Lothar Wieler und Jens Spahn | REUTERS

RKI und Spahn zur Delta-Variante "Es liegt an uns"

Stand: 25.06.2021 11:43 Uhr

RKI-Chef Wieler und Gesundheitsminister Spahn rechnen mit einem Wiederanstieg der Infektionen, vor allem wegen der Delta-Variante. Spahn mahnte, drinnen weiter Maske zu tragen und auch wirklich zur Zweitimpfung zu gehen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht von einem Wiederanstieg der Inzidenzen hierzulande durch die Delta-Variante aus. Delta sei noch ansteckender als Alpha, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. "Delta verbreitet sich also noch schneller, vor allem natürlich in der ungeimpften Bevölkerung. Daher müssen wir damit rechnen, dass künftig auch die Fallzahlen wieder steigen werden."

Im Moment liege die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz mit 6,2 erfreulich niedrig. Grund dafür sei auch das verantwortungsbewusste Handeln der Bevölkerung. "Lassen Sie uns diese niedrigen Inzidenzen verteidigen!", appellierte Wieler auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn.

In der zweiten Juni-Woche lag der Delta-Anteil nach den jüngsten RKI-Zahlen in Deutschland schon bei 15 Prozent. "Wir gehen davon aus, dass er heute schon höher sein wird", sagte Wieler. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann diese Variante die Hoheit übernehmen werde. Durch vollständiges Impfen, behutsames Öffnen, Maskentragen in Innenräumen, Abstandhalten und Hygiene seien auch diejenigen besser geschützt, die noch nicht geimpft seien oder noch nicht geimpft werden könnten - darunter auch viele Kinder, ergänzte der RKI-Chef.

Delta für mehr Krankenhausaufenthalte verantwortlich

Die Delta-Variante zieht nach Erkenntnissen des Robert Koch-Instituts auch deutlich häufiger Krankenhaus-Aufenthalte nach sich als frühere Mutanten. Bei der Delta-Mutante liege die Quote der Hospitalisierung nach den vorliegenden Zahlen bei elf Prozent, sagte Wieler. Bei der Alpha-Variante liege die Quote in vergleichbaren Altersgruppen bei fünf Prozent. Dieser Unterschied sei in der Altersgruppe von 15 bis 34 Jahren besonders ausgeprägt.

Meiste Ansteckungen in Privathaushalten

Betroffen von der Delta-Variante seien im Moment vor allem Menschen unter 60 Jahren. Die meisten Ansteckungen passierten gerade im privaten Haushalt. Daneben gebe es zurzeit wenige größere Ausbrüche. "Wir wissen, dass Menschen, die vollständig geimpft sind, vor schweren Erkrankungen durch Delta geschützt sind", sagte Wieler. Erst einmal Geimpfte seien nicht nur schlechter geschützt, sondern könnten das Virus auch weitergeben.

Auch im Urlaub sei die Beachtung der Corona-Regeln wichtig. Es gelte, sich über die Infektionslage zu informieren, geschlossene Räume mit schlechter Belüftung sowie Menschenansammlungen und Gruppen mit engen Kontakten zu vermeiden. Beim Zurückkommen empfehle es sich, Testangebote anzunehmen, riet Wieler.

Spahn rief auch mit Blick auf die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus erneut zu Vorsicht im Sommer auf. Aus einem zu sorglosen Sommer dürfe kein "Sorgenherbst" werden, sagte der CDU-Politiker. Die Delta-Variante werde über den Sommer auch in Deutschland die Oberhand gewinnen, dies sei eher eine Frage von Wochen als von Monaten. Es mache bei der Ausbreitung aber einen Unterschied, wie hoch die gesamte Zahl der Ansteckungen und die Impfquote seien. "Es liegt an uns", sagte Spahn.

Testangebote nach Urlaub nutzen

Im Alltag gehe nun draußen "ziemlich viel". In Innenräumen, vor allem mit vielen Menschen, sollten weiter Schutzmasken getragen werden. Reisen sei möglich. Bei der Rückkehr aus dem Urlaub sollten Familien aber kostenlose Testangebote nutzen, auch mit Blick auf den Schulbeginn nach den Ferien.

Der Minister appellierte an alle Bürger, Impfangebote zu nutzen - auch für wichtige Zweitimpfungen als vollen Schutz gegen Virus-Varianten. Inzwischen haben rund 44 Millionen Menschen oder 52,9 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine erste Impfung bekommen, wie Spahn sagte. Den vollen Schutz mit der meist nötigen zweiten Spritze haben demnach nun 28,38 Millionen Menschen oder 34,1 Prozent aller Bürger.

Impfangebot für alle bis Ende August

Der Minister bekräftigte, dass mit den zu erwarteten Lieferungen bis Ende Juli allen Erwachsenen eine erste Impfung angeboten werden könne - und allen Zwölf- bis 18-Jährigen bis Ende August. Inzwischen hätten 300.000 Kinder und Jugendliche in diesem Alter eine Impfung bekommen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Juni 2021 um 11:00 Uhr.