Gesundheitsminister Jens Spahn | Bildquelle: dpa

Strategie gegen Coronavirus Spahn kritisiert Söders Massentests

Stand: 29.06.2020 15:40 Uhr

In Bayern kann jeder einen Corona-Test machen lassen - das sei die "einzig ernsthafte Option", findet Ministerpräsident Söder. Doch kein Land zieht nach. Und auch Bundesgesundheitsminister Spahn hält es für einen Irrweg.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Corona-Massentests ohne systematisches Vorgehen wie in Bayern als nicht zielführend und unnötige Belastung kritisiert. "Es wiegt in falscher Sicherheit, erhöht das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandene Testkapazität", schrieb der CDU-Politiker auf Twitter: "Testen, testen, testen - aber gezielt." Das entspreche der mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) entwickelten nationalen Teststrategie. "Dies beinhaltet umfassendes präventives Testen im Gesundheitswesen und bei lokalen Ausbrüchen wie in Gütersloh."

Spahn hatte vor knapp drei Wochen dafür eine Verordnung verkündet, die eine Reihe zusätzlicher Testmöglichkeiten auf Kassenkosten festlegt. Bis dahin gab es Tests auf Kassenkosten in der Regel nur, wenn jemand Infektionssymptome zeigte.

"Einzig ernsthafte Option"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verteidigte hingegen seine Strategie: "Das ist die einzige ernsthafte Option, es wird sonst zu wenig getestet." Bayern hatte seinen Schritt am Sonntag angekündigt. Zum Konzept gehöre, dass es für jeden mit Krankheitssymptomen eine Garantie auf ein Testergebnis innerhalb von 24 Stunden gebe. Auch jeder, der einfach unsicher sei, könne sich testen lassen. Dafür übernimmt das Land jene Kosten, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. Zunächst schloss sich aber kein weiteres Land an.

CSU-Parteichef Söder wird während einer Ansprache gefilmt. | Bildquelle: dpa
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Markus Söder findet mit seiner Testoffensive bislang keine Nachahmer.

Das bayrische Vorgehen sei nicht ungezielt, sagte Söder weiter: Zunächst gebe es Serientests für das medizinische Personal sowie die Altenpflege und Behinderteneinrichtungen. Ferner werde dies auch Lehrern und Erziehern angeboten, da hier gerade nach den Ferien Gefahren für eine erneute Ansteckungswelle bestünden.

Söder sagte, dass mehr Tests zu einem früheren Zeitpunkt auch in Gütersloh manches vielleicht hätten verhindern können. Mit Blick auf die Lage außerhalb Bayerns mahnte er "dringend, die Gesundheitskapazitäten in den Krankenhäusern zu verbessern, die Gesundheitsdienste auszubauen und eben auch Testen zu stärken".

"Immer nur eine Momentaufnahme"

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) kritisierte. "Ein einzelner Test ist immer nur eine Momentaufnahme", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. "Unmittelbare Maßnahmen können ausschließlich aus positiven Testergebnissen abgeleitet werden." Auch Berlin will mehr testen, wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagte. "Aber wir wollen schon auch gezielter testen." Eine Sprecherin des baden-württembergischen Gesundheitsministers Manfred Lucha wertete Tests aller Bürger als "Mogelpackung".

Unterstützung für Söder kam hingegen vom Hamburger Virologen Jonas Schmidt-Chanasit. "Wenn die Möglichkeit besteht, sich schnell und kostenlos testen zu lassen, kann das nur ein Vorteil in dieser Pandemie sein", sagte er n-tv/RTL. Natürlich werde ein Großteil der Tests erstmal negativ ausfallen. Es gehe aber darum, frühzeitig bestimmte Virenherde aufzudecken.

Diskussion über Corona-Tests für alle
Oliver Fritzel, ARD Berlin
29.06.2020 16:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Juni 2020 um 11:20 Uhr.

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