SPD-Fahnen. | Bildquelle: dpa

SPD Wie gut klappen Doppelspitzen bei anderen?

Stand: 29.06.2019 05:29 Uhr

"Im Duo stärker" - die SPD will erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg eine Doppelspitze möglich machen. Am Montag beginnt die Bewerbungsfrist. Das könnte ein Erfolgsrezept sein, aber auch ein Rohrkrepierer.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Brandneu ist die Doppelspitze für die SPD eigentlich gar nicht. Nur völlig in Vergessenheit geraten. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Partei meist von mehreren Chefs gemeinsam geführt. Einmal sogar von einem Trio: Hermann Müller, Arthur Crispien und Otto Wels. Dieser lehnte im März 1933 mutig im Namen der SPD das Ermächtigungsgesetz der Nazis ab, und erklärte entschieden im Parlament: "Freiheit und Leben kann man uns nehmen - die Ehre nicht!“

Aber auch damals krachte es häufig innerhalb der Duos oder im Trio an der Führungsspitze. Die sozialdemokratische Troika gab es danach noch öfter - allerdings nicht für einen Posten, sondern verteilt auf Parteichef, Kanzler und Fraktionschef, mit Willy Brandt, Helmut Schmidt und Herbert Wehner. Doch leicht war das für die Genossen selten. Genauso wenig beim Trio Schröder, Scharping und Lafontaine, das alsbald in die Brüche ging.

Mehr Durcheinander als Gutes?

Und auch für die aktuelle Kandidatenkür gilt, dass "zusammengewürfelte Runden am Ende nur Durcheinander bringen", sagt Interimschef Torsten Schäfer-Gümbel. Sich vorher einigen, gut verstehen und dann an einem Strang ziehen - das soll das Erfolgsrezept einer möglichen SPD-Doppelspitze werden.

Wie das funktionieren kann, können sich die Genossen aktuell bei den Grünen abgucken. Dort sind Annalena Baerbock und Robert Habeck zwar nicht im Paket zur Spitzenwahl angetreten, geben jetzt aber ein harmonisches Duo ab. Eine neue Art von Führung, sagt Habeck:

"Nicht, indem einer allein der große Zampano ist, sondern dass geteilte Macht doppelte Stärke ist, und dass sich Vertrauen gibt und versucht, im Team Lösungen zu erarbeiten. Und daran werden wir auf jeden Fall festhalten."

Vorbild sind die Grünen

Die Grünen sind mit dem Duo Habeck/Baerbock erstmals vom Konzept abgewichen, dass aus jedem Flügel einer oder eine antreten müsse. Mit Erfolg. Bei den Linken - auch traditionell in Doppelspitze in Partei und Fraktion - ist von Harmonie dagegen wenig zu spüren. Vor allem zwischen den beiden Duos kracht es regelmäßig. Da pampt Sahra Wagenknecht, Co-Fraktionschefin, den Co-Parteichef Bernd Riexinger schon mal in aller Öffentlichkeit an, wenn der sich bei den Begrüßungsworten vordrängt. Und intern werden seit langem die Messer gewetzt. Dietmar Bartsch, Wagenknechts Fraktions-Doppelpartner, fasste die interne Stimmung bei der Linken vor einiger Zeit so zusammen:

 "Nach dem Gewitter wissen Sie ja auch nicht, ob das das reinigende war, oder ob noch was kommt, Donner und Gewitter."

Wer mit wem?

Und bei der SPD?

"Ich finde, es darf jetzt nichts nicht gedacht werden, beziehungsweise alles muss als Denkansatz möglich sein…"

meint die SPD-Linke Hilde Mattheis. Eine eigene Kandidatur will sie nicht ausschließen, andere zeigen ebenfalls Interesse, wie die frühere Bundespräsidenten-Kandidatin Gesine Schwan, oder Kommunal- oder Landespolitiker, wie Simone Lange aus Flensburg oder Kutschaty aus NRW. Bei den diversen Sommerfesten der Genossen derzeit werden mögliche Duos durchgespielt. Könnte dieser mit jener? Oder diese mit dem? Schwierige Entscheidungen, sagen gehandelte Kandidaten, und hüllen sich am liebsten - noch - in Schweigen.

SPD-Wohl und Wehe der Doppelspitze
Angela Ulrich, ARD Berlin
29.06.2019 07:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juni 2019 um 14:15 Uhr.

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Angela Ulrich, RBB

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