Die designierten Parteichefs der SPD, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, feiern ihren Sieg in der Stichwahl um den Vorsitz mit hochgestreckten Daumen. | Bildquelle: dpa

Esken und Walter-Borjans Auf linkem Angriffskurs

Stand: 30.11.2019 19:42 Uhr

Sie wollen viel Neues für die SPD: Neuer Kurs, neue Köpfe und kurz- oder langfristig raus aus der altbekannten GroKo. Die beiden designierten Parteichefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans im Kurzporträt.

Von Sabine Müller, ARD Hauptstadtstudio

"Als wir jung waren, hieß es noch: 'Streng' dich an, dann kannst du was machen aus deinem Leben.' Wir haben was gemacht aus unserem Leben, aber wir haben nicht vergessen, wo wir herkommen."

Bodenständig sein, authentisch, glaubwürdig - das ist das Pfund, mit dem Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, genannt "Nowabo", wuchern. Jung sind sie inzwischen nicht mehr wirklich - 58 und 67 Jahre alt.

Sie: Bundestagsabgeordnete und Digitalexpertin, er: Ex-Steuersünder-Jäger, der Robin Hood der Steuerzahler, der Anti-Scholz. "Wenn man den Markt laufen lässt und sagt: 'Das Beste, was die Politik machen kann, ist: Ich zieh' mich zurück' - dann weiß man hinterher von allem den Preis, aber von nichts den Wert", sagte Walter-Borjans einst.

Nicht nur die Frau neben dem Alphamännchen

Sie hat ihn gefragt, ob sie zusammen kandidieren wollen, das ist Saskia Esken wichtig. Dass sich da nicht ein Alphamännchen irgendeine Frau an die Seite geholt hat, nur um als Doppel antreten zu können. "Wir können nicht einfach so weitermachen", betont Esken. Die SPD braucht einen anderen Führungsstil, sagen beide:

"Wir müssen die Basis wieder mitnehmen, wir haben viel zu lange die Meinungen der Führung übergestülpt auf das Publikum, das verdutzt geguckt hat und sich anschließend darüber freuen sollte, das das alles sozialdemokratische Themen sind, die da beschlossen wurden."

Walter-Borgans/Esken sollen neue SPD-Parteiführung werden
tagesthemen 23:30 Uhr, 30.11.2019, Christian Feld, ARD Berlin

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Kurs soll linker werden

Und die Partei braucht einen neuen Kurs, sagt das Duo. Linker soll er sein, mit mehr Verteilungsgerechtigkeit und mehr Investitionen: "Wir sind einfach der Auffassung, dass die SPD sich in den letzten 20 Jahren mit ihrer Politik sehr stark dem neoliberalen Geist zugewendet hat."

Mit der aktuellen Politik der SPD in der Großen Koalition gehen Esken und Walter-Borjans hart ins Gericht: Da würden viel zu viele Kompromisse gemacht und am Ende kämen Sachen raus wie das - so wörtlich - "Klimapaketchen".

Duo will neu verhandeln, GroKo nicht

Deshalb sehen sie die Fortsetzung der GroKo auch skeptisch, fordern aber keinen Sofort-Ausstieg: "Ich will es an den Inhalten festmachen", sagt Esken. Sie will nachverhandeln mit der Union. Die hat allerdings schon abgewunken.

Im Bewerbungsprozess haben Esken und Walter-Borjans nie einen Zweifel daran gelassen, dass für die SPD nicht nur ein neuer Kurs her müsse, sondern auch neue Köpfe: "Wir wissen doch ganz genau, dass Menschen Glaubwürdigkeit und Inhalte von Politik darüber wahrnehmen, wer sie vertritt, was der vorher vertreten hat und wie er es wohl künftig machen wird."

Dass sie angriffslustig sind, haben beide bewiesen - vor allem gegenüber Olaf Scholz. Esken eher schmallippig und bissiger, "Nowabo" grundsätzlich mit Freundlicher-Nachbar-Miene.

Umstrittene Besetzung für Parteispitze

'Die sind neu und frisch und eine echte Chance für die SPD', sagen ihre Unterstützer. Ihre Gegner sagen: Die haben doch keine Ahnung, was es heißt, eine Partei zu führen, haben doch beide keinerlei Erfahrung mit bundespolitischen Ämtern. Was zu tun sei, falls sie an die SPD-Spitze gewählt werden, wurde Walter-Borjans vor Kurzem gefragt. Seine Antwort: "Das Wichtigste, was wir leisten müssen, ist Brücken bauen." Ob das funktioniert, wird man sehen.

Aus der Bundestagsfraktion gab es vor der Entscheidung unter der Hand jedenfalls sehr harsche Stimmen, nach dem Motto: Von Esken und "Nowabo" lassen wir uns gar nichts sagen. Wenn die beiden gewählt werden, dann gibt es Bürgerkrieg in der SPD.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. November 2019 um 19:05 Uhr.

Korrespondentin

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Sabine Müller, HR

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