Andrea Nahles beim Bundesparteitag | Bildquelle: AFP

Tag eins für Nahles Demonstrative Geschlossenheit

Stand: 23.04.2018 10:48 Uhr

Das Ergebnis für Nahles war eher mau - trotzdem oder gerade deshalb stärkt ihr die SPD-Spitze am Tag nach der Wahl demonstrativ den Rücken. Klar ist aber auch: Es liegt viel Arbeit vor der neuen Chefin.

Berauschend war das Wahlergebnis der neuen SPD-Chefin Andrea Nahles mit nur gut 66 Prozent nicht. Doch an ihrem ersten Tag als Parteivorsitzende haben führende SPD-Politiker sich demonstrativ vor sie gestellt. "Sie wird auch das Vertrauen derer gewinnen, die nicht für sie gestimmt haben", sagte Parteivize Ralf Stegner im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Wenn sie wieder kandidiere, werde das Ergebnis auch nach oben gehen. Angesichts des SPD-Umfragetiefs und des Ergebnisses bei der Bundestagswahl seien keine 80 Prozent zu erwarten gewesen.

Auch SPD-Vize Malu Dreyer sieht genug Rückhalt in der Partei. "Ich bin überzeugt, dass Andrea Nahles genug Rückenwind hat", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin der "Rheinischen Post". Auf dieser Grundlage könne sie sehr gut arbeiten. Dreyer räumte aber ein, dass sie mit einem besseren Ergebnis für die neue Parteichefin gerechnet hätte.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sagte der "Passauer Neuen Presse", Nahles besitze "die Kraft und das Stehvermögen, um die Partei wieder nach vorne zu führen und zu einen". Es sei jedoch klar, dass ein "schwerer und steiniger" Weg vor der Partei liege.

Teamspiel in der SPD "ausbaufähig"

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil mahnte seine Partei zur Geschlossenheit. Dem NDR sagte er, alle wüssten, dass man da nur gemeinsam durchkommen könne. "Wenn die SPD jetzt permanent nur nach innen schaut und nach innen streitet, dann sind die Erfolgsaussichten überschaubar. Das Teamspiel in der SPD und vor allem in der SPD-Führung war ausbaufähig."

Zugleich zeigte sich Weil überzeugt davon, dass Nahles die richtige Vorsitzende für den Erneuerunsprozess sei. "Sie ist eine Kämpferin, sie arbeitet ausgesprochen hart, ist beeindruckend kompetent. Und ich glaube, das Entscheidende ist vor allem: Sie identifiziert sich - wenn man so will - 150-prozentig mit der SPD."

Kühnert fordert inhaltliche Diskussionen

Bereits zuvor hatte Juso-Chef Kevin Kühnert in den tagesthemen weitere inhaltliche Debatten gefordert. Die SPD sei bei vielen Themen "ziemlich blank". Deshalb müsse sich die Partei viel Zeit nehmen, um grundlegende Fragen der politischen Ausrichtung zu klären. Mit Nahles an der Spitze sei dies möglich, weshalb er die Fraktionsvorsitzende auch unterstütze - obwohl sie vehement für eine Große Koalition gekämpft hatte.

Auch Nahles selbst hatte angekündigt, ihrer Partei grundlegende Zukunftsdebatten zu verordnen. Dabei solle es um verschiedene Themenfelder wie die Sozial-, Arbeitsmarkt- oder Europapolitik gehen, sagte die neue Parteivorsitzende im Bericht aus Berlin. "Wir brauchen in der Partei einen Aufbruch zu Debatten, die auch nach außen strahlen. Das ist es, was ich unter Erneuerung verstehe."

Die gegen Nahles unterlegene Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange sah es als Mahnung, dass sie selbst mit 27,5 Prozent der Stimmen überraschend gut bei der Wahl abgeschnitten hatte. "Es bestätigt das große Bedürfnis nach Veränderung, nach echter Erneuerung - also auch nach neuen Köpfen", sagte sie. Dennoch: Sie sei sich sicher, dass Nahles eine starke Parteivorsitzende sein werde.

Zwiegespaltene Reaktionen bei der Linkspartei

In der Linkspartei hoffen derweil nach der Wahl Nahles' einige auf einen Linksschwenk der Sozialdemokraten. "Mit Nahles' Ursprung aus der Parteilinken verbinden nicht wenige ein kleines Fünkchen Hoffnung auf die Resozialdemokratisierung der SPD", sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch. Parteichef Bernd Riexinger äußerte jedoch Skepsis. "Wie die Erneuerung der SPD zu einer Politik des 'Weiter so' in der schwarz-roten Bundesregierung passt, ist fraglich", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. April 2018 um 10:00 Uhr und Bericht aus Berlin am 22.04.2018 um 18:30 Uhr.

Darstellung: