotius nicht bei den Fakten.

Mehrfach mit Preisen ausgezeichnet

Insgesamt hat Relotius im "Spiegel" nach Angaben des Magazins 55 Texte als Autor oder Co-Autor veröffentlicht. Als freier Journalist schrieb er auch für andere Medien, darunter die "Financial Times Deutschland", das "SZ-Magazin" oder für die Onlineausgabe der "Zeit".

Für seine Arbeit wurde Relotius mehrfach mit Preisen ausgezeichnet: etwa 2014 als CNN-"Journalist of the year" und in diesem Jahr mit dem Peter Scholl-Latour-Preis und dem Deutschen Reporterpreis 2018.

Die jüngste Auszeichnung galt seiner Geschichte über einen syrischen Flüchtlingsjungen, der überzeugt ist, durch einen Streich den Krieg in dem Land mit ausgelöst zu haben. Doch wie der "Spiegel" nun sagt, war vieles in der Story erlogen:

"Zitate, Orte, Szenen, vermeintliche Menschen aus Fleisch und Blut. Fake."

Die Angst vorm Scheitern

Nicht alle Artikel wurden manipuliert. Doch bei wie vielen der veröffentlichten Geschichten alles auf Fakten beruht lässt sich schwer prüfen. Bei einigen räumte Relotius selbst ein, dass er dazugedichtet hat. Etwa beim Fall eines in Guantanamo inhaftierten Jemeniten, der nach Jahren in dem Gefängnis nicht mehr entlassen werden will. Oder über einen verhinderten Selbstmordattentäter des "Islamischen Staates".

Gegenüber dem "Spiegel" habe Relotius seine Fälschungen mit dem hohen Druck begründet. Je größer der Erfolg, desto größer sei auch die Angst vorm Scheitern gewesen.

Das Magazin will aus dem Fall Konsequenzen ziehen und eine unabhängige Kommission einrichten, die Hinweise auf mögliche Manipulationen prüfen soll, aber auch die Arbeitsabläufe und Routinen innerhalb der Redaktion auf Verbesserungen untersuchen soll.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 19. Dezember 2018 um 15:06 Uhr und 15:36 Uhr.

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