Jens Spahn | Bildquelle: REUTERS

Spahn zu Corona-Krise Einschränkungen noch "über Monate"

Stand: 20.04.2020 02:57 Uhr

Wie lange noch? Das fragen sich derzeit viele Deutsche mit Blick auf die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Gesundheitsminister Spahn geht davon aus, dass Abstandsgebote und verschärfte Hygieneregeln noch Monate andauern.

Die Abstandsgebote und verschärften Hygieneregeln werden nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn noch lange gelten. Er rechne noch "über Monate" damit, sagte er im ZDF. "Bis es einen Impfstoff gibt, werden wir miteinander und aufeinander aufpassen müssen."

Spahn wies auf die Bedeutung der Gesundheitsämter hin, die die Infektionsketten klären und Kontaktpersonen identifizieren müssen. Kanzlerin Angela Merkel hatte erklärt: "Es muss unser Ziel sein, jede Infektionskette verfolgen zu können." Von Praktikern wird aber beklagt, dass dies nicht gewährleistet ist. "Es hapert an bestimmten Stellen", räumte Spahn ein.

Deshalb wolle man die Gesundheitsämter personell und digital stärken. Geplant sei ein Förderprogramm von bis zu 150.000 Euro von Seiten des Bundes, um die Ämter mit sogenannten Tracking-Apps zur Kontrolle der Quarantäne auszustatten, sagte Spahn. Diese Apps sollten im Laufe des kommenden Monats kommen. Sie müssten aber "bei Datenschutz und Datensicherheit möglichst perfekt sein, bevor wir starten können". 

Verstärkung für Verwaltung geplant

Zur personellen Stärkung der 375 Gesundheitsämter hatten Bund und Länder bereits am 25. März beschlossen, dass in den Ämtern pro 20.000 Einwohner mindestens ein Kontaktnachverfolgungsteam aus fünf Personen eingesetzt werden solle.

Personelle Verstärkung ist danach durch Abordnungen aus anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung geplant. In Gebieten, die besonders stark vom Coronavirus betroffen sind, sollen zusätzliche Teams der Länder und auch der Bundeswehr die Kontaktnachverfolgung und -betreuung unterstützen. 

Kretschmer erwartet mehr Infizierungen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer geht angesichts der Lockerungen in den Verhaltensregeln von mehr Neuinfektionen aus. "Wir werden auf jeden Fall eine Zunahme von Infektionen erleben", sagt er in der ARD-Sendung Anne Will. Die nun vereinbarten Neuregelungen gingen "an die Grenze dessen, was vertretbar ist", so der CDU-Politiker weiter. In drei Wochen werde man sehen, ob die Schritte zu weitgehend gewesen seien.

Sachsen geht bei den Lockerungen weiter als andere Länder. Bereits an diesem Montag werden dort nicht nur eine Reihe weiterer Geschäfte geöffnet, sondern unter strengen Regeln auch Gottesdienste zugelassen und bereits die ersten Abschlussklassen zurück in die Schulen geholt. Verbunden ist das aber mit Verschärfungen an anderer Stelle: Als erstes Bundesland führt Sachsen eine Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz beim Einkauf und im Nahverkehr ein. Bundesweit gilt sonst nur eine dringende Empfehlung.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte bei Anne Will mit Blick auf die bundesweiten Regelungen etwa zur Öffnung kleiner und mittlerer Geschäfte: "Wenn diese Lockerungen dazu führen, dass wir mit niedrigen Infektzahlen zurechtkommen, dann wird es selbstverständlich weiter Lockerungen geben."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. April 2020 um 02:00 Uhr.

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