Gesundheitsminister Spahn und RKI-Präsident Wieler | Bildquelle: dpa

Spahn zur Corona-Pandemie "Gefahr einer zweiten Welle ist real"

Stand: 13.07.2020 11:10 Uhr

Auch wenn Deutschland bei der Corona-Bekämpfung momentan relativ gut dasteht - weltweit sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Daher hat Gesundheitsminister Spahn an die Bürger appelliert, gerade in der Urlaubszeit wachsam zu bleiben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Bürger vor Nachlässigkeit im Umgang mit der Corona-Pandemie gewarnt und eindringlich aufgerufen, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. "Die Gefahr einer zweiten Welle ist real", sagte Spahn bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Auch wenn die aktuelle Lage in Deutschland in Anbetracht der stabilen Zahlen bei Neuinfektionen und Todesfällen grundsätzlich erfreulich sei, machten Beispiele aus anderen Ländern - etwa Israel und Südkorea - deutlich, dass sich das schnell wieder ändern kann.

"Wir sollten uns nicht in falscher Sicherheit fühlen", mahnte der Bundesgesundheitsminister. Lokale und regionale Corona-Ausbrüche in Deutschland hätten immer wieder gezeigt, wie leicht sich das Virus unter bestimmten Bedingungen auch in Deutschland ausbreiten könne. Er bat die Bürger, in der Corona-Krise weiterhin Abstand zu halten, die Hygienemaßnahmen einzuhalten und Alltagsmasken zu tragen. "Wir dürfen das Erreichte nicht gefährden."

Corona in Reisezeit: Gesundheitsminister Spahn mahnt Urlauber zur Vorsicht
nachtmagazin 00:35 Uhr, 14.07.2020, Pascal Siggelkow, ARD Berlin

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Wachsam bleiben im Urlaub

Spahn rief die Bevölkerung auf, gerade auch in Urlaubszeiten wachsam zu bleiben und nicht übermütig zu werden.

Mit Blick auf die Lage auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca, wo am vergangenen Wochenende Hunderte Touristen für Empörung gesorgt hatten, weil sie unter Missachtung der Vorsichtsmaßnahmen gefeiert hatten, äußerte sich Spahn besorgt. "Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird", sagte er. Dort, wo miteinander gefeiert werde, sei das Risiko besonders hoch - auch das Rückreiserisiko für alle anderen im Flugzeug und für die Menschen zu Hause.

"AHA-Regeln" einhalten

Einen Appell an die Bevölkerung richtete auch RKI-Präsident Wieler. "Wenn wir dem Virus die Chance geben, sich zu vermehren, tut es das", sagte er. Insgesamt sei die Pandemie nicht vorbei, das machten die rasant steigenden Zahlen von Corona-Neuinfektionen weltweit deutlich. Innerhalb von nur fünf Tagen seien mehr als eine Million neue Fälle gemeldet worden. "Die AHA-Regeln bleiben daher weiterhin gültig - Abstand, Hygiene, Alltagsmasken."

Zumal erste Ergebnisse einer Studie auf Antikörper gegen das Virus unter Blutspendern auf eine geringe Immunität bei den Untersuchten gedeutet hätten. 12.000 Menschen seien getestet worden, Antikörper wurden demnach nur bei 1,3 Prozent gefunden, sagte Wieler. Dieses Zwischenergebnis der nicht-repräsentativen Studie zeige, dass der Großteil der Menschen in Deutschland offenbar noch nicht mit dem Virus in Kontakt gekommen sei. Dies bedeute umgekehrt, dass es sich noch stark verbreiten könne.

Knapp 190.000 nachgewiesene Corona-Infektionen gibt es nach RKI-Angaben derzeit in Deutschland, davon rund 5000 aktive. 9064 mit dem Virus infizierte Menschen sind gestorben.

Corona-Warn-App erfolgreich

Sowohl Wieler als auch Gesundheitsminister Spahn sehen Deutschland in der aktuellen Lage gut aufgestellt. In der vergangenen Woche seien rund eine halbe Millionen Menschen auf das Sars-CoV-2-Virus getestet worden - so viele wie nie zuvor in einer Woche. Das zeigt laut Spahn, dass die Strategien gegen die Ausbreitung wirken.

Zudem sei die Nutzung der deutschen Corona-Warn-App ein weiterer wichtiger Baustein: 15,5 Millionen Smartphonenutzer hätten sie bereits installiert. Wobei RKI-Chef Wieler die Durchschlagskraft der App relativierte: "Die App hilft, Infektionsketten früher zu brechen. Nicht mehr und nicht weniger", sagte er. Etwa 500 Infizierte hätten mit sogenannten Tele-Tans die Möglichkeit bekommen, andere Nutzer zu warnen. Wie viele dies tatsächlich auch getan haben, sei aufgrund der dezentralen Speicherung der Daten nicht zu überprüfen.

Spahn warnt vor "Jetzt-erst-recht"-Modus am Ballermann
Sabine Henkel, ARD Berlin
13.07.2020 12:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau und tagesschau24 am 13. Juli 2020 um 12:00 Uhr.

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